06. November 2021 / 17:28 Uhr

Krause schießt Stahl Brandenburg zum Derbysieg gegen Chemie Premnitz

Krause schießt Stahl Brandenburg zum Derbysieg gegen Chemie Premnitz

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Zahlen, die nicht lügen: Stahl siegt 1:0 gegen Chemie.
Zahlen, die nicht lügen: Stahl siegt 1:0 gegen Chemie. © David Joram
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Marvin Krause heißt der Mann des Tages beim 1:0-Sieg des FC Stahl Brandenburg im Derby der Fußball-Landesliga Nord gegen den TSV Chemie Premnitz. Stahl-Trainer Maik Aumann ist trotz des Erfolgs unzufrieden, Chemie-Coach Peter Oberschmidt kann mit der Leistung seiner Elf gut leben.

Die „Derbysieger“-Rufe gehörten am Samstagnachmittag den Spielern des FC Stahl Brandenburg. Vor einer stimmungsvollen Kulisse von offiziell 405 Zuschauern im Stadion am Quenz besiegten die Gastgeber im Lokalduell der Fußball-Landesliga Nord den TSV Chemie Premnitz 1:0 (1:0). Das Tor des Tages zum verdienten Derbysieg für die aktiveren Stahl-Kicker schoss in der 32. Minute ausgerechnet der Ex-Premnitzer Marvin Krause. Der sonst gute Chemie-Torwart Felix Baitz gab beim Gegentor nicht die beste Figur ab.

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Überraschendes gab nach etwas über 90 Minuten Stahl-Trainer Maik Aumann zu Protokoll. „Ich bin nicht zufrieden mit dem Spiel heute“, sagte er. „Meine Mannschaft kann mehr. Schade, dass wir die Zuschauer nur einmal zum Jubeln bringen konnten.“ Chemie-Trainer Peter Oberschmidt war trotz der Niederlage seiner ersatzgeschwächten Elf weitgehend zufrieden. „Wir haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten achtbar aus der Affäre gezogen“, meinte Oberschmidt. „Es war ein umkämpftes Spiel, in dem ich keinen großen Unterschied gesehen habe. Aber es gab eben einen Unterschied. Das eine Tor war Stahl heute besser. Wir haben es trotzdem hervorragend gemacht.“

Felix Baitz: "Die Ecke war scharf geschossen, leider lasse ich den Ball nach vorne abklatschen"

Die in der Tabelle auf Platz drei liegenden Stahl-Spieler zeigten von Beginn an, dass sie den im Abstiegskampf steckenden Gästen früh Feuer geben wollten. Auch die lautstarken Heim-Fans waren voll da. Nach einer der vielen Stahl-Ecken in der Anfangsphase schoss Kapitän Adrian Jaskola knapp am Chemie-Tor vorbei. Danach hatten die Premnitzer die Offensive der Gastgeber aber weitgehend im Griff.

Das Defensivkonzept von Trainer Oberschmidt zeigte Wirkung, Chemies Ketten verschoben fleißig, die Hausherren suchten meist vergebens nach Lücken im dichten Abwehrverbund. Spätestens im letzten Drittel stellten die Chemiker Abwehrspezialisten um Christian Freidank, Wilhelm Neumann und Co. die Brandenburger Angreifer. Frust kam auf bei den heimischen Fans. „Bewegt Euch!“, rief ein Stahl-Anhängern den Spielern in den blauen Hosen und Trikots zu.

Die Kehrseite des teils extremen Premnitzer Riegels: Offensiv fanden die Chemiker kaum statt. Sebastian Schulz und Spielmacher Martin Weber standen meist allein auf weiter Flur, ihre Mitspieler tief in der eigenen Hälfte. Elias Großes Freistoß nach einer halben Stunde, den Stahl-Torwart Moustapha Nouka sicher hielt, blieb einer der ganz seltenen Torschüsse der Chemiker im ersten Abschnitt.

Nach 32 Minuten belohnten sich die aktiveren Gastgeber dann doch noch für ihr Engagement – unter gütiger Mithilfe des Premnitzer Torwarts Felix Baitz. Der ließ den Ball nach einer von Nils Müller geschlagenen Ecke wieder aus den Händen gleiten, Maximilian Glomm setzte nach und brachte Marvin Krause in Position, der aus kurzer Distanz den Ball in die Maschen drosch. „Die Ecke war scharf geschossen, leider lasse ich den Ball nach vorne abklatschen“, bewertete Baitz die spielentscheidende Szene.


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Enthusiastisch bejubelten Spieler und Fans die 1:0-Führung, die Chemie-Trainer Oberschmidt nur mit einem Kopfschütteln quittierte. „Er wird selber wissen, dass er da nicht gut aussah“, sagte Oberschmidt nach dem Spiel über seinen Torwart, „dafür hat er bei zwei, drei anderen Chancen eine ganz starke Reaktion gezeigt.“

Das Tor gab den Hausherren Auftrieb, die in den zehn Minuten vor der Pause ihre beste Phase im Spiel hatten und munter aufs 2:0 spielten. Vor allem in der 35. Minute brannte es lichterloh im Premnitzer Strafraum, als Jonas Günther aus zehn Metern völlig frei zum Abschluss kam, aber an Baitz scheiterte, der überragend hielt. Auch in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit war Baitz zur Stelle und parierte nach einer Ecke glänzend gegen Jaskola. „Den muss ich eigentlich machen, aber er hält eben gut“, meinte der Stahl-Kapitän. „Dass wir die Tore nicht machen, war heute unser Manko.“

Maik Aumann: "Normalerweise müssen wir vier oder fünf Tore schießen"

Nach der Pause lebte das Derby vor allem von der Spannung. Die Chemiker mühten sich nun um Offensivaktionen, schufen aber keine zwingenden Momente. Das Stahl-Spiel trieben häufig die spielfreudigen Nicholas Engel und Müller an, die gegen etwas höher stehende Chemiker mehr Platz in der Offensive erhielten als noch im ersten Durchgang. An Chancen mangelte es den Hausherren eigentlich nicht, aber sie schlugen aus ihren teils ansehnlichen Aktionen eben kein Kapital – auch, weil immer wieder Baitz im Weg stand.

Der aufmerksame Chemie-Torwart vereitelte die Möglichkeiten von Lukas Hehne (64.) und Max-Bennet Säger (78.) stark; bei Müllers Flachschuss (75.) wäre er wohl chancenlos gewesen, der Ball rauschte aber knapp am Tor vorbei. In der 88. Minute verzog Hehne aus der Drehung. „In einem Derby überlegt man vielleicht die eine Sekunde zu viel“, mutmaßte Stahl-Coach Aumann ob der ausgelassenen Möglichkeiten. „Normalerweise müssen wir vier oder fünf Tore schießen.“

Am Ende rächte sich Stahls Chancenwucher nicht, den Gästen fehlte auch final die Durchschlagskraft, um dem Derby doch noch eine Wende zu geben. „Wir wussten schon vor dem Spiel, dass es schwer wird. Einstellung und Leidenschaft haben bei uns aber gestimmt. Es gibt noch ein Rückspiel – dann hoffentlich mit einem voll besetzten Kader“, resümierte Chemie-Torwart Baitz. Stahl-Kapitän Jaskola freute sich derweil über drei Derby-Punkte, „die sind erstmal das Wichtigste.“

FC Stahl Brandenburg: Moustapha Moussa Nouka - Jonas Meyer, Maximilian Glomm, Alexander Mertens (76. Jeffrey Kniestedt), Max-Bennet Säger, Adrian Jaskola, Lukas Hehne, Nicholas Engel, Marvin Krause, Nils Müller (81. Sebastian Hoyer), Bob Chike Mike Okezie-Andicene (20. Jonas Günther).

TSV Chemie Premnitz: Lukas Baitz - Wilhelm Neumann, Christian Freidank, Max Mensel (46. Philip Achilles), Nils Haase, Elias Große, Ricardo Quast, Jonas Hagedorn, Martin Weber (79. Louis Malte Pollak), Lucas Witschel, Sebastian Schulz.