19. Januar 2023 / 17:09 Uhr

Kommentar zum Wechsel von Yann Sommer: Warum der FC Bayern der Verlierer im Transfer-Poker ist

Kommentar zum Wechsel von Yann Sommer: Warum der FC Bayern der Verlierer im Transfer-Poker ist

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Yann Sommer wechselt zum FC Bayern. Für RND-Sportchef Heiko Ostendorp ist der Rekordmeister der Verlierer des Pokers um den Schweizer.
Yann Sommer wechselt zum FC Bayern. Für RND-Sportchef Heiko Ostendorp ist der Rekordmeister der Verlierer des Pokers um den Schweizer. © IMAGO/Ulrich Wagner
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Yann Sommer verstärkt als Ersatz für den verletzten Stammkeeper Manuel Neuer ab sofort den FC Bayern München. Für den Transfer benötigten die FCB-Verantwortlichen viel Kraft – und Geld. Und trotzdem geht der Rekordmeister aus dem Poker mit Borussia Mönchengladbach nicht als Gewinner hervor, kommentiert RND-Sportchef Heiko Ostendorp.

Am Ende kam es – natürlich – wieder mal so, wie es kommen musste und die Bayern setzten sich durch: Nach der Verletzung von Manuel Neuer wechselt Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach zum Rekordmeister. Fällt der beste Torhüter der Bundesliga aus, angelt sich der Branchenkrösus halt den zweitbesten. So einfach ist das im Jahre 2023. Damit haben die Münchner erneut ihre Muskeln spielen lassen – und sind im Kaugummi-Transferpoker trotzdem der Verlierer. Warum?

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Zum einen, weil sie für einen 34-Jährigen, der noch sechs Monate Vertrag hatte, nun acht Millionen Euro zahlen, weitere Boni nicht inbegriffen. Zum anderen, weil sie sich selbst in diese schlechte Verhandlungsposition gebracht haben. Dadurch, dass sie ihren ausgeliehenen Ersatzmann Alexander Nübel nicht einfach aus Monaco zurückholen konnten und viel zu spät auf Sommer einigten, Sven Ulreich zudem offenbar nicht zutrauen, beim Erreichen der großen Ziele ausreichend helfen zu können.

Und nicht zuletzt, weil sie zur kommenden Saison mit Neuer, Sommer, Ulreich und Nübel nun vier (!) ambitionierte Top-Keeper unter Vertrag haben – was für ein Irrsinn.

Die Gladbach-Verantwortlichen haben die Not des FC Bayern eiskalt ausgenutzt

Dass Sommer seine wohl letzte Chance auf große Titel wahrnehmen möchte, kann ihm nach 8,5 Jahren in Gladbach niemand verübeln. Genauso wenig, wie der Borussia, die das Maximum rausgeholt und dem Deal erst zugestimmt hat, als sie wiederum den Sommer-Nachfolger Jonas Omlin (fünf Jahre jünger) sicher hatte – der Transfer wird nun quasi von den Bayern finanziert. Die Verantwortlichen um Sportdirektor Roland Virkus haben die Not des FCB eiskalt aus – und zum eigenen Vorteil genutzt.

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Zwar werden dem Tabellenführer die paar Millionen nicht wehtun, die man sich möglicherweise hätte sparen können, doch zumindest hat Gladbach standgehalten und gezeigt, dass die Konkurrenten sich auch nicht alles gefallen lassen. Vielleicht ist das ja ein gutes Omen für die restliche Bundesliga-Spielzeit.