18. Dezember 2020 / 17:47 Uhr

Kommentar zur Trainer-Rochade auf Schalke: Stevens bestimmt auch über Schneiders Schicksal

Kommentar zur Trainer-Rochade auf Schalke: Stevens bestimmt auch über Schneiders Schicksal

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Schicksal von Schalke-Boss Jochen Schneider ist an den Erfolg von Interimstrainer Huub Stevens geknüpft.
Das Schicksal von Schalke-Boss Jochen Schneider ist an den Erfolg von Interimstrainer Huub Stevens geknüpft. © Getty Images (Montage)
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Schalke 04 sucht einen neuen Cheftrainer - wieder einmal. Nach der Freistellung von Manuel Baum rückt Sportvorstand Jochen Schneider in den Fokus. Für SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos ist klar: An der katastrophalen Schalke-Saison sind längst nicht nur die Spieler und Trainer Schuld.

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2020 wird als Jahr in die Geschichte eingehen, das unsere Welt mit all ihren vermeintlichen Gewissheiten ins Wanken gebracht hat. Auf eines jedoch konnte man sich auch in diesen Corona-verseuchten Monaten verlassen: Dass FC Schalke 04 es zuverlässig vollbringt, die in den vergangenen Monaten ohnehin schon gering gewordenen Erwartungen in den Klub nochmal zu unterbieten. Und es war ja wirklich nicht mehr viel, auf das man noch setzte: Dass ein so bedeutsamer Verein es irgendwie schafft, im Krisenmodus einen halbwegs kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht ständig selbst zu martern – vor allem im Sinne seiner ebenso zahlreichen wie leidgeprüften Fans. Doch nicht mal das ist bei S04 mehr drin. Der Verein scheint sich im Angesicht des drohenden Abstiegs langsam selbst zu zerstören.

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Mit Manuel Baum hat Sportvorstand Jochen Schneider nun schon den zweiten Trainer in einer Saison verschlissen, die ihresgleichen sucht. Schalke ist seit 28 Spielen sieglos, hat vier Pünktchen auf der Habenseite, acht Tore geschossen und 35 kassiert. All das lässt sich sicherlich auch mit unzureichenden Lösungsansätzen von Baum und Vorgänger David Wagner erklären. Doch für die Fehlentwicklungen sind die Trainer nicht allein zur Rechenschaft zu ziehen.

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Der Aufsichtsrat muss allmählich auch Schneider intensiv hinterfragen. Seit er im März 2019 Schalke übernahm, hat der Sportchef zweifellos viel Herzblut in den Verein gegeben – aber S04 weder Stabilität noch Innovation oder gar eine Identität gebracht. All dies braucht der Verein inmitten der sportlichen und wirtschaftlichen Misere jedoch wie die Luft zum Atmen. Ja, das ist nicht leicht – aber Schneider wusste, was seine ihm seine Vorgänger hinterlassen haben. Statt Schalke krisenfest zu machen, folgte eine Fehlentscheidung auf die nächste. Defizite in der Kommunikation, Versäumnisse in der Kaderplanung und ein schlechtes Händchen bei der Wahl seiner Trainer. Schneider ist gescheitert. Dass man in der bedrohlichen finanziellen Lage jetzt noch zwei Ex-Trainer bezahlen muss (beide Verträge laufen bis 2022), passt ebenso ins Bild wie die Wahl des Interimstrainers, der am Samstag gegen Arminia Bielefeld den ersten Sieg seit Januar (!) und damit eine Art ein „Weihnachtswunder“ vollbringen soll.

Einmal mehr darf (oder muss?) sich „Jahrhunderttrainer“ Huub Stevens an Schalke 04 versuchen. Ein Mann, dem der Verein sehr am Herzen liegt, der allerdings schon vor zwei Jahren, als er für zehn Spiele aus dem Ruhestand an die Seitenlinie zurückkehrte, etwas aus der Zeit gefallen schien. Schneider, der bei seiner Vorstellung für „moderne Konzepte“ und ein „erstklassiges Netzwerk“ gelobt wurde, greift jetzt – bei allem Respekt – tief in die königsblaue Mottenkiste. Sollte auch dieser Plan für die beiden letzten Spiele des Jahres scheitern, dürfte es seine letzte Personalentscheidung in Gelsenkirchen gewesen sein.