06. April 2021 / 10:43 Uhr

Kräftemessen auf Augenhöhe: Finalspiel der Dresdner Volleyballerinnen verspricht Spannung pur 

Kräftemessen auf Augenhöhe: Finalspiel der Dresdner Volleyballerinnen verspricht Spannung pur 

Astrid Hofmann
Dresdner Neueste Nachrichten
DSC-Volleyball
Trainer Alexander Waibl bereitet das Team auf das Finale vor. © CORNELIUS KETTLER
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Vor dem Finale am kommenden Samstag in der Volleyball-Bundesliga, können die Damen des Dresdner SC und des MTV Stuttgart mit vielen Stärken aufwarten. Das ergab der SPORTBUZZER-Teamcheck.

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Dresden. Wenn es am kommenden Sonnabend in der Volleyball-Bundesliga der Frauen um den deutschen Meistertitel geht, dann stehen sich mit dem Dresdner SC und Allianz MTV Stuttgart die beiden besten Teams der Saison gegenüber. Der Vorrundensieger und der Zweitplatzierte brauchen in der Serie „Best of five“ drei Siege bis zum Titelgewinn. Während der DSC zum insgesamt neunten Mal in seiner Vereinsgeschichte im Finale steht, erkämpften sich die Schwaben zum sechsten Mal in Folge den Finaleinzug. Beide Teams duellierten sich bereits 2015 und 2016 im Finale, beide Mal ging die Schale an das Team von Trainer Alexander Waibl. Stuttgart holte sich 2019 erstmals den Titel. Das letzte heiße Match lieferten sich beide im Februar 2020 im Pokalfinale in Mannheim. Nach fünf abgewehrten Matchbällen luchste der DSC Stuttgart den Pott noch ab. Wir machen vor dem nächsten Finale einen aktuellen Teamcheck.

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Zuspiel: Der DSC ist mit der US-Amerikanerin Jenna Gray und Sarah Straube aus dem eigenen Nachwuchs sehr gut aufgestellt. Gray verteilt die Bälle variabel, spielte zuletzt etwas wenig mit den Mittelblockerinnen. Straube hat nicht nur im Pokalfinale 2020 bewiesen, was in ihr steckt, sondern sorgt stets für neue Impulse, wenn sie eingewechselt wird. Sie gilt als größtes deutsche Zuspieltalent. Stuttgart ist auf dieser Position ebenfalls doppelt gut besetzt. Nationalspielerin Pia Kästner kam im Sommer nach langer Verletzungspause zurück und hat sich erneut den Stammplatz erkämpft. Sie spielte nicht nur beim letzten 3:0-Sieg gegen den DSC sehr gut zu, sondern führte ihr Team auch zu zwei 3:0-Siegen im Halbfinale gegen Schwerin. Neben ihr hat der MTV mit der erfahrenen Athina Papafotiou eine Regisseurin, die schon in der Finalserie 2015 gegen den DSC am Netz stand. Auch sie hat ein gutes Händchen, kann den DSC durchaus Probleme bereiten. Hier sehen wir ein Unentschieden.

Diagonalangriff: Es ist im Volleyball vielleicht DIE Schlüsselposition und so verwundert es nicht, dass beide mit zwei Ausnahmekönnerinnen ausgestattet sind. Maja Storck führt die Liste der wertvollsten Spielerinnen der Liga (Hauptrunde/9 x Gold, 1 x Silber) an. Krystal Rivers ist die erfolgreichste Top-Scorerin der Bundesliga und wird als „Lebensversicherung“ von Stuttgart bezeichnet. Die US-Amerikanerin macht im Schnitt 6,4 Punkte pro Satz, die Schweizerin Storck 4,8. Storck spielt mutig, greift aus allen Positionen an und hat einen gefährlichen Sprungaufschlag. Jedoch spielt die 22-Jährige ihre erste Finalserie in Deutschland. Rivers ist nicht nur vier Jahre älter, sondern holte mit Stuttgart bereits Meistertitel und Pokal. Mit Lena Große Scharmann hat MTV eine gute Alternative auf der Bank, beim DSC ist Naya Crittenden durch eine Schulterverletzung gehandicapt. Vorteil Stuttgart.

Dürr ist eine Bank in Annahme und Abwehr

Außenangriff: Der DSC ist mit Lena Stigrot (3,3 Punkte pro Satz), Jennifer Janiska (3,4) und Emma Cyris sehr gut besetzt, dazu steht mit Lina-Marie Lieb ein junges Eigengewächs im Kader. Stigrot und Janiska spielen eine tolle Saison, kamen zuletzt immer besser in Schwung. Cyris ist – ähnlich wie Straube im Zuspiel – eines der größten deutschen Talente auf ihrer Position. Waibl kann auf sie bauen, wenn er sie braucht. Stuttgart hat in der Breite jedoch Vorteile. Neben den Stammspielerinnen Michaela Mlejnkova (3,8 Punkte pro Satz) und Ex-DSC-Angreiferin Maria Segura (3,1), stehen mit Dora Grozer, Hester Jasper und Lara Berger drei weitere Optionen zur Verfügung. Mlejnkova erlebte schon das Finale 2016 gegen den DSC, ist in glänzender Form. Segura spielt ebenfalls eine hervorragende Saison. Wird die Serie in kraftraubenden vier oder fünf Spielen entschieden, könnte der MTV die breitere Bank zugutekommen. Vorteil Stuttgart.

Mittelblock: Mit Nationalspielerin Camilla Weitzel und der US-Amerikanerin Madelaine Gates ist der DSC hervorragend besetzt. Weitzel rangiert nach der Hauptrunde in der Statistik der Blockpunkte auf Rang zwei der Liga. Ein Handicap für die Sachsen ist das verletzungsbedingte Saisonende von Monique Strubbe. Das gleiche, vielleicht sogar größere Problem hat Stuttgart. Denn Stamm-Mitteblockerin Juliët Lohuis fällt ebenfalls verletzt aus. Gesetzt ist die Bulgarin Mira Todorova, die es in der Hauptrunde aber nur auf den 31. Platz in der Blockwertung schaffte. Setzt das Dresdner Zuspiel in Sachen Schnellangriff im Finale auch wieder mehr auf die Mitte, liegt der Vorteil klar beim DSC.

Libera: Der DSC ist auf dieser Position glänzend aufgestellt. Ex-Nationalspielerin Lenka Dürr ist eine Bank in Annahme und Abwehr, sorgt zudem für viel Emotionalität auf dem Feld, kann das Team mitreißen und sie hat mit Jennifer Janiska eine der besten Annahmespielerinnen an ihrer Seite. Nach der Hauptrunde stand bei Dürr mit 55,6 Prozent eine bombastische Quote für perfekte oder gute Annahmen zu Buche. Platz zwei in der Liga. Auch bei der Annahmeeffizienz hat Dürr mit 47,5 unter den Spezialistinnen die Nase vorn. Vertreterin Morgan Hentz hat ihre Stärken in der Abwehr, kommt aber auch zur Stärkung der Annahme aufs Feld. Stuttgart verfügt mit der Finnin Roosa Koskelo zwar auch über eine hervorragende Libera, im Vergleich zu Dürr nimmt sie aber nicht so stabil an (46,5 Prozent positiv/gut – 38,7 Effizienz) an. Zudem sie ist die einzige Spezialistin im Team, für sie gibt es zwar auf dem Papier mit Lena Grundt eine Alternative, die jedoch noch nie zum Einsatz kam. Vorteil Dresden.

Fans können sich freuen

Trainer: Alexander Waibl ist nicht nur der dienstälteste, sondern der erfolgreichste Trainer der Bundesliga. Drei Meistertitel (2014-2016), vier Pokalsiege (2010, 2016, 2018, 2020) und der Titel im europäischen Challenge Cup (2010) stehen für den gebürtigen Schwaben zu Buche. Aleksandersen feierte mit Schwerin 2006 das Double und wurde 2011 erneut mit dem SSC Meister. Vorteil DSC.

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Mentale Stärke: Stuttgart arbeitet seit Jahren mit der Ex-Dresdnerin Anni Schumacher zusammen. Die ausgebildete Mentaltrainerin half dem Team enorm, nach vier Finalniederlagen in Serie 2019 den ersehnten Meistertitel zu holen. Dazu stehen im Team (Altersdurchschnitt 24,66) viele erfahrene Spielerinnen, die schon einiges erlebt haben. Dresden (Altersdurchschnitt 22,83) hat in dieser Saison jedoch auch mentale Stärke bewiesen, sich oft nach großen Rückständen noch zurückgekämpft und die beiden Tie-Breaks in den Play-offs für sich entschieden. Allerdings gingen beide Hauptrunden-Partien gegen MTV mit jeweils 0:3 verloren. Das muss aus den Köpfen raus. Vorteil MTV.

Fazit: Beide Teams sind sehr gut aufgestellt, haben viele Stärken und nur wenige Schwächen. Deshalb können sich die Fans auf eine spannende Serie freuen. Waibl sieht aufgrund der größeren Erfahrung und „brutalen Physis“ Stuttgart leicht favorisiert. Der Einschätzung können wir folgen, doch im Volleyball ist erst alles entschieden, wenn der letzte Ball gespielt ist.