27. Februar 2020 / 18:42 Uhr

Gehirnschäden durch Fußball? Kopfball-Verbot in England "sehr konsequent"

Gehirnschäden durch Fußball? Kopfball-Verbot in England "sehr konsequent"

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wie gefährlich sind Kopfbälle? Einen wissenschaftlicher Beweis für Gehirnschäden gibt es bisher nicht.
Wie gefährlich sind Kopfbälle? Einen wissenschaftlicher Beweis für Gehirnschäden gibt es bisher nicht. © imago/MITO
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Der englische Fußballverband schafft Kopfball-Training für Kinder ab. Ingo Helmich von der Sporthochschule Köln lobt die Regeländerung. Es gebe "mehr und mehr Gewissheit, dass Kopfballspielen zu potenziellen Symptomen führen kann, die mit Gehirnerschütterung zusammenhängen". In Deutschland ist ein solches Verbot noch kein Thema.

Der englische Fußballverband (FA) führt eine neue Regel ein: Kinder sollen überhaupt keine Kopfbälle mehr trainieren, Jugendliche nur noch in Ausnahmefällen. Das soll die Gesundheit der Nachwuchsspieler schützen. Ein komplettes Kopfball-Verbot bedeutet der neue Schritt aber nicht. In Punktspielen bleiben Kopfbälle in allen Altersklassen erlaubt.

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"Als Wissenschaftler denkt man, dass die Verantwortlichen sehr konsequent handeln. Es gibt mehr und mehr Gewissheit, dass Kopfballspielen zu potenziellen Symptomen führen kann, die mit Gehirnerschütterung zusammenhängen", sagt Dr. Ingo Helmich von der neurologischen Abteilung der Sporthochschule Köln im Gespräch mit #GABFAF.

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In England dürfen Kinder im Alter zwischen sechs bis elf Jahren den Ball im Training überhaupt nicht mehr mit dem Kopf spielen. Für ältere Kinder und Jugendliche bis 18 sind Kopfbälle im Training nur ausnahmsweise erlaubt.

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Hintergrund für die Regeländerung in England, die auch in Schottland, Irland und Nordirland umgesetzt wird, ist eine von der FA und der Spielergewerkschaft PFA in Auftrag gegebene Untersuchung aus dem vergangenen Jahr, die zu dem Ergebnis kam, dass Fußballprofis im Vergleich zur britischen Gesamtbevölkerung mit einer 3,5-mal höheren Wahrscheinlichkeit an einer degenerativen Hirnkrankheit sterben. Laut der Studie ist die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, bei Fußballern 3,45-mal höher, bei Alzheimer sogar 4,4-mal. Eine Erklärung dafür lieferte die Untersuchung nicht.

Wissenschaftlicher Beweis fehlt

Über einen Zusammenhang mit Kopfbällen bisher nur spekuliert. Einen wissenschaftlichen Beweis gibt es nicht. "Man kann nicht sagen, dass ein Kopfball automatisch zu einer degenerativen Gehirnerkrankung führt. Aber es spricht doch einiges dafür, dass es sich nicht positiv auf die Gehirnentwicklung bei Jugendlichen auswirkt", sagt Helmich. Die FA hält die vorsorgliche Maßnahme für notwendig. FA-Chefärztin Charlotte Cowie hatte schon im Dezember gesagt: "Es ist unabdingbar, dass wir im Fußball jetzt alles tun, um zu verstehen, was die Gründe für dieses erhöhte Risiko sind, und was wir tun können, um zukünftige Generationen von Fußballern davor zu schützen."

DFB empfiehlt Kopfballtraining ab 13

In Deutschland empfiehlt der deutsche Fußballverband (DFB) zwar Kopfballtraining erst ab 13 Jahren, zuletzt war ein Verbot aber kein Thema. "Aus wissenschaftlicher Sicht würde ein Verbot auf jeden Fall Sinn machen. Auch als Elternteil hätte man dafür sicherlich großes Verständnis", meint Helmich gegenüber #GABFAF.

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Verbot auch in den USA

Vorreiter dieser Maßnahme im Jugendbereich ist der nationale Fußballverband der USA. Bereits seit 2015 herrscht dort ein Kopfballverbot für Kinder bis zum elften Lebensjahr. Bis zum 13. Lebensjahr darf nur eingeschränkt geköpft werden.