22. November 2020 / 19:18 Uhr

Konzepte für Re-Start im Handball: Das sagen die heimischen Oberliga-Trainer

Konzepte für Re-Start im Handball: Das sagen die heimischen Oberliga-Trainer

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wann und wie geht's weiter: Während die Handball-Bundesliga spielt, bereitet sich der niedersächsische Verband auf einen möglichen Re-Start vor. Die Oberliga-Trainer Daniel Heimann (l.), Mike Knobbe (v.) und Oliver Bült kennen die Vorschläge des HVN.
Wann und wie geht's weiter: Während die Handball-Bundesliga spielt, bereitet sich der niedersächsische Verband auf einen möglichen Re-Start vor. Die Oberliga-Trainer Daniel Heimann (l.), Mike Knobbe (v.) und Oliver Bült kennen die Vorschläge des HVN. © dpa/Gero Gerewitz/VfL Wolfsburg
Anzeige

Der Handball-Verband Niedersachsen hat seinen Vereinen Konzepte für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs vorgestellt. Jetzt soll gemeinsam beschlossen werden, welcher Weg gewählt wird. Die Vorgehensweise des Verbands begrüßen die heimischen Oberliga-Trainer, die aber alle eine Frage eint: Wann können wir überhaupt wieder trainieren?

Anzeige

Die vom Präsidium des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN) installierte „Task Force Spielbetrieb“ legt erste Modelle zu einer möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebes der Ober-, Verbands- und Landesligen im Januar beziehungsweise Februar kommenden Jahres vor. Laut Vizepräsident Spieltechnik Jens Schoof werden die Modelle mit den Vertretern der Ober- und Verbandsligisten der Frauen und der Männer in einer für Samstag, 28. November, angesetzten Video-Konferenz diskutiert.

Anzeige

Vizepräsident Jens Schoof: „Uns ist es wichtig, in den direkten Dialog mit den Vereinen zu treten, um so den Entscheidungsprozess im Präsidium zu unterstützen. Wenn absehbar ist, dass die derzeitig gültigen Allgemeinverordnungen zur Eindämmung der Pandemie einen geordneten Spielbetrieb zulassen, werden wir kurzfristig eine Entscheidung herbeiführen.“ Ziel sei es, den Spielbetrieb der Frauen und Männer in Zuständigkeit des HVN bis spätestens Mitte Juli zu beenden.

Mehr heimischer Sport

Modelle zur Fortführung des Spielbetriebs in der Oberliga Männer

Vorschlag 1: Spielbeginn wäre am Samstag und Sonntag, 16. und 17. Januar. Neuaufteilung der 29 Oberligisten in drei Staffeln mit neun beziehungsweise zehn Mannschaften. Die jeweiligen Erstplatzierten spielen die Aufsteiger ab Mitte Juni in einer Hin- und Rückrunde aus. Die jeweiligen Letztplatzierten steigen ab. Die jeweiligen Vorletzten gehen gegebenenfalls in die Abstiegsrelegation.

Vorschlag 2: Spielbeginn wäre am Samstag und Sonntag, 16. und 17. Januar oder am Samstag und Sonntag, 6. und 7. Februar. Die Staffelstärken bleiben unverändert. Fortgesetzt wird der Spielbetrieb in einer Einfachrunde bis Mitte Mai, in der die Ergebnisse der bisher ausgetragenen Begegnungen berücksichtig werden. Aufsteiger in die 3. Ligen und Absteiger werden ab Mitte Mai in einer Meister- und in einer Abstiegsrunde festgelegt, wobei die Punkte aus der Vorrunde gegen die direkten Gegner mitgenommen werden. „Sollte es die Pandemie nicht zulassen, kann auf die Meister- und Abstiegsrunde verzichtet werden und eine Wertung der Einfachrunde per Quotientenregelung vorgenommen werden“, heißt es in dem Arbeitspapier der „Task Force“.

Das sagt Trainer Daniel Heimann (MTV Vorsfelde)

„Es ist schön zu wissen, dass sich der Verband auf zwei Modelle fokussieren möchte“, sagt Daniel Heimann. Natürlich hat der Coach des MTV Vorsfelde eine Meinung zu den Vorschlägen, möchte aber eine interne Videokonferenz der Vorsfelder abwarten. Zudem hat Heimann den Blick auch auf Mittwoch gerichtet, wenn die nächste Bund-Länder-Konferenz die neuesten Entscheidungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bekannt geben wird. „Trotzdem ist es richtig und besser, sich auch auf Verbandsebene vorzubereiten.“

Ein Punkt, der bei allen möglichen Szenarien noch wichtig werden könnte: Was, wenn die Saison bis in den Juli geht? „Es gibt Verträge, die am 30. Juni enden. Was passiert mit ihnen?“, fragt sich Heimann und gibt im Hinblick auf einen möglichen Re-Start Mitte Januar zu bedenken: „Wir sind jetzt wieder vier Wochen in der Pause.“ Wenn auch im Dezember nicht trainiert werden könne, übersteige das die Dauer einer Trainingspause zwischen zwei regulären Spielzeiten. Deshalb hält der Coach mit dem Team in wöchentlichen Videocalls Kontakt und hofft darauf, dass zumindest in Kleingruppen bald wieder gemeinsam an der Fitness gearbeitet werden darf

Das sagt Trainer Mike Knobbe (VfB Fallersleben)

„Für mich persönlich kommt eigentlich nur Vorschlag 2 infrage, schließlich haben wir schon gespielt“, sagt Mike Knobbe. Der Trainer des VfB fände es Teams wie MTV Großenheidorn oder VfL Hameln unfair gegenüber, die bereits 6:0 Punkte eingefahren haben. „Und auch wir haben schon zwei Zähler geholt“, spricht er Fallerslebens historischen ersten Oberliga-Sieg (32:27 bei der SG Börde Handball) an. Aber die Konzepte seien nicht in Stein gemeißelt. Man müsse zunächst abwarten, was die Politik beschließt.

Beim Blick auf die Infektionszahlen glaubt Knobbe auch im Januar noch nicht an eine Rückkehr in die Hallen: „Das sehe ich nicht. Und bei so einer langen Pause nach wenigen Spielen muss man sich eigentlich komplett neu vorbereiten.“ Eine Woche trainieren und dann Punktspiele bestreiten – da sei es schwierig, Verletzungen zu vermeiden. Dennoch: „Ich bin ein Wettkampf-Typ. Wenn es geht, würden wir sofort spielen. Aber ich bin unsicher, ob das passiert“, schließt der VfB-Coach auch „schlimmstenfalls“ eine Annullierung der Spielzeit nicht aus. „Irgendwann ist dann auch die Zeit ein Faktor.“

Modelle zur Fortführung des Spielbetriebs in der Oberligen Frauen

Vorschlag 1: Spielbeginn wäre am Wochenende Samstag und Sonntag, 16. und 17. Januar. Die Staffelstärken und der Spielmodus bleiben unverändert. Die Erst- und Zweitplatzierten der Staffeln ermitteln die Aufsteiger zu den 3. Ligen in Relegationsspielen. Vorletzter und Letzter steigen in die Landesligen ab.

Vorschlag 2: Spielbeginn wäre am Samstag und Sonntag, 6. und 7. Februar. Die Staffelstärken bleiben unverändert. Fortgesetzt wird der Spielbetrieb in einer Einfachrunde bis Ende April, in der die Ergebnisse der bisher ausgetragenen Begegnungen berücksichtig werden. Aufsteiger in die 3. Ligen und Absteiger werden ab Mai in einer Meister- und in einer Abstiegsrunde festgelegt, in deren Wertungen die Ergebnisse des direkten Vergleichs zweier Mannschaften einfließen.

Vorschlag 3: Spielbeginn wäre am Samstag und Sonntag, 6. und 7. Februar. Die 31 Oberligisten werden in vier Staffeln mit sieben beziehungsweise acht Mannschaften aufgeteilt. Die jeweiligen Erstplatzierten spielen die Aufsteiger zu den 3. Ligen ab Mitte Juni in einer Hin- und Rückrunde aus. Die jeweiligen Letztplatzierten steigen in die Landesligen ab. Die jeweiligen Vorletzten gehen in die Abstiegsrelegation.

Das sagt Trainer Oliver Bült (VfL Wolfsburg)

„Ich finde es gut, dass der Verband die Vereine mit ins Boot holen will. Das hatten wir vorher bemängelt“, sagt Oliver Bült. Und was hält der VfL-Trainer von den drei Szenarien? „Vieles ist abhängig davon, wie sich die Inzidenzen entwickeln, ob die Hallen wieder geöffnet werden.“ Eine Rückkehr in den Trainingsbetrieb kann sich der Coach im Dezember nicht vorstellen. „Deshalb wird Vorschlag 1 nicht machbar sein.“ Die Vorbereitungszeit auf einen Re-Start Mitte Januar sei zu kurz. Kaum Training, dann gleich spielen? „Das wäre fatal!“

Könnte aber auch für die beiden anderen Vorschläge gelten, die von einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs Anfang Februar ausgehen. Dennoch hat Bült hier einen Favoriten. Vorschlag 2 mit Einfachrunde und anschließender Auf- und Abstiegsrunde. „Ich finde, man sollte die begonnene Saison fortsetzen und zu Ende bringen.“ Wolfsburg hat nach drei Spielen 3:3 Punkte auf dem Konto. Auch zeitlich sei die Saison so am besten zu managen, wobei der Coach nicht hofft, dass der Zeitraum bis Ende Juli voll ausgenutzt werden muss. „Dann hätten wir das nächste Problem, wenn die darauffolgende Saison im September starten soll.“ Nur vier Wochen Pause – „Das wäre auch eine Katastrophe.“Ganz klar: „Die Gesundheit geht vor“, sagt Bült. „Ich möchte auch nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken. Allerdings halte ich die Stellschraube Amateursport für die falsche. Es trifft den Handball hart, da geht ein ganzer Jahrgang verloren.“

Modell für den Jugendbereich

Für den Jugendbereich favorisieren die Mitglieder des Spielausschusses laut Schoof einen Restart zum ersten Wochenende im Februar. Aus heimischer Sicht betroffen ist hier der HSC Ehmen mit seiner weiblichen B- und C-Jugend. „Lediglich im Bereich der B-Jugend-Oberliga könnten schon vorher die Termine ab 16. Januar mitberücksichtigt werden, da in dieser Altersklasse ab Mai noch die Deutschen Meisterschaften ausgetragen werden sollen.“ Man beabsichtige, die Planungen insgesamt so anzupassen, dass sowohl die Saison als auch die Relegationen zur Spielzeit 2021/2022 bis zu den Sommerferien durchgeführt werden können. „Damit ab September ein möglichst regulärer Start in die Saison erfolgen kann.“