26. Januar 2021 / 21:37 Uhr

Kommentar: FC Chelsea wird für Tuchel ähnlich anspruchsvoll wie PSG - doch auch der Klub ist gefordert

Kommentar: FC Chelsea wird für Tuchel ähnlich anspruchsvoll wie PSG - doch auch der Klub ist gefordert

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thomas Tuchel steht beim FC Chelsea vor einer großen Aufgabe, meint Christian Müller.
Thomas Tuchel steht beim FC Chelsea vor einer großen Aufgabe, meint Christian Müller. © Getty Images (Montage)
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Nur rund einen Monat nach seinem Aus bei Paris Saint-Germain hat Thomas Tuchel beim FC Chelsea angeheuert. Für SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller ist klar: Den Deutschen erwartet in London eine ähnlich anspruchsvolle Aufgabe wie bei PSG - doch auch sein neuer Klub ist gefordert.

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Nur rund einen Monat hat es gedauert, bis Thomas Tuchel nach seiner Entlassung bei Paris Saint-Germain zurück im europäischen Klubfußball ist. Der FC Chelsea hat am Dienstagabend die Verpflichtung des Deutschen als Nachfolger von Frank Lampard bestätigt. Spätestens jetzt ist damit klar: Tuchel zählt aktuell zu den gefragtesten Trainern im internationalen Fußball. Marina Granovskaia, die mächtige Chelsea-Direktorin, bezeichnete Tuchel als "einen der besten Trainer in Europa". Allerdings dürfte die Aufgabe in London für den früheren Coach des FSV Mainz 05 und von Borussia Dortmund mindestens genauso anspruchsvoll werden wie die bei Frankreichs Serienmeister PSG - auf dem Trainingsplatz wie außerhalb.

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Mit Paris gewann Tuchel die ersten beiden Meistertitel seiner Karriere als Trainer einer Profimannschaft (2019 und 2020), zudem holte er im vergangenen Jahr auch den französischen Pokal und den Ligapokal. Allerdings war das von ihm und der Mannschaft - bei aller Anerkennung dafür, dass man einen mit Superstars wie Neymar oder Kylian Mbappé gespickten Luxuskader bei Laune halten können muss - auch nicht anders erwartet worden. Nicht von den Fans, den Medien - und schon gar nicht von Nasser Al-Khelaifi. Dem PSG-Boss aus Katar wird nachgesagt, er definiere "Erfolg" hauptsächlich auf der Basis des Abschneidens in der Champions League. Dass Tuchel PSG im August 2020 zum ersten Mal überhaupt ins Finale der Königsklasse führte (0:1 gegen den FC Bayern), hielt den Deutschen knapp vier Monate später dennoch nicht im Amt.

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Mit Paris war Tuchel in Frankreichs Ligue 1 quasi konkurrenzlos. In der Premier League wird das mit Chelsea anders aussehen. Der 47-Jährige findet zwar wie in Paris einen hochkarätig besetzten Kader vor, muss aber zunächst ein funktionierendes Kollektiv formen und formschwachen Profis das Selbstvertrauen zurückgeben. Allen voran gilt dies für die im Sommer millionenschwer aus der Bundesliga verpflichteten Timo Werner und Kai Havertz. Tuchel muss sich national vor allem gegen Manchester City mit Pep Guardiola und den FC Liverpool mit Jürgen Klopp behaupten. Beide haben mit ihren Teams Englands Top-Liga in den vergangenen Jahren dominiert, die Meisterschaft meist unter sich ausgemacht. Neuerdings scheint zudem Manchester United unter Ole Gunnar Solkskjaer auf dem Weg zu alter Stärke zu sein.

Tuchel trifft auf Chelsea-Boss Abramowitsch

Und als wären all das nicht schon genügend Herausforderungen für Tuchel, so muss sich der Coach auch bei Chelsea gegen Machtstrukturen im Verein behaupten. Bei den Blues hat bekanntlich Roman Abramowitsch das Sagen. Davon, dass der Russe mit seinen Trainern selten zimperlich umgeht, kann nun sogar eine Klub-Ikone wie Lampard ein Lied singen. Es wäre Tuchel daher zu wünschen, dass die Macher ihn machen lassen, ohne voreilig in Nervosität zu verfallen.


Doch auch Tuchel gilt abseits seiner unbestrittenen sportlichen Fähigkeiten nicht als unkomplizierter Charakter. Indizien dafür: die Nebengeräusche bei seinen bisherigen Stationen. In Mainz lieferte sich der Trainer im Zuge seines Weggangs 2014 verbale Scharmützel mit dem damaligen Manager Christian Heidel. In Dortmund überwarf sich Tuchel - auch aufgrund unterschiedlicher Auffassungen, wie das Bomben-Attentat auf den Mannschaftsbus im April 2017 aufzuarbeiten sei - trotz DFB-Pokalsieg 2017 mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Und in Paris gab es, zumindest legen Medienberichte dies nahe, immer wieder Zoff mit Sportdirektor Leonardo um Spielertransfers. Darum: Chelsea und Tuchel - es liegt an beiden Parteien, zu zeigen, dass sie zueinander passen.