10. Mai 2020 / 19:15 Uhr

Kommentar zum Windhorst-Coup mit Jens Lehmann bei Hertha BSC: Skepsis schwingt mit

Kommentar zum Windhorst-Coup mit Jens Lehmann bei Hertha BSC: Skepsis schwingt mit

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jens Lehmann steigt im Aufsichtsrat von Hertha BSC ein. SPORTBUZZER-Redakteur Stephan Henke hält Skepsis für angebracht.
Jens Lehmann steigt im Aufsichtsrat von Hertha BSC ein. SPORTBUZZER-Redakteur Stephan Henke hält Skepsis für angebracht. © imago images/Jan Huebner
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Investor Lars Windhorst setzt erneut auf einen großen Namen im Aufsichtsrat von Hertha BSC: Mit Jens Lehmann folgt ein ähnlicher Querdenker auf Jürgen Klinsmann, wie schon der Ex-Bundestrainer einer war – und dieses Experiment scheiterte bekanntlich krachend. 

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Hertha BSC sorgt in dieser Saison für so viele Schlagzeilen wie wohl im ganzen neuen Jahrtausend noch nicht. Am Sonntag folgte der nächste Paukenschlag: Jens Lehmann sitzt für Investor Lars Windhorst künftig im Aufsichtsrat der Berliner! Damit folgt er auf Jürgen Klinsmann, der Anfang November der erste Coup von Windhorst war. Ende November rückte der Ex-Bundestrainer sogar auf die Trainerbank – und im Februar war nach einer wahren Schlammschlacht mit Hertha auf beiden Posten Schluss für Klinsmann, am Ende brach auch Investor Windhorst mit dem Weltmeister von 1990.

Lehmann folgt auf Klinsmann: Vom Regen in die Traufe?

Windhorsts Intention hinter dem Lehmann-Coup ist dabei verständlich: Mit (meinungs)starken Persönlichkeiten – neben Lehmann rückt auch noch Klopp-Berater Marc Kosicke in den Aufsichtsrat – im Gefolge will der Investor Einfluss auf den Bundesligisten nehmen, in den er bislang 224 Millionen Euro gepumpt hat. Dafür bekam er 49,9 Prozent der Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA – bei so viel Geld will man auch mitreden. "Ich sehe dies aktuell als eines der interessantesten Projekte im Fußball", betonte Lehmann in einer Mitteilung der Beteiligungsgesellschaft Tennor von Lars Windhorst. Das klang fast wie bei Klinsmann, der zu seinem Amtsantritt sagte: "Ich freue mich, ab sofort Teil des spannendsten Fußballprojektes in Europa zu sein."

​50 ehemalige Spieler von Hertha BSC – und was aus ihnen wurde.

Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Hertha BSC. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Hertha BSC. ©

Nun folgt also Lehmann auf Klinsmann – und damit ein ganz ähnlicher Typ wie sein Vorgänger. Lehmann gilt als Querdenker, der öfter mit seiner Meinung auch einmal aneckt. Zuletzt erst, als er im Sport1-"Doppelpass" vor drei Wochen überraschende Vorschläge zum Umgang mit dem Coronavirus machte. Deshalb schwingt eine gewisse Skepsis mit, wenn auf Klinsmann plötzlich Lehmann folgt. Kommt Hertha damit vom Regen in die Traufe? Wenn Lehmann für ähnlich viel Unruhe im Umfeld von Hertha sorgt wie Klinsmann, dürfte die Skepsis der Fans immer größer werden, die in den sozialen Netzwerken bereits mit viel Häme auf die Verpflichtung reagierten.

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Lehmanns Erfolge als Spieler sind dabei unbestritten: Meister in Deutschland (Borussia Dortmund), England (FC Arsenal) und Italien (beim AC Mailand spielte er damals ein halbes Jahr) sowie Uefa-Cup-Sieger (FC Schalke 04). Außerdem Teil des Sommermärchens bei der Heim-WM 2006, bei dem Lehmann kurz vor dem Turnier Oliver Kahn als Stammtorhüter ablöste – eine Entscheidung, die damals Jürgen Klinsmann als Bundestrainer traf. Nach der Karriere als Spieler folgte die als (Co-)Trainer, zunächst beim FC Arsenal (2017/2018) an der Seite von Trainerlegende Arsène Wenger, später dann ein gut dreimonatiges Intermezzo beim FC Augsburg (Januar bis April 2019). Nach seinem Abschied in Augsburg kündigte Lehmann übrigens an, dass er künftig als Cheftrainer arbeiten wolle. Einen Jobwechsel vom Aufsichtsrat zum Cheftrainer gab es bei Hertha ja erst kürzlich, gute Erfahrungen hat man damit keine gemacht.