12. Februar 2021 / 12:34 Uhr

Kommentar zum Sextuple: Darum sind die aktuellen Bayern noch besser als Beckenbauer & Co.

Kommentar zum Sextuple: Darum sind die aktuellen Bayern noch besser als Beckenbauer & Co.

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die aktuelle Mannschaft des FC Bayern ist die beste der Klub-Geschichte, meint SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser.
Die aktuelle Mannschaft des FC Bayern ist die beste der Klub-Geschichte, meint SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser. © IMAGO/Werek, Getty Images, Montage
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Der FC Bayern hat mit dem Sieg bei der Klub-WM den sechsten Titel innerhalb einer Saison eingefahren. Damit sind diese Bayern die besten der Vereinsgeschichte, meint SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser.

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Der FC Bayern München hat es geschafft, hat auch noch den Titel Klub-Weltmeister eingeheimst, das Sextuple eingesackt – oder wie es "Mister Body" Robert Lewandowski nannte: Sixpack. Der Meister aller Klassen ist im Olymp, hat gewonnen, was man nur gewinnen kann. Chapeau! Sechs Titel in sechs Wettbewerben – mehr geht nicht.

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Doch das 1:0 im Endspiel des Fifa-Turniers in Doha gegen die engagierten, aber deutlich unterlegenen UANL Tigres aus Mexiko war eher Magerkost, (r-)eine Pflichterfüllung. Wie schon im Halbfinale beim 2:0 gegen Afrika-Vertreter Al Ahly aus Kairo taten die Münchner nur so viel wie nötig, um ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden und den Gegner in Schach zu halten. Natürlich lastete die Bürde des haushohen Favoriten auf dem Champions-League-Sieger, eine Niederlage wäre eine dicke, fast schon peinliche Überraschung gewesen. Das zeigt ein Blick auf die Siegerliste dieses künstlich aufgeblasenen Wettbewerbs, der bis 2004 als „Weltpokal“ firmierte und in nur einer Partie zwischen dem Besten Europas und dem Champion aus Südamerika ausgetragen wurde. Ab 2005 wurde ein Miniturnier daraus mit Teilnehmern aus allen Kontinenten, bei dem in nun 13 von 16 Fällen der europäische Vertreter triumphierte.

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Den Bayern-Profis war bei der Siegerehrung mehr Erleichterung denn pure Euphorie nach dem Finalerfolg anzumerken. Erst bei all den Fotos mit der Trophäe, ob einzeln oder in Kleingruppen, wurde angesichts des Lächelns der Protagonisten deutlich, dass hier Bilder für die sozialen Netzwerke und das digitale Familienalbum geschossen wurden. Sechs Richtige eben. Dieser Triumph dürfte daher seine Emotionen erst als Langzeitwirkung hervorrufen. Vor Ort in Doha waren der Mannschaft vor dem nächtlichen Rückflug nach München die Erschöpfung nach zuletzt zig Spielen seit der Bonsai-Winterpause sowie der Schock über die Abwesenheit des Immerspielers Thomas Müller anzumerken. Die gute Seele des Teams, der verlängerte Arm von Trainer Hansi Flick war vor dem Finale positiv auf das Coronavirus getestet worden und musste vom Team isoliert werden. Sein Spiel, seine Fröhlichkeit, sein Strahlen fehlten.

Müller, Alaba und Co. mehr erreicht als Beckenbauer, Maier und Co.

Ob diese Bayern der Generation Müller, Neuer, David Alaba und Jérôme Boateng (der Innenverteidiger war bereits am Mittwoch aus persönlichen Gründen abgereist) besser sind im Vergleich zu den Helden der 70er Jahre um Beckenbauer, Maier, Müller & Co.? Die oben genannten Neuzeit-Titelabräumer hatten bereits 2013 das Triple gewonnen, die Roten Riesen von damals den Europapokal der Landesmeister von 1974 bis '76 drei Mal hintereinander geholt. Doch Quervergleiche sind schwierig. Der Fußball ist ein ganz anderer: verwissenschaftlicht, gläsern, ein Highspeed-Spiel. Der Wettbewerb hat sich ebenfalls verändert: mehr Partien, stärkere, teils wirtschaftlich aufgepumpte Konkurrenz. Daher ist die Leistungsdichte heutzutage höher, zumindest außerhalb der Bundesliga - dort dominiert der FC Bayern und sichert sich im Mai wohl die neunte Meisterschale in Serie. Aber auch das muss man erstmal wuppen. Also lege ich mich fest: Sie sind die besten Bayern aller Zeiten, die Besten hierzulande sowieso schon lange.

Wie immer wird man die Tragweite des Sextuples – auch in München – erst dann erkennen und im Rückblick zu schätzen wissen, wenn es mal nicht so läuft. Und die Wiederholung dieses Triumphes ist in der aktuellen Spielzeit nicht mehr möglich. Im DFB-Pokal scheiterte der FC Bayern schon in der zweiten Runde gegen Zweitligist Holstein Kiel. So schnell kann's gehen.