02. Juni 2021 / 16:53 Uhr

Umstrittene Testpflicht im Nachwuchssport: "Mit Verlaub, diese Regelung ist schwach!"

Umstrittene Testpflicht im Nachwuchssport: "Mit Verlaub, diese Regelung ist schwach!"

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Es muss getestet werden, sagt der Freistaat Sachsen. Und zwar neuerdings auch im Nachwuchssport unter freiem Himmel.
Es muss getestet werden, sagt der Freistaat Sachsen. Und zwar neuerdings auch im Nachwuchssport unter freiem Himmel. © dpa / Kempner
Anzeige

Sachsens Landesregierung hat mit der neuen Corona-Schutz-Verordnung eine Testpflicht für Nachwuchssportler auf vereinseigenen Anlagen verfügt. Wer als Team auf der Wiese nebenan trainiert, kann dies dagegen ohne Auflagen tun. LVZ-Sportchefin Antje Henselin-Rudolph meint: Schildbürger lassen grüßen. Sinn macht das Ganze keinen.

Anzeige

Leipzig. Es mutet an wie eine waschechte Schildbürger-Posse. Will eine Nachwuchsmannschaft nach dem Training auf dem vereinseigenen Sportplatz ein abschließendes Spiel machen, benötigen alle Kinder und Jugendlichen vorab einen negativen Corona-Test. Verlegen sie die kleine Partie auf eine Wiese in der Nähe, ist kein Test nötig, müssen keine Kontaktdaten erfasst werden. Dass der Landessportbund Sachsen (LSB) gegen diese seit Montag geltende Regelung Sturm läuft, ist mehr als verständlich.

Anzeige

Zum Einen ist sie ein klarer Rückschritt. Denn Kontaktsport für Kinder und Jugendliche im Freien war war bis dato ohne Test möglich, egal ob im Außenbereich oder auf Außensportanlagen. Vor dem Hintergrund sinkender Inzidenzen und Öffnungen in Gastro, Kultur und Co. macht das Ganze noch weniger Sinn.

Mehr zum Thema

Zum Anderen wird hier ganz offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen. Das zuständige Sozialministerium begründet die Regelung nämlich mit der Nichteinhaltung von Mindestabständen bei körperlicher Aktivität. Das wäre nachvollziehbar, würde der Verordnungsgeber diese Argumentation mit der Regelung für den Kontaktsport Minderjähriger im Außenbereich, sprich der Wiese im Park nebenan, nicht selbst aushebeln. Denn dort sind die fehlenden Mindestabstände plötzlich kein Problem mehr, ist kein Test notwendig.



Auch die weitergehende Begründung des Ministeriums gegenüber dem LSB sorgt nur für mehr Fragen. So sei die Durchführung und Kontrolle von Tests außerhalb von Sportanlagen deutlich schwieriger, weil bei Aktivitäten außerhalb eines Vereins kein Verantwortlicher für eine solche Regelung vorhanden sei. Das ist fraglos richtig. Aber ist es dann angemessen, im Umkehrschluss dem Vereinssport eine Testpflicht aufzudrücken, nur weil man davon ausgeht, der könne das ja leisten? Wohl kaum.

Mit Verlaub, liebe Entscheider in der Landesregierung, diese Regelung ist schwach!