30. November 2017 / 17:13 Uhr

96-Meinung zum Heldt-Verbleib: Unterm Strich blieb das Sportliche auf der Strecke

96-Meinung zum Heldt-Verbleib: Unterm Strich blieb das Sportliche auf der Strecke

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Horst Heldt bei der 96-Pressekonferenz vor dem Spiel beim FC Bayern München. 
Horst Heldt bei der 96-Pressekonferenz vor dem Spiel beim FC Bayern München.  © Sielski
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Horst Heldt bleibt Manager in Hannover. Martin Kind nimmt zuvor ungeahnte Eingeständnisse hin und noch nie wurde ein 96-Spiel beim FC Bayern mehr an den Rand gedrückt als in dieser Woche: ein Kommentar von Madsack-Hannover-Sportchef Carsten Bergmann.

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Scheidungen enden selten ohne Schlammschlacht. Horst Heldt, offenbar noch immer verzückt von seiner alten Liebe aus dem Rheinland, machte aus seinen Gedankenspielen keinen Hehl, seine Beziehung mit Hannover 96 beenden und nach Köln zurückkehren zu wollen. Eine Herzensentscheidung, ungeachtet der sportlichen Situation beim Bundesliga-Letzten. Heimweh plagte den Sportmanager von Hannover 96 – und wird ihn nach der Absage vom 1. FC auch weiter quälen.

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96-Präsident Martin Kind wollte eine einvernehmliche Trennung nie akzeptieren, erteilte von Beginn der Diskussionen an ein absolutes Wechselverbot. Die Fronten scheinbar maximal weit voneinander getrennt, und dann plauderte der Kölner Vizepräsident freimütig auch über die Beziehungsprobleme mit Aufsichtsrat Andermatt. Ein Szenario wie geschaffen für eine Eskalation. Reichlich Gesprächsbedarf also für beide Seiten auch nach mehreren Marathonsitzungen.

Bilder der Pressekonferenz von Hannover 96 vom 30.11.2017

Horst Held war der gefragte Mann bei der 96-Pressekonferenz.  Zur Galerie
Horst Held war der gefragte Mann bei der 96-Pressekonferenz.  ©

Das Ganze entpuppt sich mehr und mehr zum Eiertanz, der sowohl Hannover als auch Köln als auch Heldt geschadet hat. Heldt hatte heute die große Chance, sich klar zu 96 zu bekennen. Tat er nicht. Also sah sich Köln zum Handeln gezwungen und beendete die Gespräche mit dem scheinbar wechselwilligen Sportmanager. Aus Respekt vor 96? Naja, dann hätten die Geißböcke erst gar nicht an ihm gebaggert. Das Hickhack der vergangenen Tage kam auch am Dom nicht gut an. Schadensbegrenzung im Abstiegskampf.

Die Ereignisse des Tages

Und der 96-Manager? Er war in den Klartext-Runden mit Präsident Martin Kind bisher in einer hervorragenden Position. Interesse aus Köln, mit Hannover aufgestiegen, einen prima Kader für die Bundesliga zusammen gestellt, er bildet ein ausgezeichnetes Sporttrio mit Trainer Breitenreiter und Assistent Zuber, und ist bekannt für sein großes Netzwerk. Diese Lücke wäre beträchtlich, gerade nach den zuletzt nicht sonderlich glücklichen Trennungen von Heldts Vorgängern. Der 47-Jährige formulierte klare Forderungen: Beförderung zum Geschäftsführer, mehr Verantwortung im Sportlichen, einen klaren Transferetat und noch ein paar Schleifen mehr Verdienst im Monat.


Die Manager von Hannover 96 seit 1996:

<b>Franz Gerber:</b> Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. Zur Galerie
Franz Gerber: Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. ©

96-Patriarch Martin Kind ist es nicht gewohnt, so viele Eingeständnisse hinnehmen zu müssen. Er gibt in der Regel den Ton vor, lässt sich nicht gerne unter Druck setzen. Und doch kam er Heldt bislang mit mehr Freiheit statt mit einer Freigabe entgegen.

Unterm Strich blieb das Sportliche auf der Strecke. Nie war ein 96-Spiel bei den Bayern mehr an den Rand gedrückt worden als in dieser Woche – und doch gibt es gleich im Vorfeld schon genug Verlierer.

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