25. November 2020 / 14:51 Uhr

Kommentar zur Schalke-Krise: Schneider sollte zurücktreten – S04 braucht Neuanfang auf allen Ebenen 

Kommentar zur Schalke-Krise: Schneider sollte zurücktreten – S04 braucht Neuanfang auf allen Ebenen 

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schalke-Sportchef Jochen Schneider (links) steht auch bei RND-Sportchef Heiko Ostendorp in der Kritik.
Schalke-Sportchef Jochen Schneider (links) steht auch bei RND-Sportchef Heiko Ostendorp in der Kritik. © Getty Images/Montage
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Nach 24 Bundesligaspielen ohne Sieg und dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz herrscht bei Schalke 04 große Unruhe. Am Dienstag hat sich der Tabellenletzte von Kaderplaner Reschke getrennt. Zudem wird der Vertrag mit Stürmer Ibisevic aufgelöst. Bentaleb soll gehen. Aus Sicht von RND-Sportchef Heiko Ostendorp ist die Zeit für ein Neuanfang auf allen Ebenen gekommen.

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Am 14. März 2019 trat Jochen Schneider sein Amt als Sportvorstand beim FC Schalke 04 an und wurde Nachfolger des zurückgetretenen Christian Heidel, der ihm einen ziemlichen Trümmerhaufen hinterlassen hatte. Schneider wusste, auf was er sich einlässt und war überzeugt, die schwierige Aufgabe meistern zu können – doch auch er ist gescheitert.

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Gut eineinhalb Jahre später liegt der ruhmreiche S04 komplett am Boden: sportlich, finanziell, personell, strukturell. Dass von den 51 Spielen in seiner Amtszeit gerade mal elf gewonnen wurden, kann man Schneider noch am wenigsten vorwerfen. Dass er aber eine Mannschaft zusammenstellte, die offenbar hauptsächlich aus überbezahlten Egoisten besteht, hingegen schon. Außerdem hat Schneider auch den deutlich zu späten Rauswurf von Ex-Trainer David Wagner und die Einstellung von Erfolglos-Coach Manuel Baum zu verantworten. Von den unzähligen peinlichen Vorfällen und teilweise hanebüchenen Entscheidungen abseits des Platzes mal ganz abgesehen.

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Am Tag nach der Demission von Kaderplaner Michael Reschke und der Suspendierung dreier Profis stellte sich Schneider und räumte ein: "Ich habe auch Fehler gemacht." Stimmt! Ihm nun alles in die Schuhe zu schieben, wäre natürlich viel zu einfach. Viel zu viele Leute haben auf Schalke viel zu lange versagt und den Klub in den Zustand gebracht, in dem er sich jetzt befindet: Letzter in der Bundesliga, hochverschuldet, führungs- und vor allem konzeptlos. Deshalb sollte auch der Mann seinen Hut nehmen, der dieses Dilemma nicht mal ansatzweise verhindern konnte: Jochen Schneider.



Wer dessen Abgang als feige ansehen würde, liegt falsch, denn Schalke hilft derzeit nur eines: ein Neunanfang auf allen Ebenen. Mit einer neuen Mannschaft, deren Hauptakteure aus dem eigenen (nach wie vor tollen) Nachwuchs kommen sollten. Mit einem neuen Trainer, der am besten Norbert Elgert heißt. Und mit einer neuen Führungsriege, für die sich offenbar schon einige Legenden angeboten haben, die der Traditionsklub en masse besitzt.

Ob der Abstieg damit verhindert werden kann? Keine Ahnung. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Schlimmer als jetzt kann es nämlich nicht mehr werden.