06. Oktober 2017 / 20:36 Uhr

Kommt es zum endgültigen Bruch bei Hannover 96?

Kommt es zum endgültigen Bruch bei Hannover 96?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Zwei Szenen eines Schalke-Spiels – eine Seite feuert die Mannschaft an, die andere boykottiert die Stimmung und protestiert gegen Martin Kind und seine Pläne.
Zwei Szenen eines Schalke-Spiels – eine Seite feuert die Mannschaft an, die andere boykottiert die Stimmung und protestiert gegen Martin Kind und seine Pläne. © Montage
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Wie geht es bei Hannover 96 mit den Fans weiter? 90 Fanclubs haben ein Dialog-Angebot von 96 und Kind abgelehnt.

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Am Donnerstagnachmittag war 96 noch so optimistisch gewesen. Ein Dialogangebot an die Fans, die Martin Kind am liebsten weg haben wollen. Eine Art Paartherapie: Lasst uns reden, unter uns, über unsere Probleme. Aber die Gegner der Kind-Pläne möchten nicht reden, noch nicht. Gestern morgen um 8.38 Uhr kam die Mitteilung über die Kanäle der IG Rote Kurve: „Der Fanbeirat lehnt das Gesprächsangebot von Hannover 96 im „Hinterzimmer“ ab.“ Droht die endgültige Scheidung?

„Es ist ihre freie Entscheidung, das Dialogangebot nicht anzunehmen. Wir stehen weiter für Gespräche zur Verfügung. Ob es dazu kommt, müssen andere entscheiden“, sagte 96-Chef Martin Kind gestern. „Eine Verschärfung des Konfliktes ist theoretisch erstmal nicht möglich. Mehr als die Mannschaft zu boykottieren, geht nicht. Fokussiert es sich auf mich, werde ich das aushalten.“

Die Kind-Gegner geben nicht nach mit dem Stimmungsboykott, genauso wenig gibt Kind nach. Zu einer Trennung gehören eben immer zwei.

Auf der einen Seite zieht der 96-Club-Boss seinen Plan durch, die 50+1-Regel für 96 zu kippen – in der Voraussicht, dass die Regel in wenigen Jahren sowieso fällt. Macht 96 den Schritt jetzt, so die Hoffnung, hat der Club einen Vorsprung. Sinn ist es, den Geschäftsführer der Profiabteilung – anders als bisher – vom Wirtschaftsunternehmen 96 einsetzen zu lassen und nicht vom Stammverein.

Kreativer Boykott: Die Fanbanner beim 96-Spiel gegen den 1. FC Köln

Enjoy the silence: Die Kurve blieb auch beim Spiel gegen den 1. FC Köln still. Zur Galerie
Enjoy the silence: Die Kurve blieb auch beim Spiel gegen den 1. FC Köln still. ©
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Seine Gegner sehen keinen Notwendigkeit, den Einfluss des Vereins (e.V.) von der Profiabteilung abzuspalten. Das drohende Szenario: Wenn aus Hannover 96 ein reiner Breitensportverein wird, werden tausende Mitglieder aus dem Verein austreten – mit dem Argument, dass sie sich für Fußball interessieren, und nicht für die Leichtathletik- oder Tischtennis-Abteilung.

Die Frage der Markenrechte wird zum Kern des Problems. Im Fragenkatalog ist das Thema Markenrechte der erste Punkt: In der Sache geht es um das vor knapp 20 Jahren festgelegte Rückkaufrecht der Marke „Hannover 96“, die Kind seinerzeit für 1,38 Millionen Euro vom Verein abkaufte. Die Marke 96 soll mittlerweile 70 Millionen Euro wert sein. Kind Gegner fragen nun, warum der Präsident nie vom Rückkaufrecht gebraucht machte. Gibt es dieses Rückkaufrechte eigentlich noch? Und wenn nicht, warum nicht? Der Vorschlag: Der Verein soll die Markenrechte kaufen und von der Profiabteilung eine jährliche Nutzungs-Zahlung zu erhalten (geschätzte 800 000 Euro). Mit einem ähnlichen Modell finanzieren die Profis von Eintracht Frankfurt den Stammverein.

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Auf diese und weitere Fragen forderten die Fanclubs bis zum 10. Oktober schriftliche Antworten von Kind. Aber vom 96-Boss gab es auch gestern kein Signal, den Fragenkatalog der 90 Fanclubs schriftlich zu beantworten. Der Trennungsstreit geht weiter.

Die Fanclubs werden reden, aber erstmal mit sich selbst. Das nächste Fantreffen ist für den 13. Oktober terminiert. Immerhin: Es wird geredet, nur nicht mit dem 96-Chef. „Der Wunsch nach einem Dialog ist per se absurd. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Dialogrunden mehr als deutlich veranschaulicht, dass Dialogstrukturen lediglich eine Alibifunktion erfüllen“, erklärten die Fans gestern in der Absage.

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