27. Juni 2020 / 13:18 Uhr

96-Meinung: Die Zukunft von Hannover 96 wird spannend

96-Meinung: Die Zukunft von Hannover 96 wird spannend

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hannover 96 kann mit einem Sieg gegen den VfL Bochum noch Platz erreichen.
Hannover 96 kann mit einem Sieg gegen den VfL Bochum noch Platz erreichen. © Hannover 96 Pool
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Nach einer Saison mit Höhen und Tiefen kommt bei Hannover 96 alles auf den Prüfstand. Am Sonntag endet die Spielzeit, vielleicht sogar mit Platz sechs und einem versöhnlichen Abschluss. Dann steht 96 vor einem spannenden Umbruch, meint Hannover-Sportchef Carsten Bergmann.

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Da liegt er nun vor uns, der letzte Spieltag der 2. Liga. Lange Zeit fiel es uns schwer, an das Erreichen dieses historischen Datums zu glauben. Die zweifelhafte Disziplin so mancher Profis hat schon vor der Pandemie die Schlagzeilen bestimmt. Wieso sollte es ausgerechnet im Corona-Zeitalter anders sein?

Doch bis auf wenige Ausreißer ist es allen Vereinen, getrieben von der schieren Pleiteangst, gelungen, nicht über das Level von arroganten Videos aus der Kabine und merkwürdigen Supermarkteinkäufen in Quarantänezeiten hinauszukommen. Der Bundesliga-Lockdown blieb aus. Mehr noch. In Hannover führte die Gruselatmosphäre zu einem regelrechten Kick-Start.

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Die Auer Spieler feiern ihren Treffer. ©

Ein versöhnlicher Abschluss

Kleiner Rückblick zum Jahresbeginn. 96 dümpelt durch die 2. Liga, der freie Fall in die Drittklassigkeit nach Braunschweiger Vorbild drohte Hannover. In der Stadtgesellschaft hingegen verfestigte sich ein gewisses Gefühl der Gleichgültigkeit. Selbst, als das Stadionverbot für Zuschauer noch nicht galt, fühlte sich der Heimspieltempel nicht gerade an wie ein Zuhause. Minus-Temperaturen, Minus-Kulisse, Minus-Fußballgefühl.

Während das Umfeld eher wegschaute, blickte Kenan Kocak, als früherer Sandhausen-Trainer keineswegs an 96-Größenordnungen gewöhnt, genau hin. Ins Team, ins Umfeld, auch in die eigene Taktikmappe. Kocak kümmerte sich um die fußballerische Grundausbildung der Frust-Profis und streichelte gleichzeitig die Seelen der Bank-Angestellten. Es wuchs eine Mannschaft zusammen, die nun immerhin noch die Chance auf Platz sechs besitzt. Nicht spektakulär, aber in gewissen Maßen versöhnlich.

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Alles auf dem Prüfstand

So versöhnlich, dass 96-Boss Martin Kind für die neue Saison unabhängig vom komplizierten Corona-Transfermarkt im Sommer und trotz weiterer Einnahmenverluste durch Geisterspiele den Aufstieg als Ziel vorgibt. Meister muss 96 nach seinen Wünschen allerdings nicht unbedingt werden – der sonst so resolute Geschäftsführer würde sich mit Platz zwei zufrieden geben. Die Fußballwelt in Hannover spielt verrückt, und 96 steht vor einem spannenden Umbruch. Von der Nummer eins im Tor bis zum Physiotherapeuten kommt alles auf den Prüfstand. Mal wieder.

Bochum ist nun das Ende einer kuriosen Saison – und gleichzeitig der Start in eine erstklassige Zukunft. Wenn nicht wieder was dazwischenkommt, wie aus dem Nichts.