27. Oktober 2019 / 11:48 Uhr

Kommentar zum SC Freiburg: Endlich Frischluft in der Bundesliga-Spitzengruppe

Kommentar zum SC Freiburg: Endlich Frischluft in der Bundesliga-Spitzengruppe

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der SC Freiburg mit Trainer Christian Streich kommt in dem immer die gleichen Schlagzeilen produzierenden Geschäft äußerst erfrischend daher, meint Redakteur Tim Lüddecke.
Der SC Freiburg mit Trainer Christian Streich kommt in dem immer die gleichen Schlagzeilen produzierenden Geschäft äußerst erfrischend daher, meint Redakteur Tim Lüddecke. © getty/imago
Anzeige

Der SC Freiburg ist nach neun Spieltagen das Überraschungsteam der bisherigen Saison – und kommt im erwartbaren Bundesliga-Zirkus angenehm anders daher, meint SPORTBUZZER-Redakteur Tim Lüddecke.

Dass Joachim Löw sich am Samstagnachmittag ein Bundesligaspiel des SC Freiburg anschaute, ist erstmal nicht überraschend. Der Bundestrainer wohnt gerade mal eine Viertelstunde vom Schwarzwald-Stadion entfernt, ist Rekordtorschütze des Klubs. Inzwischen kann es der 59-Jährige aber auch rein sportlich begründen, dass er dafür zum Beispiel das Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund sausen lässt, um etwaige Nationalspieler zu beobachten.

Anzeige

Die bekommt er seit geraumer Zeit nämlich auch im Breisgau zu sehen, Luca Waldschmidt und Robin Koch haben gerade erst ihr erfolgreiches Debüt für seine A-Nationalmannschaft gegeben. Und dann war da mit drei weiteren Nationalspielern in der Startelf (Timo Werner, Marcel Halstenberg, Lukas Klostermann) ja noch ein hochkarätiger Gegner angereist. Doch selbst RB Leipzig sollte den einmal mehr überzeugend aufspielenden Freiburgern am Ende mit 1:2 unterlegen sein – und von ihnen in der Tabelle überholt werden. Dort befinden sie sich nun als Überraschungsteam in eigentlich ungewohnter Gesellschaft: FC Bayern, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach.

Mehr vom SPORTBUZZER

Normalerweise hat sich der Klub ja mit ganz anderen Regionen zu befassen, in den vergangenen beiden Spielzeiten steckte der Klub lange im Abstiegskampf, belegte am Ende den 13. und 15. Tabellenplatz. Doch nicht nur deshalb kommt der Sport-Club Freiburg e. V. als Antithese in der aktuellen Bundesliga-Spitzengruppe daher. Und das ist in dem immer die gleichen Schlagzeilen produzierenden Geschäft äußerst erfrischend.

Erkennst du dein Bundesliga-Stadion?

Erkennst du dein Bundesliga-Stadion? Zur Galerie
Erkennst du dein Bundesliga-Stadion? ©

Unumstrittene Konstante Christian Streich

Während in München und in Dortmund seit Wochen die Trainer Niko Kovac und Lucien Favre in schöner Regelmäßigkeit in Frage gestellt werden, gilt ihr Freiburger Pendant Christian Streich im Breisgau als unumstrittene Konstante. Seit sieben Jahren und fast zehn Monaten trainiert er den Klub nunmehr, stieg 2015 mit ihm ab und gleich wieder auf – ist heute der mit Abstand dienstälteste Trainer in der 1. Liga. Ären wie diese wird es in Zeiten wie diesen so viele nicht mehr geben. Und das ist schade, weil sich zeigt, dass sie erfolgreich, unterhaltsam und relevant sein können.

Eher die Ausnahme ist es ja auch, dass ein Trainer unangenehme Themen anspricht, sei es von gesellschaftlicher Natur – oder als Kritik in Richtung der eigenen Fans. Als Freiburger Anhänger beim letzten Auswärtsspiel in Berlin Bengalos in ihrem Block abgebrannt hatten, wütete Streich regelrecht: „Das nervt total. Vielleicht ist es ihnen in den Kopf gestiegen, dass wir 14 Punkte haben, aber jetzt ist der Kopf wieder klar und wir wissen, wo wir stehen. Ich weiß nicht, ob sie besonders cool sein wollten, weil sie in der Hauptstadt sind.“

15 ehemalige Bundesliga-Talente und was aus ihnen wurde

Der SPORTBUZZER hat den Werdegang der ehemaligen Bundesliga-Talente Alen Halilović (l.), Pierre Emile Höjbjerg (m.) und Gianluca Gaudino (r.) genauer verfolgt. Zur Galerie
Der SPORTBUZZER hat den Werdegang der ehemaligen Bundesliga-Talente Alen Halilović (l.), Pierre Emile Höjbjerg (m.) und Gianluca Gaudino (r.) genauer verfolgt. ©

Keine Wechselgedanken bei Waldschmidt & Co.

Wenn man Sätze wie diesen liest, bekommt man eine Ahnung, warum er auch seine Mannschaft seit Jahren so gut im Griff hat. Er trifft den richtigen Ton, egal ob gegenüber den Medien oder seinen Spielern, die teilweise noch Teenies sind. Und während er seine besten Profis in den Jahren zuvor immerzu zu größeren Vereinen hatte ziehen lassen müssen, dachten umworbene Spieler wie Waldschmidt in diesem Sommer gar nicht mal an einen Weggang. Auch das ist ein Beleg für den hippen SC Freiburg.