02. Juli 2021 / 16:12 Uhr

Kommentar zu den vollen EM-Stadien: UEFA und Politik müssen jetzt Verantwortung übernehmen

Kommentar zu den vollen EM-Stadien: UEFA und Politik müssen jetzt Verantwortung übernehmen

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Für Sebastian Harfst, den stellvertretenden RND-Sportchef, müssen die UEFA oder Politik wegen des Fan-Aufkommens nun Verantwortung übernehmen.
Für Sebastian Harfst, den stellvertretenden RND-Sportchef, müssen die UEFA oder Politik wegen des Fan-Aufkommens nun Verantwortung übernehmen. © IMAGO/Sven Simon
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Immer mehr Fans dürfen in die EM-Stadien - parallel breitet sich die Delta-Variante des Coronavirus weiter aus. Für den stellvertretenden RND-Sportchef Sebastian Harfst ist klar: Jetzt sind die UEFA und die Politik gefordert, ein Limit zu setzen.

Es klingt flehend, wie die britische Politik versucht, angesichts der Delta-Variante die Fans der englischen Nationalmannschaft von der Reise zum EM-Viertelfinale nach Rom abzuhalten. "Die Bitte ist wirklich, das Spiel von zuhause aus anzuschauen und das Team so laut wie möglich anzufeuern", sagte Staatssekretärin Anne-Marie Trevelyan dem Fernsehsender Sky. Aktuell gefragt ist: der Fan im Homeoffice, während überall gelockert wird.

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Von vorneherein war klar, dass das den Kontinent umspannende Fußball-Großereignis bei aller Begeisterung über die Rückkehr zur Normalität mit Problemen behaftet sein würde. Nun könnte sich der Freudenspender auf der Zielgeraden zum Desaster entwickeln. Es ist das EM-Paradoxon: Auf Wunsch der UEFA werden immer mehr Zuschauer in die Arenen gelassen – gleichzeitig verbreitet sich die Delta-Variante über den Kontinent. Die Mannschaften leben abgeschirmt in ihren Blasen – auf den Rängen fallen sich Menschen ohne Masken in die Arme. Und ausgerechnet in England, wo die Delta-Variante besonders grassiert, sollen Halbfinals und Finals vor 60.000 Zuschauern ausgetragen werden.

An einer rigiden Zuschauerbegrenzung führt kein Weg vorbei

Trotzdem entzieht sich die UEFA der Verantwortung mit Verweis auf die lokalen Behörden und deren Regelungen. Dabei ist jetzt der Blick über kommerzielle Interessen hinaus gefordert, die Erkenntnis, dass Gesundheit mehr zählt als schöne Bilder. Denn natürlich sind die letzten Spiele der EM nicht auf volle Tribünen angewiesen, das Turnier kann auch mit Lücken zwischen den Fans zu Ende gespielt werden. Um die Chancen zu erhöhen, dass diese Endrunde auch retrospektiv als Erfolg gewertet wird, führt an einer rigiden Zuschauerbegrenzung auf den letzten Metern sowieso kein Weg vorbei. Ob die UEFA oder die Politik für die notwendigen Maßnahmen nun die Verantwortung übernimmt, ist am Ende egal. Nur sollte es einer von beiden tun.