29. März 2022 / 19:15 Uhr

Kopftreffer bei Torhütern minimieren: DHfK Leipzigs Trainer André Haber lobt Regeländerung

Kopftreffer bei Torhütern minimieren: DHfK Leipzigs Trainer André Haber lobt Regeländerung

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
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Sime Ivic flog neulich nach einem Kopftreffer beim Siebenmeter vom Platz. © Christian Modla
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Wenn ein Handballer dem Torwart beim Siebenmeter den Ball an den Kopf wirft, ist dies automatisch ein Platzverweis für den Werfenden. Nun sollen Kopftreffer auch bei gewissen Aktionen aus dem Spiel heraus ähnlich hangehabt und die Hüter damit weiter geschützt werden. In Leipzig findet man das gut.

Leipzig. Eine blutige Nase ist als Torhüter wahrlich keine Seltenheit. Grundsätzlich will natürlich kein Keeper seinen Kopf zwischen Handball und Tor manövrieren, aber am Ende zählt nur, dass das Runde nicht im Eckigen landet. Oder wie es Nationaltorhüter Silvio Heinevetter vor bald zehn Jahren in einem Interview mit der „Zeit“ gesagt hat: „Wichtig ist nicht, wie du hältst, sondern ob du hältst.“ Notfalls eben mit dem Gesicht. Doch was meist mit leichten Kopfschmerzen, einer blutigen Lippe oder der lädierten Nase endet, kann bei den enormen Wurfgeschwindigkeiten im Profibereich auch sehr ernste Folgen haben. Besorgt sind die Verantwortlichen bei der Internationalen Handballföderation (IHF) unter anderem wegen der Langzeitfolgen von wiederholten Gehirnerschütterungen und wollen durch eine Regelanpassung ab dem 1. Juli 2022 die Torhüter besser schützen.

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Zwei Minuten bei freien Würfen

Nein, es werden keine Helme verteilt. Nein, es werden auch keine Softbälle eingeführt. Stattdessen setzt die IHF künftig auf die Bestrafung der Feldspieler, sollten diese die Torhüter am Kopf treffen. Bereits etabliert ist diese Regel beim Strafwurf. Jüngstes Beispiel ist DHfK-Handballer Sime Ivic, der beim 25:21-Heimsieg gegen TuS N-Lübbecke am Sonntag die Rote Karte sah. Der Kroate hatte den Nettelstedter Keeper beim Siebenmeter an der Stirn getroffen und wurde zurecht vom Platz gestellt.

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Ivic liegt auf Rang sechs der härtesten Würfe in der aktuellen Bundesligasaison. Im Hinspiel gegen Lübbecke hatte er einen Schlagwurf mit 139,46 km/h in die Maschen geschmettert. Bei dieser Wucht könnte ein Kopftreffer gefährlich werden – Aljosa Rezar wurde nur gestriffen, spielte ohne Beschwerden weiter. Ab der kommenden Saison sollen diese Kopftreffer auch aus dem Spiel heraus geahndet werden, aber nur, wenn sich keine weiteren Spieler zwischen dem Keeper und dem Schützen befinden – dieser also frei zum Wurf kommt. Künftig werden Schiedsrichter dafür eine Zweiminutenstrafe aussprechen, außer der Torhüter bewegt seinen Kopf absichtlich in die Flugbahn.

„Bereich um den Kopf auch eine Tormöglichkeit“

„Es geht um den Schutz des Spielers – das ist immer eine gute Sache“, sagt André Haber. Der langjährige Trainer des SC DHfK hat in den vergangenen Jahren von gebrochenen Nasen bis Gehirnerschütterungen schon so manche Verletzungen seiner Torhüter miterlebt. Ganz ohne Skepsis sieht er die Anpassung aber nicht. „Ich bin sehr gespannt, wie dann mit der Regelauslegung umgegangen wird, da es ja doch immer wieder vorkommt. Das wird eine schwere Aufgabe für die Schiedsrichter“, gibt der 35-Jährige zu bedenken.

Eine Auffassung die sein Trainer-Kollege Emir Kurtagic teilt. Der Übungsleiter der TuS N-Lübbecke fügt hinzu: „Wir dürfen aber nicht vergessen, dass der Bereich um den Kopf auch eine Tormöglichkeit ist.“ Das soll auch so bleiben und könnte künftig zu äußerst schwierigen Entscheidungen für die Schiedsrichter führen. Nicht immer wird eindeutig sein, ob der Ball zum Kopf oder der Kopf zum Ball ging. Der 41-Jährige führt aus: „Ich bin selbstverständlich dagegen, dass man einen Torwart absichtlich abschießt. Aber auf diesem Niveau glaube ich nicht, dass es viele gibt, die tatsächlich einem Torwart ins Gesicht werfen wollen.“ Sobald die neue Regel in Kraft tritt, müsse der Sport sich anpassen. Bleibt abzuwarten, ob es dadurch wirklich weniger blutige Nasen gibt.