18. September 2020 / 18:00 Uhr

Kommentar zur Strafe für HSV-Profi Toni Leistner: Der DFB beweist endlich mal Augenmaß

Kommentar zur Strafe für HSV-Profi Toni Leistner: Der DFB beweist endlich mal Augenmaß

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
HSV-Profi Toni Leistner wurde vom DFB-Sportgericht mit einer Sperre von bis zu fünf Pflichtspielen belegt. 
HSV-Profi Toni Leistner wurde vom DFB-Sportgericht mit einer Sperre von bis zu fünf Pflichtspielen belegt.  © dpa
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Das ausgesprochene Urteil des DFB-Sportgerichts gegen HSV-Profi Toni Leistner ist aus mehreren Gründen vernünftig, findet RND-Sportchef Heiko Ostendorp.

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Wer die Sportgerichtsbarkeit in Deutschland schon länger verfolgt, der kann sich an jede Menge fragwürdige oder gar lächerliche Urteile erinnern – die aktuelle Strafe gegen Toni Leistner aber zählt mit Sicherheit nicht dazu.

Drei Pflichtspiele wird der HSV-Profi gesperrt, der nach dem Pokalspiel bei Dynamo Dresden einen Fan auf der Tribüne attackierte, der ihn zuvor aufs Übelste beleidigt hatte. Zudem muss der 30-Jährige zwei weitere Partien aussetzen, sollte er innerhalb des nächsten Jahres nochmal auffällig werden. 8000 Euro Strafe für den Verstoß gegen das Hygienekonzept der DFL und des DFB kommen obendrauf, weil Leistner keinen Mundschutz trug. Das klingt etwas kurios, ist in Anbetracht der aktuellen Situation aber ebenfalls angebracht.

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Das Urteil des DFB-Sportgerichts war mit Spannung erwartet worden, die Meinungen zum Vorfall gingen dabei extrem auseinander – genau wie nun nach der Strafverkündung. "Lange Strafe für Leistner“, titelten beispielsweise die Süddeutsche Zeitung und der NDR, während der Kicker von "nur“ drei Spielen Sperre schrieb. Ja, was denn nun?

Vermutlich ist beides falsch und das Urteil schlicht vernünftig. Natürlich konnte man Leistner nicht ungeschoren davonkommen lassen, völlig unabhängig von der Schwere der vorherigen Beleidigungen gegen ihn. So etwas darf einem Sportler unter dem Brennglas der Öffentlichkeit einfach nicht passieren. Den Sünder aber nicht monatelang aus dem Verkehr zu ziehen, ist auch ein Signal an die Fans: Nämlich dass auch hochbezahlte Kicker sich nicht alles gefallen lassen müssen und das Stadion kein rechtsfreier Raum ist.

Mit einem respektvollen Umgang wäre allen am meisten geholfen

Leistner hatte sich zuvor noch nie etwas Schlimmeres zu Schulden kommen lassen, zeigte nach seinem Ausraster Reue und telefonierte sogar mit dem Mann, der offenbar seine Familie aufs Schlimmste beleidigt hatte. Auch dieser Umgang mit seiner Verfehlung dürfte – mit Recht – zur Strafmilderung beigetragen haben.

Alle Beteiligten sollten froh sein, dass der DFB endlich mal Augenmaß beweisen hat, die Sache nun auf sich beruhen lassen und keine Widersprüche einlegen. In der Hoffnung, dass zahlende Zuschauer und Fußballmillionäre vielleicht künftig ein wenig respektvoller miteinander umgehen. Damit wäre allen am meisten geholfen – erst Recht in Zeiten, in denen jeder froh sein sollte, dass überhaupt wieder Fans im Stadion dabei sein dürfen.