30. Juli 2020 / 13:15 Uhr

Kreisklasse statt Kreisliga: „Das Abenteuer wäre zu groß“

Kreisklasse statt Kreisliga: „Das Abenteuer wäre zu groß“

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
AxelMecus
Der Terpitzer Axel Mecus (rechts) kam mit seiner Mannschaft auf Rang drei der Kreisklasse Ost. © Sven Zschiesche
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Personalumbrüche, schmale Kader, große Leistungsunterschiede und weite Anfahrtswege: Deshalb bleiben der SV Traktor Naundorf, FC Terpitz und LSV Schirmenitz (noch) der Fußball-Kreisklasse Nordsachsen Ost erhalten.

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Naundorf. Sie hätten das Angebot des Nordsächsischen Fußballverbandes annehmen und sich für den freien Platz in der Kreisliga bewerben können. Mit einem Punkte-Quotienten von 2,20 wäre der SV Traktor Naundorf, Zweiter der Kreisklasse-Oststaffel, nach dem serienweise erklärten Verzicht der Konkurrenten der aussichtsreiche Nachrücker-Kandidat gewesen. Und so bekennt Trainer Rigo Kupfer, durchaus darüber nachgedacht und mit seinen Kickern auch debattiert zu haben.

„Einige meiner Jungs wollten hoch, aber der Großteil war der Meinung, dass wir noch ein Jahr in der Kreisklasse bleiben sollten“, sagt der Coach. Auch Kupfer selbst glaubt, dass der Schritt zu groß geworden wäre: „Der Leistungsunterschied zur untersten Liga ist erheblich, in der Kreisliga wird vor allem deutlich schneller gespielt.“

Zumal die Naundorfer Personaldecke der vergangenen, nach elf Runden abgebrochenen Saison so dünn war, dass der Trainer seine Mannschaft einige Male mit Alt-herren-Kickern auffüllen musste. „Denen kann ich das schärfere Tempo eine Etage höher nicht zumuten, und die vier, fünf A-Jugendspieler, die jetzt ins Männerteam nachrücken, sind noch nicht so weit“, meint Rigo Kupfer, „wir sind insgesamt gesehen noch in der Findungsphase, da ist es besser, die Mannschaft erst mal zusammenwachsen und weiterhin in der Kreisklasse reifen zu lassen.“

Davonlaufende Mannschaft

Hinzu komme, dass die Naundorfer in der Kreisliga die weitesten Anfahrtswege gehabt hätten. „Es bringt doch nichts, beispielsweise fast hundert Kilometer nach Löbnitz oder Glesien zu fahren und dort vielleicht mit zehn Mann dann acht Tore oder mehr zu kassieren, das demotiviert doch die Jungs eher“, glaubt Rigo Kupfer.

Dabei war Traktor Naundorf in den vergangenen Jahren durchaus eine gute Adresse in der Kreisliga und konnte bemerkenswerte Erfolge vorweisen. Zweimal führte Kupfer seine Mannen auf Rang vier, danach sogar zweimal als Dritter aufs Podest. Doch in der Spielzeit 2018/19 ging es bergab, die Trainingsbeteiligung sank rapide, das Team präsentierte sich nicht mehr als Spitzenmannschaft, sondern eher als grauer Durchschnitt mit konditionellen Defiziten.

Am Ende stand nur Platz neun zu Buche – und etliche Stammkräfte hegten Abwanderungsgedanken. Es gab Querelen, und als im Juni 2019 sieben Stammkräfte ihren Abschied aus Naundorf verkündeten, war Rigo Kupfer stinksauer und giftete in der OAZ: „So schlecht war die Saison nun auch wieder nicht, dass mir die halbe Mannschaft davonlaufen muss.“

Kein Abenteuer mit Rückschlag-Gefahr

Der Coach suchte die Gründe auch bei sich selbst.„Ich habe die Jungs gefragt, ob es an mir liegt und meinen Rücktritt angeboten. Die Antwort lautete: nein. Einige wollten einfach nur weg, und Reisende soll man nicht aufhalten.“

Trainer und Verein traten jedenfalls vor einem Jahr auf die Notbremse, zogen sich trotz des Mittelfeldplatzes aus der Kreisliga zurück und gingen freiwillig in die Kreisklasse. Sie wollten nach dem Personalumbruch einen Neuanfang „mit Jungs, die wirklich Lust auf Fußball in Naundorf haben“, wie es Kupfer formulierte.

Diesen Neubeginn betrachtet der Coach mit dem zweiten Rang in der Kreisklasse Ost als gelungen. Sieben Siege, ein Remis und zwei Niederlagen standen zu Buche. „Ich war erstaunt, wie gut es lief und dass wir ganz oben mitgehalten haben. Wir konnten als einzige Mannschaft sogar gegen den spätereren Aufsteiger Hartenfels II gewinnen, mit einem 2:1 in Torgau.“

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Doch von einem breiten, ausgeglichenen Kader kann Rigo Kupfer weiterhin nur träumen. „Es ist schwierig und wird schwierig bleiben. Wir müssen da erst mal Stabilität und Sicherheit reinbringen, die junge Mannschaft festigen.“

Und so ist der Verzicht auf den Aufstieg am grünen Tisch nur konsequent. Kupfer will kein reines Abenteuer mit enormer Rückschlag-Gefahr, er will mit seinen Jungs nicht ins Messer laufen und Kanonenfutter sein. „Wenn, dann möchten wir auf sportlichem Weg wieder aufsteigen, als Tabellenerster und mit einer Mannschaft, die dazu wirklich bereit ist. Vielleicht gelingt uns das ja schon in der nächsten Saison.“

Kein Mangel an sportlichem Ehrgeiz

Direkt hinter den Naundorfern war der FC Terpitz (Quotient 2,09) als Dritter der Kreisklasse Ost eingekommen. Mit sieben Siegen, zwei Remis und zwei Niederlagen zeigte das Team oft seine Klasse. Doch in die Kreisliga nachrücken wollen die Terpitzer ebenfalls nicht.

„Wir haben da seit Jahren keine Ambitionen und das wird sich auch nicht ändern“, sagt Trainer Falk Täschner: „Unsere Personaldecke ist dafür zu dünn, das Abenteuer wäre uns zu groß.“ Auch finanziell, wie der Coach ergänzt: „Die Wege sind uns einfach zu weit, das ist ein erheblicher Kostenfaktor.“

Das alles heißt nicht, dass die Terpitzer keinen sportlichen Ehrgeiz entwickeln. „Wir waren auf einem sehr guten Weg und wollten versuchen, die Hartenfels-Reserve und Naundorf in der Rückrunde noch abzufangen“, erklärt Täschner, „aber die Corona-Krise kam dazwischen.“ Doch auch als Tabellenerster hätte der Verein auf den Aufstieg verzichtet. „Dafür brauchen wir den unbedingten Willen der Spieler, eine Klasse höher anzutreten, und der ist nicht da.“

Der schmale Kader habe in der vergangenen Saison oft zu Besetzungsproblemen geführt, zu einem Auswärtsspiel konnten die Terpitzer nur mit zehn Mann fahren. „Mir stehen insgesamt lediglich 13 bis 15 Akteure zu Verfügung, für die Kreisliga ist das zu wenig“, weiß Täschner.