12. März 2019 / 20:18 Uhr

Kontrollverlust in Chemnitz – ein Kommentar von Guido Schäfer

Kontrollverlust in Chemnitz – ein Kommentar von Guido Schäfer

Guido Schäfer
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Die inszenierte öffentliche Trauerfeier für einen berüchtigten Neonazi in Chemnitz ist ein Skandal. Einer, der weitere Konsequenzen erfordert – nicht nur der Sportgerichte. Ein Kommentar von Guido Schäfer.

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Chemnitz. Als Darmstadts Fußballer 2015 in die Bundesliga durchmarschiert waren, deuteten die Aufstiegshelden auf ihre „Du musst kämpfen“-Motivationsbändchen von ihrem Anhänger Johnny Heimes. Der erkrankte mit 14 an Krebs, verbrachte viele Jahre zwischen OP-Saal und seinem Stadion, dem Darmstädter Böllenfalltor. 2016 verlor er den Kampf. Der Verein versprach, Johnnys Werte zu leben. Fußball-Deutschland blickte nach Darmstadt und trauerte mit.

Jetzt starrt nicht nur Fußball-Deutschland nach Chemnitz. Erschüttert, ungläubig. Der verstorbene Thomas Haller hatte keine Werte, für die es sich nach normalen Maßstäben zu leben lohnt, war aber wertvoll: für Demokratieverächter, Schläger, Neonazis. Der Gründer der Hooligan-Gruppe „HooNaRa“ war eine Nummer mit Strahlkraft in Sachsen, fühlte sich dem Chemnitzer FC zugehörig. Offenbar eine Beziehung, die auf Gegenseitigkeit beruhte.

DURCHKLICKEN: Der CFC und seine Fans trauern um einen Neonazi

Schweigeminute vor dem Anpfiff: Ruhe in Frieden, Tommy, steht auf einem Banner. Der Fanblock zündet Pyrotechnik. Zur Galerie
Schweigeminute vor dem Anpfiff: "Ruhe in Frieden, Tommy", steht auf einem Banner. Der Fanblock zündet Pyrotechnik. ©
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Am Wochenende wurde seiner nicht nur gedacht, ihm wurde gehuldigt. Durchchoreografiert und für Hallers Gesinnungsgenossen ganz sicher auch ergreifend. Getrauert wurde im Stadion des Chemnitzer FC. Einem Stadion, das nachweislich nicht der ansässigen Neonazi-Szene, sondern der Stadt Chemnitz gehört. Einer Stadt, die im Vorjahr nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. und einer Zusammenrottung von Rechtsradikalen weltweit in die Schlagzeilen geraten war. Einer Stadt, die gerade erst zur Ruhe gekommen ist. Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte in eben jenem Stadion an der Gellertstraße unmittelbar nach den Aufmärschen 2018 den kleinsten gemeinsamen Nenner gesucht. „Sind wir uns einig, dass der Hitlergruß nicht okay ist?“

Weiteres zum Eklat beim Chemnitzer FC

Derzeit herrscht vor allem hierin Einigkeit: Der Chemnitzer FC leidet an einem Kontroll- und Machtverlust, ist unterwandert und fremdgesteuert. Beleg hierfür: Der Insolvenzverwalter des CFC hat Strafanzeige wegen Landfriedensbruchs gegen Unbekannt gestellt. Hat Herr Unbekannt auch die Club-Führung zur Haller-Trauerfeier genötigt? Einfach mal nachfragen bei jenen, die ja sagten oder aus ihrer Sicht ja sagen mussten zum besonderen Akt der Nächstenliebe.

Die inszenierte öffentliche Trauerfeier für einen berüchtigten Neonazi ist ein Skandal. Einer, der schon Konsequenzen nach sich gezogen hat und weitere erfordert. Die Stadt Chemnitz und die Stadtgesellschaft müssen deutlich machen: Unsere Stadt und unser Stadion sind nicht Spielwiese der Neonazis. Die Sportgerichte müssen abschreckend und notfalls existenzbedrohend durchgreifen.

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