07. Dezember 2020 / 20:25 Uhr

Kommentar zum Löw-Auftritt: Es herrscht nur ein Scheinfrieden beim DFB

Kommentar zum Löw-Auftritt: Es herrscht nur ein Scheinfrieden beim DFB

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Steht vor seinem letzten Jahr, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp: Bundestrainer Joachim Löw.
Steht vor seinem letzten Jahr, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp: Bundestrainer Joachim Löw. © Getty Images
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Joachim Löw trat kämpferisch vor die Presse und hielt auch mit Kritik an die eigenen Reihen nicht zurück. Der Bundestrainer geht als Gewinner aus den Gesprächen, weiß aber auch, dass seine Zeit ablaufen wird, kommentiert RND-Sportchef Heiko Ostendorp.

So engagiert, so angriffslustig und so bestimmt wie am Montagnachmittag hätten sich viele Fußball-Fans in Deutschland den Bundestrainer zuletzt auch häufiger am Spielfeldrand gewünscht. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der 0:6-Klatsche in Spanien gab sich Joachim Löw im Kampfmodus und sagte ganz offen, was er von vielen Vorfällen in den letzten Tagen und Wochen hielt.

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"Wütend" sei er, "maßlos enttäuscht" und "extrem verärgert". Vor allem über die Interna, die aus den Gesprächen, die er mit dem DFB-Präsidium führte, an die Öffentlichkeit gelangten – ob alle komplette der Wahrheit entsprachen oder nicht, spielte dabei nicht mal die entscheidende Rolle. Denn bei allen markigen Worten, die Löw in seinen Ausführungen sonst noch so parat hatte, waren die Sätze rund um seine vertraulichen Telefonate und Treffen die spannendsten. Sie zeigten einmal mehr: So geht es nicht weiter!

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In der aktuellen Konstellation der Führungsriege des Verbandes ist eine langfristige Zusammenarbeit undenkbar. DFB-Direktor Oliver Bierhoff, Präsident Fritz Keller, dazu Generalsekretär Friedrich Curtius und die Vizepräsidenten Rainer Koch und Peter Peters sowie Schatzmeister Stephan Osnabrügge bilden eine brandgefährliche Gemengelage. Löw sprach wortwörtlich von "Explosionsgefahr" - wohl wissend, dass jeder der Beteiligten seine eigene Agenda fährt und man offenbar damit rechnen muss, vom einen oder anderen ausgespielt oder ans Messer geliefert zu werden. Auch die merkwürdige Pressemitteilung des Präsidenten, in der es hieß, er brauche "emotionale Distanz", zerlegte Löw.

2021 wird wohl das letzte Löw-Jahr beim DFB

Was er wirklich brauche seien Rückhalt und Vertrauen, sagte der Bundestrainer und gaukelte vor, beides nach einer Aussprache mit den Beteiligten bekommen zu haben. Doch er selbst weiß, dass die momentane Situation nicht mehr ist als ein Scheinfrieden, der beim nächsten Misserfolg wieder komplett zu zerbrechen droht. Löw geht trotz katastrophaler Umfrage-Ergebnisse bezüglich seiner Person als Gewinner aus den Gesprächen in die lange Winterpause. Dennoch ahnt er, dass 2021 sein letztes Jahr auf der Bank der Nationalmannschaft sein wird. Unabhängig davon, wie die EM im Sommer ausgeht.

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