17. April 2021 / 18:16 Uhr

Kommentar: Top Four-Absage nach Corona-Fällen bei BG Göttingen konsequent und richtig

Kommentar: Top Four-Absage nach Corona-Fällen bei BG Göttingen konsequent und richtig

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
Nach den Corona-Fällen bei der BG Göttingen war die Absage des Top Four um den BBL-Pokal in München unvermeidbar, kommentiert GT-Sportchef Andreas Fuhrmann. Auch wenn dies bei den Veilchen um Trainer Roel Moors (rechts) für Enttäuschung sorgte.
Nach den Corona-Fällen bei der BG Göttingen war die Absage des Top Four um den BBL-Pokal in München unvermeidbar, kommentiert GT-Sportchef Andreas Fuhrmann. Auch wenn dies bei den Veilchen um Trainer Roel Moors (rechts) für Enttäuschung sorgte. © Swen Pförtner/CH
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Ist das bitter: Ausgerechnet zum Saisonhöhepunkt werden zwei Spieler der BG Göttingen positiv auf das Corona-Virus getestet – und das Top Four um den BBL-Pokal in München abgesagt. Eine andere Entscheidung wäre allerdings auch nicht vertretbar gewesen. Ein Kommentar:

Es war lange gut gegangen bei der BG Göttingen – und jetzt das. Ausgerechnet zum Saisonhöhepunkt verzeichnen die Veilchen ihre ersten beiden Corona-Fälle und sorgen damit unfreiwillig für die Absage des Top Four um den BBL-Pokal. Dabei hatten sich die Spieler von Bayern München und Ratiopharm Ulm am Sonnabend bereits im Audi Dome befunden, um das erste Halbfinale auszutragen, ehe knapp 60 Minuten vor dem avisierten Start das Aus kam. Das ist zwar bitter für alle Beteiligten und dürfte den Terminplan ordentlich durcheinanderwirbeln – dennoch ist es die richtige Entscheidung.

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Der Profi-Sport genießt derzeit diverse Privilegien. Während im Amateursport nach und nach alle Wettbewerbe abgesagt werden mussten wegen der Corona-Pandemie, geht es in den Bundesligen weiter als wäre nichts gewesen, getreu dem Motto: The Show must go on. Zu viel Geld steht auf dem Spiel, zu viel Prestige. Und mal ehrlich: Die Sportler sorgen eben auch für ein wenig Abwechslung in diesen harten Zeiten, auch wenn die Fans die Spiele nur im Fernsehen oder Internet verfolgen können.

Reißleine ziehen, wenn Corona-Fälle auftreten

Und die Bundesligisten? Die scheinen sich ihrer besonderen Rolle durchaus bewusst zu sein. Klar kann man darüber streiten, ob das alles sein muss, zumal man bei den Basketballern den Pokal durchaus hätte abblasen und den Schwerpunkt auf die Liga legen können. Aber die Fußballer dürfen ja auch. Außerdem hat die BBL mit ihrem Endturnier vergangenen Sommer in München durchaus gezeigt, wie man ein Turnier quasi in einer Blase ausrichten kann – und mit ihrem Hygienekonzept Maßstäbe auch für andere Sportarten gesetzt.

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Dazu gehört es dann allerdings auch, die Reißleine zu ziehen, wenn Corona-Fälle auftreten. Daher ist es nur konsequent und folgerichtig, das Top Four abzusagen und zu verschieben – auch wenn das Münchener Gesundheitsamt nur die BG Göttingen vom Turnier ausschloss. Alles andere hätte die Glaubwürdigkeit der Konzepte, unter denen Turniere wie dieses ausgetragen werden, und des Basketballsports selbst nachhaltig erschüttert.

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Jetzt müssen die Verantwortlichen beweisen, wie gut sie auf derlei Situationen vorbereitet sind. Eine Lösung zu finden, wird sicherlich nicht einfach. Solch ein Fall kommt aber auch nicht überraschend, wie der jüngste von Hertha BSC in der Fußball-Bundesliga zeigt. Auch in der Basketball-Bundesliga gab es bereits Corona-Fälle und daraus resultierende Spielverlegungen. Man darf also gespannt sein, ob, wann und unter welchen Umständen der BBL-Pokal ausgespielt werden kann.

So oder so: Die BG Göttingen wird sich besonders ärgern, wäre es für die Veilchen doch die erste Halbfinalteilnahme im Pokal seit der Änderung des Modus gewesen. Auch Ulm und Göttingens Halbfinal-Gegner Alba Berlin werden enttäuscht sein. Nur einer dürfte sich insgeheim freuen: der FC Bayern München. Die Bayern treffen bereits am Dienstag in der Euroleague auf Mailand und hatten die Terminierung des Top Four daher heftig kritisiert. Die Münchener können nun etwas ausgeruhter in die K.O.-Runde der europäischen Königsklasse starten. Wenn sie nicht dort die nächste Absage ereilt.