29. November 2021 / 22:46 Uhr

Kommentar zum Messi-Sieg bei der Wahl des Ballon d'Or: Dieses Urteil ist ein echter Skandal

Kommentar zum Messi-Sieg bei der Wahl des Ballon d'Or: Dieses Urteil ist ein echter Skandal

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lionel Messi (l.) gewann zum siebten Mal den Ballon d'Or. Robert Lewandowski wurde Zweiter.
Lionel Messi (l.) gewann zum siebten Mal den Ballon d'Or. Robert Lewandowski wurde Zweiter. © Getty (Montage)
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Lionel Messi sicherte sich am Montagabend zum siebten Mal den Ballon d'Or für den besten Fußballer und verwies damit Bayern-Torjäger Robert Lewandowski überraschend auf Platz zwei. Für RND-Sportchef Heiko Ostendorp ist dieses Urteil ein Skandal.

Normalerweise gehört es sich nicht, über Kollegen zu schimpfen - erst recht nicht, wenn es um eine "neutrale" Wahl oder eine Abstimmung geht. Doch dass 30 Journalisten offenbar der Meinung waren, dass Lionel Messi den Ballon d‘Or, den Titel für den besten Fußballer der Welt 2021, eher verdient hat als Robert Lewandowski, kann ich tatsächlich nicht ernst nehmen - dieses Urteil ist ein echter Skandal!

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Zum siebten Mal geht die Trophäe damit an den Zauberfloh, dem man sie eigentlich schon hätte überreichen können, als er zum ersten Mal vor den Ball trat. Und seitdem jedes Jahr, weil es einfach so viel Spaß macht, ihm beim Kicken zuzusehen - doch darum geht es nicht.

Denn diese Auszeichnung sollte jeweils der Mann bekommen, der in der vergangenen Saison die größten Erfolge gefeiert, die meisten Tore geschossen, seine Mannschaft am meisten unterstützt und dabei trotzdem persönlich herausgeragt hat. Messi lieferte 2021 insgesamt 41 Tore und 17 Assists, gewann mit Argentinien die Copa America und mit dem FC Barcelona die Copa del Rey, den spanischen Pokal.


Zum Vergleich: Robert Lewandowski erzielte 64 Treffer, dazu bereitete er zehn vor. Mit Bayern München holte er in diesem Kalenderjahr die Meisterschaft, die Klub-WM und den DFL-Supercup. Er schnappte sich im Mai zudem den Bundesliga-Tor-Rekord von Gerd Müller mit 41 Saisontoren. Es gab keinen Fußballer auf diesem Planeten, dem dieser Titel mehr zugestanden hätte, als dem Polen. Und im Jahr zuvor, als die Wahl aufgrund der Pandemie ausfiel und welches ebenfalls mit in die Bewertung einfließen sollte, war Bayerns Nummer 9 noch außerirdischer unterwegs, gewann mit den Münchenern unter anderem die Champions League.

Preis als bester Torschütze fast eine Beleidigung für Lewandowski

Leider, leider passt diese unfassbare Entscheidung wieder mal ins katastrophale Bild, welches der Fußball seit Jahren immer wieder abgibt: bei fragwürdigen WM- oder EM-Vergaben, bei Missachtungen der eigens erschaffenen Regeln wie des Financial Fairplay oder bei der Überfrachtung des Terminkalenders aus Geldgier und entgegen jeder Vernunft. Dass der Veranstalter France Football nun auch noch kurzfristig einen zweiten Pokal für den besten Torschützen vergab, damit Lewandowski nicht komplett leer ausgeht, wirkte wie eine Rechtfertigung und ist fast schon eine Beleidigung.

Sorry, liebe Kollegen, aber gebt euren Posten bitte freiwillig ab und stellt eure Stimmen im nächsten Jahr jemand anderem zur Verfügung: ihr habt euch am Montagabend komplett unglaubwürdig gemacht.