06. August 2020 / 12:08 Uhr

Kommentar zum Horror-Crash bei der Polen-Rundfahrt: Ein Unfall mit Ansage

Kommentar zum Horror-Crash bei der Polen-Rundfahrt: Ein Unfall mit Ansage

André Batistic
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Polen-Rundfahrt wurde von einem schweren Sturz überschattet. Aus Sicht von <b>SPORT</b>BUZZER-Redakteur André Batistic war der Crash vermeidbar.
Die Polen-Rundfahrt wurde von einem schweren Sturz überschattet. Aus Sicht von SPORTBUZZER-Redakteur André Batistic war der Crash vermeidbar. © imago images/Newspix
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Immer höher, schneller und spektakulärer: Der Radsport wandert auf einem schmalen Grat. Dieses Spiel mit dem Feuer führte nun auf der Polen-Rundfahrt zu einem Horror-Crash, der den Holländer Fabio Jakobsen schwer verletzt zurückließ. Ein vermeidbarer Unfall, meint SPORTBUZZER-Redakteur André Batistic.

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Es waren schreckliche Bilder am Mittwochabend: Bei der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt kam es zu einem furchtbaren Unfall zwischen den beiden Holländern Fabio Jakobsen und Dylan Groenewegen - im Zielsprint, bei einem Tempo von 80 Kilometern in der Stunde, kurz nach einer steilen Abfahrt. Wie irrsinnig ist das bitte? Immerhin hatte Jakobsen wohl Glück im Unglück. Der 23-Jährige befindet sich zwar im Koma, hat sich laut Angaben der Veranstalter und seines Teams aber keine schwerwiegenden Verletzungen am Gehirn oder an der Wirbelsäule zugezogen, dafür mehrere Knochenbrüche im Gesicht. Sein Zustand sei "stabil".

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Und das ist nach der Szenerie in Polen fast ein Wunder. Landsmann Groenewegen drängte Jakobsen bei dem hohen Tempo förmlich in die Absperrung. Zweifelsfrei ein unsportlicher Move, der nun vom Radsport-Weltverband UCI untersucht wird. Patrick Lefevere, der Manager des Jakobsen-Rennstalls Deceuninck-Quick Step will nun sogar Anzeige gegen Groenewegen erstatten. Wieso eigentlich nicht? Der Zielsprint darf keine rechtsfreie Zone sein: Körperkontakte und Abdrängversuche gehören fast schon zum Standard der Radprofis - und werden nicht hart genug betraft. Schon 2017 bei der Tour de France wurde Sprint-Legende Peter Sagan nach einem ähnlichen Vergehen lediglich "nur" von der Tour ausgeschlossen. Die UCI muss bei solchen lebensgefährlichen Aktionen auch über längere Sperren nachdenken.

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Dennoch ist Holländer in gewisser Weise auch ein Opfer - ein Opfer der Radsport-Maxime, dass immer alles schneller, höher und spektakulärer werden soll.

Der Radsport spielt mit dem Feuer: Brutalerer Anstiege, steilere Abfahrten, immer mehr Speed, um den Gelegenheitszuschauer zu befriedigen. Diese Show muss aufhören. Doch die Veranstalter zeigten sich bislang lernresistent. "Jedes Jahr der gleiche dumme Bergabsprint", twitterte der deutsche Radprofi Simon Geschke nach dem Horror-Unfall. Der belgische Radprofi Bjorg Lambrecht starb erst im vergangenen Jahr bei der Polen-Rundfahrt, nachdem er im Nassen gegen eine Beton-Konstruktion geprallt war. Spätestens seitdem hätten die Veranstalter darüber nachdenken müssen, auch den Abfahrts-Zielsprint auf der ersten Etappe zu entschärfen. Fest steht: Der Unfall war in jedem Fall vermeidbar - die UCI muss Konsequenzen ziehen.