23. April 2019 / 17:13 Uhr

Kommt es zur Revolution im Brandenburger Nachwuchsfußball?

Kommt es zur Revolution im Brandenburger Nachwuchsfußball?

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
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Eintracht Falkensee veranstaltet bereits regelmäßig Funiño-Turniere. © Verein
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Der DFB plant mit dem Projekt Funiño grundlegende Änderungen im deutschen Nachwuchsfußball – Eintracht Falkensee gehört zu Vorreitern in Deutschland.

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Horst Wein war Hockey-Nationalspieler und -trainer. Später kümmerte er sich vermehrt um den Fußball, schrieb Bücher über Kindertraining. Drei Jahre nach seinem Tod bekommt eine Idee Weins aus den 80er Jahren Beine. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will die Ausbildung des Nachwuchses mit Funiño revolutionieren. Was als Melange aus Spaß (Fun) und Kind (Niño) etwas sperrig daher kommt, ist einfach zu erklären: Drei gegen drei ohne Torhüter auf vier Minitore. So ist die Konstellation in der G-Jugend. Die Zahl der Spieler steigt mit dem Alter, bis zum bekannten Sieben gegen Sieben ab der U11.

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Pilotprojekte in den Kreisen

Ob diese Reform verpflichtenden oder freiwilligen Charakter hat, sei noch offen, sagt Uwe Blaschke, Vorsitzender des Jugendausschusses im Fußball-Landesverband Brandenburg. Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes tagt dazu im Juni. Eine SPORTBUZZER-Anfrage beim DFB blieb unbeantwortet. Der Oranienburger Blaschke vermutet, der DFB werde eine Empfehlung herausgeben, Funiño flächendeckend umzusetzen. Blaschke: „Dann können wir es in Brandenburg nicht verpflichtend machen. Wir tendieren dazu, die Entscheidung den Vereinen zu überlassen.“ Der FLB wolle das Konzept jedoch tatkräftig unterstützen. „Wir werden Pilotprojekte in den Kreisen starten und Funiño den Vereinen vorstellen.“

Gäbe es eine eigene Nationalmannschaft für Brandenburg, wären diese Spieler dabei:

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Viele Gegenargumente kennt Blaschke bereits aus Gesprächen mit Nachwuchstrainern: „Manche haben Angst vor der Investition und vor dem Verlust eines Spielbetriebes. Aber wir wollen erstmal alle informieren und setzen darauf, dass die Vereine es von allein umsetzen. Wir haben immer mehr Anfragen dazu aus den Vereinen.“

Dass zunächst ohne Torhüter gespielt wird, sei kein Problem, so Blaschke. „In diesem Alter müssen wir noch gar nicht über positionsspezifisches Training reden.“ Auch die Kosten seien in den Griff zu kriegen. Funiño wird in Festivals, also in einer Turnierfom ausgetragen. Dafür braucht man normalerweise 32 Minitore. Die kosten insgesamt etwa 1500 Euro. Blaschke: „Man kann es aber auch so machen, dass jeder Verein Tore mitbringt und wieder mitnimmt. Man muss nicht zwingend 32 Tore kaufen.“

In den Gesprächen hält Blaschke den größeren Spaß bei den Kindern dagegen. „Für Funiño spricht eine deutliche Steigerung der Ballkontakte jedes einzelnen. Und dass es keine langen Pausen mehr gibt.“ Der Turniermodus sorgt dafür, dass Mannschaften möglichst gegen Gegner auf Augenhöhe antreten. „Dadurch gibt es nicht so viele Negativerlebnisse. Ergebnisse wie 10:0 braucht niemand.“

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Martin Gründel erinnert sich mit Grausen an eines der ersten Spiel seines Sohnes Friedrich. Es ging mit 0:30 verloren. Wenig später wurde der G- und F-Jugendtrainer von Eintracht Falkensee auf Funiño aufmerksam. „Ich habe mich belesen und erste Festivals veranstaltet“, erzählt der 38-Jährige. Mittlerweile ist er Staffelleiter Funiño im Fußballkreis Havelland. Anfangs musste er einige Steine aus dem Weg räumen. Da Funiño außerhalb des regulären Spielbetriebes stattfindet, sollte Gründels Mannschaft keine Trainingszeiten mehr bekommen.

Seit 2017 ist Funiño jedoch als offizielle Alternative in Havelland anerkannt. Viele Vereine spielen parallel zum normalen Spielbetrieb Funiño, Gründels Mannschaft ist derweil aus dem althergebrachten Spielbetrieb ausgeschert. Die positiven Aspekte seien einfach zu schwerwiegend. „Die Komplexität des Spiels wird reduziert. Bei sieben gegen sieben rennen alle auf einen Haufen. Bei Funiño lernen die Kinder, das Spielfeld in Länge und Breite auszunutzen. Es fallen viel mehr Tore. Durch die automatische Rotation nach jedem Tor bekommen alle mehr Spielzeit und das Gefühl, dass sie wichtig sind“, zählt Martin Gründel auf.

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Er bekommt auch von seinen Söhnen Friedrich (9) und Ludwig (4) ein positives Feedback. Deshalb rät er: „Jeder sollte sich das angucken und auf sich wirken lassen.“ Eintracht Falkensee gehöre deutschlandweit zu den Vereinen, die Funiño am konsequentesten umsetzen, sagt Uwe Blaschke. „Sogar Berliner Vereine fragen an, ob sie im Havelland mitspielen können.“ Horst Wein wäre sicher stolz.