05. Mai 2021 / 13:41 Uhr

Kommentar: Der Lehmann-Rauswurf ist konsequent – der Ärger kommt für Hertha zur Unzeit

Kommentar: Der Lehmann-Rauswurf ist konsequent – der Ärger kommt für Hertha zur Unzeit

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
 Jens Lehmann sitzt nicht mehr im Aufsichtsrat von Hertha BSC - ein Kommentar von SPORTBUZZER-Redakteur Christoph Brandhorst.
Jens Lehmann sitzt nicht mehr im Aufsichtsrat von Hertha BSC - ein Kommentar von SPORTBUZZER-Redakteur Christoph Brandhorst. © IMAGO/Team 2/Detlev Scheerbarth (Montage)
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Der Rauswurf von Jens Lehmann als Aufsichtsrat reiht sich bei Hertha BSC in eine lange Reihe von Affären abseits des Rasens ein. SPORTBUZZER-Redakteur Christoph Brandhorst findet, dass der Klub aufpassen muss, dass die neuen Querelen das Team im Abstiegskampf nicht belasten.

Hertha BSC kommt einfach nicht zur Ruhe. Gerade, als der Bundesliga-Vorletzte aus der Hauptstadt wieder sportliche Schlagzeilen schreiben wollte, platzte am Dienstagabend die Lehmann-Bombe. Die rassistische WhatsApp-Entgleisung ("Quotenschwarzer") vom nun Ex-Aufsichtsratsmitglied Jens Lehmann gegenüber Sky-Experte Dennis Aogo erreichte am Morgen danach den Berliner Verein. Dass Hertha-Investor Lars Windhorst den Ex-Torwart nun vor die Tür setzt, ist konsequent und richtig. Und trotzdem kommen die neuerlichen Querelen für die Herthaner zur Unzeit.

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Die Liste der Nebenkriegsschauplätze, die sich der Klub seit anderthalb Jahren immer mal wieder schafft (teils selbst-, teils unverschuldet), ist lang. Die Lehmann-Eskapade ist ein weiteres Kapitel. Mit seinem Vorgänger in Herthas Aufsichtsrat, Jürgen Klinsmann, ging im November 2019 eigentlich alles los. Der Ausgang dieses Engagements ist bekannt: Der frühere Bundestrainer wurde kurz nach seinem Antritt in Berlin Cheftrainer, machte aber schon im Februar 2020 per Facebook-Video wieder den Abflug. Es folgten Salomon Kalous Livestream aus der wenig coronakonformen Hertha-Kabine und schließlich Lehmanns Nominierung als Aufsichtsrat. Wer da schon Böses ahnte, sieht sich jetzt bestätigt. Der Vize-Weltmeister von 2002 und frühere Nationalkeeper brachte zwar einen schillernden Namen mit, der durchaus zur Selbstwahrnehmung des "Big City Clubs" passte, einen Mehrwert lieferte Jens Lehmann in seinem Jahr im Hertha-Gremium aber nicht.

Hertha kämpft um Bundesliga-Verbleib

Dass die Fehltritte auf die sportlichen Leistungen nicht gerade einen positiven Einfluss hatten, ist nicht von der Hand zu weisen. Hertha steckt mitten im Abstiegskampf. Dazu kam die zweiwöchige Quarantäne für die komplette Mannschaft nach fünf Corona-Fällen im Team. Den Punkt, den die Spieler von Trainer Pal Dardai, am Montag beim 1:1 in Mainz holten, darf man durchaus als Schritt in die richtige Richtung werten. Er könnte am Ende noch wichtig werden.

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Und nun das: Neuer Ärger abseits des Rasens! Nicht erst seit der Aufregung um Lehmanns Rassismus-Nachricht an Aogo und seinen anschließenden Rauswurf bei Hertha befinden sich die Berliner auf dem besten Weg zum notorischen Chaos-Klub á la Hamburger SV oder Schalke 04. Jetzt geht es darum, dass Dardai und seine Jungs einen kühlen Kopf bewahren. Sonst sieht sich das Trio in der kommenden Saison womöglich in der 2. Bundesliga wieder.