29. August 2019 / 17:02 Uhr

Kommentar: Das Nicht-Urteil im Fall Tönnies sendet ein falsches Signal

Kommentar: Das Nicht-Urteil im Fall Tönnies sendet ein falsches Signal

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies bleiben ohne wirkliche Folgen. SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst kommentiert den Fall nach der Entscheidung der DFB-Ethikkommission
Die rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies bleiben ohne wirkliche Folgen. SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst kommentiert den Fall nach der Entscheidung der DFB-Ethikkommission © Getty Images/Montage
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Die DFB-Ethikkommission verzichtet auf ein Verfahren gegen Schalke-Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies wegen dessen rassistischer Äußerung. Ein falsches Signal, meint SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst und kritisiert die Begründung der Kommission.

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Clemens Tönnies hat mit wenigen Worten die Bewohner eines ganzen, heterogenen Kontinents beleidigt. Sein Mittel dazu: billigste sexuelle und charakterliche Stereotype, die nicht nur sinnbildlich tief unter die Gürtellinie zielten, als er die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika vorschlug. Denn dann, so Tönnies‘ törichte Worte, „würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren.“

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Dass der Schalker Aufsichtsratschef dafür von Seiten des Deutschen Fußball-Bundes nun ohne Bestrafung, ja sogar ohne Anklage davonkommt, ist ein falsches Signal. Seine Worte erhalten eine nachträgliche Relativierung. Sie werden zu etwas, das plötzlich öffentlich behauptet werden darf, obwohl sie töricht waren und Vorurteile befeuern. Und somit steuern sie die aktuelle Rassismus-Debatte, die auch in den Fall Bakery Jattas hineinspielt, in eine völlig falsche Richtung.

Nach Argumentation der Kommission: Wer ist dann überhaupt noch ein Rassist?

Die Begründung der DFB-Ethikkommission liest sich zudem arg akademisch: Ja, rassistisch seien Tönnies‘ Aussagen gewesen. Nein, ein Rassist sei der mächtige Fabrikant deswegen noch lange nicht, immerhin habe er dies „überzeugend vermittelt“. Da bleibt die Frage: Wenn sich in Zukunft alle auf diese Argumentation zurückziehen, wenn sie ihren Gedanken mal freien Lauf gelassen haben – wer ist dann überhaupt noch ein Rassist?



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Und wenn die Kommission laut eigener Begründung im Fall Tönnies zwischen Person und Sache unterscheidet, weil dies „ein Grundsatz der Ethik“ ist, macht sie sich zusätzlich angreifbar. Auf Grundlage dieser Argumentation kann schließlich jeder behaupten, was er will, wenn er sich hinterher nur schlau genug rausredet.

So bleibt der Eindruck, dass die DFB-Ethikkommission versucht hat, sich mit diesem höchstsalomonischen Urteil eines hässlichen Intermezzos ohne zu viel Aufhebens irgendwie zu entledigen. Und so bleibt Tönnies‘ einzige „Strafe“, dass er sein Amt beim FC Schalke 04 für drei Monate ruhen lässt. Das kann er verkraften, irgendwann zurückkehren – und alle können so tun, als wäre nichts gewesen. Das Problem: Da war was, und jetzt bleibt da auch was. Und das ist nicht gut.