23. November 2021 / 21:45 Uhr

Kommentar zur Impfpass-Affäre des Ex-Werder-Trainers: Markus Anfangs Bärendienst für die Fußball-Branche

Kommentar zur Impfpass-Affäre des Ex-Werder-Trainers: Markus Anfangs Bärendienst für die Fußball-Branche

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Markus Anfang trat am Wochenende als Trainer von Werder Bremen zurück.
Markus Anfang trat am Wochenende als Trainer von Werder Bremen zurück. © IMAGO/Comsport
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Der mutmaßlich gefälschte Impfpass von Markus Anfang ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker des gesamten Profifußball-Geschäfts, meint Heiko Ostendorp, Sportchef des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

Natürlich ließen die ersten Reaktionen nicht lange auf sich warten, als am vergangenen Wochenende herauskam, dass die Staatsanwaltschaft gegen Markus Anfang ermittelt. Der Werder-Trainer soll seinen Impfpass gefälscht haben, so der Vorwurf. Seitdem überschlagen sich die Ereignisse an der Weser - und die Kommentare derjenigen, die es schon immer gewusst haben, explodieren: Typisch Fußball, typisch Scheiß-Millionäre, typisch abgehobenes und kaputtes Business.

Inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass sich der Verdacht gegen den mittlerweile zurückgetretenen Anfang bestätigt und er seine Spieler, seinen Arbeitgeber, die Fans und alle Mitarbeiter des Klubs tatsächlich monatelang absichtlich belogen hat. Selbstverständlich gilt noch die Unschuldsvermutung, solange Anfangs Schuld nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist, doch das öffentliche Urteil ist längst gefällt.

Alleine der unfassbare Vorgang ist Wasser auf die Mühlen all derer, die ohnehin an eine verseuchte Branche glauben, die sich an keinerlei Regeln halten muss, die korrupt ist und mit viel schmutzigem Geld nur so überschüttet wird. Deshalb hat Anfang dem gesamten deutschen Fußball mit seinem Verhalten (er hat bislang nichts dafür getan, ihm zu glauben) einen echten Bärendienst erwiesen.

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Die Diskussion um Joshua Kimmich und vier weitere ungeimpfte Stars des FC Bayern und die häufiger werdenden Coronafälle im Profifußball hatte die Kritiker und Trittbrettfahrer schon vor Wochen aus der Reserve gelockt, die Vorkommnisse um Anfang wirken nun wie ein Brandbeschleuniger.

In beiden Fällen gibt es nichts schönzureden, dennoch sollte differenziert und eines nicht vergessen werden: Der Fußball ist und bleibt ein Spiegelbild der Gesellschaft. Und im Vergleich zum Rest der Bevölkerung verhalten sich die meisten Klubs und Spieler fast schon vorbildlich - von der Impfquote angefangen über die täglichen Testungen sowie die sonstige Umsetzung der Hygienemaßnahmen im Rahmen der von der Politik vorgegebenen (!) Bedingungen.

Deshalb ist es umso enttäuschender, wie sehr ein Unverbesserlicher dafür sorgen kann, dass zig Vernünftige in Sippenhaft genommen werden. Mit der Tatsache, seine Karriere aus unerfindlichen Gründen auf einen Schlag komplett in den Sand gesetzt zu haben, bestätigt sich alles, dürfte Anfang immerhin ordentlich abgestraft sein - den Rest sollten dann die Gerichte erledigen.