30. Juni 2020 / 13:57 Uhr

Kommentar zur Chahed-Verpflichtung von Turbine Potsdam: Er ist ein Ausbildungs-Fachmann

Kommentar zur Chahed-Verpflichtung von Turbine Potsdam: Er ist ein Ausbildungs-Fachmann

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
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Christoph Brandhorst kommentiert für den SPORTBUZZER die Verpflichtung von Sofian Chahed als neuer Trainer von Turbine Potsdam. © dpa
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Ex-Hertha-Profi Sofian Chahed wird beim 1. FFC Turbine Potsdam Nachfolger von Matthias Rudolph als Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft. Da er keine Frauenfußball-Erfahrung mitbringt, wirkt die Verpflichtung gewagt - aber nur auf den ersten Blick.

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Die Meldung machte die Runde, als die letzte Partie für Matthias Rudolph als Trainer von Turbine Potsdam gerade erst angepfiffen worden war: Sofian Chahed soll wenige Tage später als sein Nachfolger vorgestellt werden. Bestätigen wollte der Club dies zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Jetzt folgt die Gewissheit: Chahed macht's bei Turbine! Sogar die Mannschaft konnte er kurz vor seiner Präsentation schon kurz kennenlernen. Dass der neue Mann auf der Turbine-Bank im sonst leeren Stadion auf der Tribüne sitzt, während sein Vorgänger unten noch coacht, mag unpassend wirken. Dieser Beigeschmack bleibt.

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Die Verpflichtung des Ex-Profis von Hertha BSC, wo er zuletzt erfolgreich im Nachwuchsbereich arbeitete, mag als gewagtes Experiment erscheinen, schließlich verfügt der frühere tunesische Nationalspieler über keinerlei Erfahrung im Frauenfußball. Doch das ist nur der erste Blick! Es lohnt sich, genauer hinzuschauen: In Potsdam wird der neue Trainer überwiegend mit jungen Spielerinnen arbeiten (müssen). Er soll zudem den Verbund aus Verein und Sportschule fördern und voranbringen. Eine Arbeit, die ihm nach seiner Tätigkeit in der Akademie des Hauptstadtclubs nicht fremd sein dürfte. Mit seiner U16 war er bis zum Saisonabbruch Spitzenreiter in der Regionalliga Nordost.

Chahed ist ein Ausbildungs-Fachmann. In Potsdam ist er mit dieser Expertise genau an der richtigen Adresse. Denn das Credo, das sich die Turbinen angesichts der seit Jahren wachsenden Konkurrenz der Lizenzvereine auf die Fahnen geschrieben haben, ist es, Leistungsträgerinnen selbst zu entwickeln, statt fertige Spielerinnen einzukaufen. Das hat der neue Trainer bereits erkannt: "Klar haben Lizenzvereine wie Wolfsburg oder Bayern andere Möglichkeiten, aber wir müssen eben unsere Möglichkeiten möglichst gut nutzen", sagte er bei seiner Vorstellung. Und: Er hat keine Turbine-Vergangenheit, kommt unvoreingenommen zum Club und bringt sicher frischen Wind mit.

Dosierter Rückenwind von Hertha BSC

Rückwind dürfte auch die jüngste Kooperation mit Männer-Bundesligist Hertha BSC bringen - aber in dosierter Form! So ist es richtig: Durch das Engagement des Hauptstadtclubs eröffnen sich für den Traditionsverein aus Potsdam neue Chancen - ohne, dass er dafür seine Identität aufgeben muss. Denn das wäre fatal. Denn auch, wenn die letzten Titel jetzt schon ein paar Jahre zurückliegen, der Name Turbine Potsdam ist im Frauenfußball nach wie vor ein Begriff.