12. Mai 2020 / 20:37 Uhr

Kommentar zur Fortführung der 3. Liga: Der DFB spielt mit dem Feuer

Kommentar zur Fortführung der 3. Liga: Der DFB spielt mit dem Feuer

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Quo vadis, 3. Liga? SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring meint, der DFB spielt mit dem Feuer.
Quo vadis, 3. Liga? SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring meint, der DFB spielt mit dem Feuer. © imago images/Picture Point LE
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Der Streit in der 3. Liga spitzt sich zu: Einige Klubs wollen weiterhin den Abbruch der Saison, während der DFB elf Spiele in fünf englischen Wochen austragen will. Dabei ist ein fairer Wettbewerb kaum möglich, meint SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring. Der DFB spiele mit dem Feuer.

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Längst hat sich rund um die 3. Liga eine Dynamik entwickelt, die wohl nur noch schwer wieder in geordnete Bahnen zu lenken ist. Größter Streitpunkt: die Fortführung der aktuellen Saison. Das DFB-Präsidium verabschiedete am Montag einen entsprechenden Beschluss. Gespielt werden soll ab dem 26. Mai wieder – und dann alle elf verbleibenden Spiele in englischen Wochen. Viele Klubs hingegen dringen auf einen Abbruch der Saison – sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus sportlichen Gesichtspunkten.

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Der DFB stellt sich naturgemäß gegen einen Abbruch.Die 3. Liga wäre bei einem freiwilligen Saisonabbruch in ihrer kompletten Struktur als Profiliga gefährdet und infrage gestellt“, sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius am Dienstag. Doch die Vereine argumentieren mit extrem hohen Kosten, die selbst durch die Einmalzahlung aus dem Fördertopf der Bundesliga nicht annähernd gedeckt werden könnten. „Wir stehen weiterhin vor wirtschaftlich für uns kaum lösbaren Aufgaben und es gibt nach wie vor viele offene Fragen. Ein einwöchiges Quarantäne-Trainingslager, ein eigener Mannschaftskoch, mehrere Mannschaftsbusse oder zusätzliche Kabinen und Sanitärräume erscheinen für die durch die Corona-Pandemie ohnehin finanziell angeschlagenen Vereine nicht vertretbar“, sagte Malte Metzelder, Geschäftsführer Sport beim SC Preußen Münster.

Muskuläre Probleme bei Spielern sind vorprogrammiert

Zumal die Spiele natürlich als Geisterspiele ausgetragen werden müssen – wenn sie überhaupt stattfinden können. Denn in einigen Städten könnte aufgrund von Auflagen erst gar nicht gespielt werden. Stattdessen prüft der DFB Spiele an neutralen Orten – zum Leidwesen der jeweiligen Vereine. Rufe nach Wettbewerbsverzerrung sind hier vorprogrammiert.

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Waldhof Mannheim hat nun sogar eine erneute Abstimmung über einen Saisonabbruch eingefordert – nachdem eine erste Abstimmung pro Weiterspielen ausfiel. Doch damit wollen sich viele Klubs nicht abfinden. Klar, viele Teams fürchten neben finanziellen Engpässen vor allem um das sportliche Abschneiden. Waldhof Mannheim wäre aktuell Zweiter, würde also in die 2. Bundesliga aufsteigen. Auch der Hallesche FC und der 1. FC Magdeburg, die beide nach einer schwierigen Saison aktuell den Klassenerhalt geschafft hätten, dringen auf den Saisonabbruch. Allerdings hat dies auch durchaus andere Gründe: In Sachsen-Anhalt sind sportliche Wettkämpfe und Training unter wettkampfähnlichen Bedingungen bis Ende Mai verboten. Das bedeutet: Vor dem geplanten ersten Spieltag dürften beide Teams gar nicht anständig trainieren.

Fairer Wettbewerb in der 3. Liga ist kaum möglich

Ohnehin ist der Spielplan des DFB äußerst ambitioniert zusammengestellt. Elf Spieltage in fünf englische Wochen zu pressen wäre schon unter normalen Umständen vermessen. Doch normal war in den vergangenen zwei Monaten nichts. Erst durften die Teams überhaupt nicht trainieren, dann von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Ein fairer Wettbewerb ist dadurch sicherlich nicht möglich. Und nun so viele Spiele in so kurzer Zeit? Es braucht keine Propheten, um davon auszugehen, dass viele Spieler in den englischen Wochen mit muskulären Problemen zu kämpfen haben werden. Schon jetzt fallen schließlich diverse Bundesliga-Spieler für den ersten Spieltag am kommenden Wochenende aus, weil sie das intensive Mannschaftstraining körperlich nicht mehr gewohnt waren.

Gänzlich außer Acht gelassen wird, was passieren soll, wenn es einen Quarantäne-Fall für eine gesamte Mannschaft geben sollte – wie beim Zweitligisten Dynamo Dresden geschehen. Zwar teilte der DFB mit, man habe Puffer eingeplant – doch mit fünf englischen Wochen würde bei einem positiven Corona-Fall wohl alles in sich zusammenbrechen. Der DFB spielt definitiv mit dem Feuer, wenn die 3. Liga zu Ende gespielt werden soll.