23. März 2021 / 19:15 Uhr

Kommentar zum Sexismus-Eklat um Heiko Vogel: Der Fußball lebt weiter in der Steinzeit

Kommentar zum Sexismus-Eklat um Heiko Vogel: Der Fußball lebt weiter in der Steinzeit

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Heiko Vogel erweist dem Fußball einen Bärendienst.
Heiko Vogel erweist dem Fußball einen Bärendienst. © IMAGO/Markus Endberg
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Heiko Vogel hat mit sexistischen Äußerungen für Empörung gesorgt. Die Handlungen des Jugendtrainers von Borussia Mönchengladbach zeigen ein größeres Problem, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp. Von Geschlechter-Gleichberechtigung ist der deutsche Fußball leider noch weit entfernt.

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Immerhin hat sich nun Fritz Keller höchstpersönlich des Themas angenommen. Am Montag führte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein Gespräch mit Alexandra Popp und Almuth Schult, ihres Zeichens Nationalspielerinnen. Beide hatten zuletzt – wie viele andere – Kritik am Umgang mit dem Fehlverhalten von Gladbachs U23-Trainer Heiko Vogel geübt. Dieser war bei einem Regionalliga-Spiel ausfallend gegenüber den Schiedsrichter-Assistentinnen geworden und sollte zur "Strafe" unter anderem sechs Trainingseinheiten von Frauen- oder Mädchenmannschaften leiten. Vogels Verein stellte daraufhin klar, dass dies kein Teil der Strafe des Verbandes (zwei Spiele Sperre + 1500 Euro Geldstrafe) gewesen sei, sondern ein "Angebot" des Trainers selbst, der sich mittlerweile für die Vorfälle ausdrücklich entschuldigt hat.

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So oder so zeigt dieser Vorfall wieder mal auf, dass der Fußball nach wie vor in der Steinzeit lebt und nichts, aber auch gar nicht gelernt hat, aus ähnlichen Geschichten in der Vergangenheit. Vogels Ausbruch ("Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach nichts zu suchen") war nämlich nicht "unsportlich", wie er bewertet wurde, sondern beleidigend und diskriminierend. Dazu sollte man wissen, dass der 45-Jährige durchaus ein intelligenter Mann ist, ein Familienmensch, der voll im Leben steht. Seine Idee, nach seinem Wutanfall junge Damen zu coachen, war vermutlich sogar gut gemeint. Sie lässt aber leider auf noch immer weit verbreitete Denkmuster schließen.

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Von Gleichberechtigung kann im Fußball weiter keine Rede sein

Von Gleichberechtigung kann im Sport, speziell im Fußball, sowieso keine Rede sein. Frauen würden dort häufig noch "massiv strukturell benachteiligt", gab Keller nach dem Gespräch mit den Damen zu und versprach "volle Unterstützung." Ein halbes Jahrhundert nachdem der DFB sein Frauenfußballverbot aufgehoben hat, darf man gespannt sein, wie diese Unterstützung in naher Zukunft tatsächlich aussehen wird.