12. August 2022 / 16:03 Uhr

Kommentar zum Transfer von Filip Kostic: Der Abgang des Euro-Helden setzt Eintracht Frankfurt unter Druck

Kommentar zum Transfer von Filip Kostic: Der Abgang des Euro-Helden setzt Eintracht Frankfurt unter Druck

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Abgang von Filip Kostic stellt Eintracht Frankfurt vor große Probleme, meint Roman Gerth.
Der Abgang von Filip Kostic stellt Eintracht Frankfurt vor große Probleme, meint Roman Gerth. © Getty Images/agefotostock/HMB-Media/kobert-press (Montage)
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Der Transfer von Filip Kostic zu Juventus Turin hat niemanden mehr überrascht. Das Wechseltheater und die neue Baustelle führt bei Eintracht Frankfurt zu Beginn der herausfordernden Saison nun aber zu einem großen Problem, meint SPORTBUZZER-Reporter Roman Gerth.

Das 1:6 gegen den FC Bayern München beim Bundesliga-Auftakt war das letzte Spiel von Filip Kostic im Trikot von Eintracht Frankfurt. Zum Highlightspiel im europäischen Supercup gegen Real Madrid in Helsinki (0:2) reiste der Euro-Held der Eintracht schon nicht mehr mit. Nach wochenlangem Gezerre um einen Wechsel zum italienischen Topklub Juventus Turin herrscht seit Freitag Klarheit: 12 Millionen Euro plus maximal drei weitere Millionen an Boni fließen für den 29-Jährigen in die Kassen der Hessen. Das Ende des Wechseltheaters bringt der SGE um Sportvorstand Markus Krösche und Trainer Oliver Glasner aber auch ein Problem, das sie gerade nach dem bitteren Bundesliga-Auftakt gern vermieden hätten.

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Ein kleiner Rückblick: Es gab Streik und Versöhnung im vergangenen Sommer, als ein Wechsel zu Lazio Rom platzte. Dann kam die grandiose Saison 2021/22, vor allem in der Europa League, mit dem Titel als Krönung. Und obwohl die nun erste Champions-League-Teilnahme folgt, schwebte ein möglicher Abgang von Kostic, dessen Vertrag nur noch bis Saisonende gültig war, wie ein Damoklesschwert über der Main-Metropole. Interesse von Juve, kein Angebot, Einigkeit zwischen Spieler und Klub, dann das Gerücht um West Ham United – all das ließ die Fans mal bangen, mal kurz hoffen. Jetzt steht der Abgang fest. Und die Frankfurter Verantwortlichen müssen reagieren. Das Ende der Kostic-Ära reißt fraglos eine Lücke.

Der Eintracht-Kader hat durch viele kluge und verhältnismäßig günstige Transfers bereits ein anderes Gesicht bekommen. Nun braucht es als Reaktion auf den Verlust des Unterschiedsspielers eine weitere Ergänzung des Teams auf der linken Außenbahn. Das zeigte die Partie gegen Real deutlich, wo stets der Blick der SGE-Profis nach links ging, um den Pass in die Tiefe zu spielen – doch Kostic' Läufe gehören der Vergangenheit an. Womöglich muss eine neue Spielordnung her, die wieder Zeit braucht, ehe sie greift.

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Die Glasner-Elf um Hoffnungsträger Mario Götze und Blitzstarter Randal Kolo Muani (eine Vorlage im DFB-Pokal und ein Tor gegen Bayern nach Einwechslungen) gemeinsam mit den Europa-League-Siegern wie Trapp, Sow und Borré ist noch nicht gefestigt. Frankfurts Coach muss das Team schnellstmöglich noch weiter umbauen und den Unterschiedsspieler, der ein wichtiger Faktor für den Erfolg war, ersetzen. Luca Pellegrini soll von Kostic-Klub Juve ausgeliehen werden.

N'Dicka und Kamada auch vor dem Absprung?

Baustellen gibt es noch genug: Verteidiger Evan N'Dicka wird ebenfalls umworben, der Franzose wurde jüngst mit der AC Mailand in Verbindung gebracht. Auch um Daichi Kamada halten sich Wechselgerüchte. Die Marschrichtung ist klar: Keiner der Profis, deren Vertrag kommenden Sommer ausläuft, soll bleiben, wenn er seinen Kontrakt nicht verlängert. Weitere Abgänge, etwa von N'Dicka und Kamada, würden den Findungsprozess weiter verlängern.

Kostic hat sich einen Traum erfüllt, mit der Art und Weise des Abgangs kurz vor dem Kracher gegen die "Königlichen" aber keinen Gefallen getan – und auch dem Klub nicht, dem er viel zu verdanken hat. Das Ende mit Schrecken, so wenig überraschend es kam, setzt Krösche und Co. nun unter Druck.