18. Juni 2017 / 15:35 Uhr

Konfetti-Cup statt Confed Cup: Kaum Fußball-Begeisterung in Sotschi

Konfetti-Cup statt Confed Cup: Kaum Fußball-Begeisterung in Sotschi

Eric Zimmer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die deutsche Nationalmannschaft trainiert vor malerischer Kulisse in Sotschi.
Die deutsche Nationalmannschaft trainiert vor malerischer Kulisse in Sotschi. © imago
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SPORTBUZZER-Reporter Eric Zimmer berichtet vom Teamhotel der DFB-Elf in Sotschi. Wirkliche Vorfreude auf den Confed Cup konnte er nicht ausmachen. 

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Wer sich in Sotschi, genauer gesagt im zum Stadtkreis gehörenden Adler, richtig positioniert, kann ein gleichermaßen beeindruckendes und fragwürdiges Foto machen. Die Kamera quer gehalten, passt die volle Ladung Sport auf das Bild. Vorn die Formel-1-Rennstrecke, auf der Ende April der Finne Valtteri Bottas den Russland-Grand-Prix gewann. Links dahinter das Fisht Olympic Stadium, in dem 2014 die Olympischen Winterspiele eröffnet wurden, in dem Deutschlands Fußball-Nationalmannschaft am Montag (17 Uhr, ZDF) gegen Australien in den Confederations Cup einsteigt und in dem 2018 Spiele im Rahmen der Fußball-WM steigen werden. Und rechts die olympische Fackel, die hier bis zum 23. Februar 2014 brannte. Kurzum: Es ist die volle Ladung Sport auf kleinstem Raum – mit der Tendenz zur Reizüberflutung. Seit Donnerstag mittendrin im Ort zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaukasus: die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw.

Der ganze Sport in Sotschi auf einen Bild: Die Rennstrecke, das Olympiastadion, in dem Deutschland spielt – und die olympische Fackel.
Der ganze Sport in Sotschi auf einen Bild: Die Rennstrecke, das Olympiastadion, in dem Deutschland spielt – und die olympische Fackel. © Eric Zimmer

Noch keine WM-Stimmung in Sotschi

Unter dem Namen der nahen Stadt Sotschi (gut 35 Kilometer entfernt) gedeckelt ist Adler also so etwas wie Russlands Sportmetropole. Aber bevor es dann auch hier losgeht mit dem Confed Cup, muss man schon genau hingucken, um so etwas wie Fußballstimmung zu finden. So auch während des Eröffnungsspiels zwischen der Auswahl von Gastgeber Russland und dem Team aus Neuseeland (2:0) in St. Petersburg, das im Wahnsinn am Schwarzen Meer kaum Beachtung fand.

Sportbuzzer-Reporter Eric Zimmer zeigt den Sport-Wahnsinn in Sotschi

Rund um das Fisht Olympic Stadium war nicht zu merken, dass das Turnier begonnen hatte. Keine große Leinwand, keine Fans. Nur Reiseführer mit Lautsprechern und Familien waren zu sehen. An der Strandpromenade dann ein erstes Zeichen: Ein Russe bittet seine Frau um Ruhe – im Gehen verfolgt er das Spiel seiner Landsleute auf seinem Smartphone. Und dann: ein Restaurant. Hier kommt die Partie tatsächlich auf einer Leinwand, vielleicht die Hälfte der 50 Gäste guckt auch hin. Chance Russland – keine Regung. Abpfiff und Sieg – wenig Regung. Minuten später ist die Leinwand hochgefahren und die Band beginnt. „Um die WM zum Erfolg zu führen, müssen die Fans kommen. Dazu braucht es eine einladende Atmosphäre“, sagte DFB-Boss Reinhard Grindel kürzlich bezogen auf politische Debatten um Russland (Diskriminierung, Homophobie, Pressefreiheit …). Aber eben auch eine Fußballatmosphäre. Und die fehlt aktuell zumindest dem ersten Spielort der deutschen Mannschaft. Es ist aber halt auch nur das WM-Vorturnier, dessen Ära ohnehin bald enden könnte. Und so ist rund um Sotschi eher Konfetti-Cup als Confed Cup.

Denn hier regiert der Von-allem-etwas-mehr-Modus. Die Musik an den Pools der aus dem Boden gestampften Hotels ballert von 8 Uhr morgen bis 22 Uhr abends – jeden Tag. Auf der Promenade am Meer können sich Touristen mit kleinen Affen und großen Papageien fotografieren lassen. Und als ob das nicht schon zu viel des „Guten“ wäre, taucht am Wegesrand auch schon mal jemand mit einem Tier auf, dass dann überhaupt nicht mehr hierher gehört: mit einem Löwenbaby. Mehr als fragwürdig – hier kein großer Hingucker. Und weil der Freizeitpark im Zentrum scheinbar nicht schon reicht, steht in diesem Park auch noch ein Zirkuszelt. Mehr, mehr, mehr am Meer.

Unser Sportbuzzer-Reporter Eric hatte keine wirklich ruhige Nacht. Warum? Das erklärt er euch im Video. Sotschi ist halt schon so ein bisschen Mallorca 😆

Geplaatst door Sportbuzzer op donderdag 15 juni 2017

Ob hier neben dem Partyfieber noch das Confed-Fieber ausbricht, wenn Deutschland am Montag gegen die „Socceroos“ spielt, wird sich zeigen. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff in der ARD ehrlich zum schrägen Ambiente: „Es ist nicht mein Geschmack.“

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