09. Januar 2022 / 14:16 Uhr

Auf- und Abstiegskampf: Die neun Mannschaften der Kreisliga 3 im Check

Auf- und Abstiegskampf: Die neun Mannschaften der Kreisliga 3 im Check

Nicola Wehrbein und Tobias Kurz
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die SPORTBUZZER schaut, was sich bei den Mannschaften der Kreisliga 3 in der Winterpause tut.
Die SPORTBUZZER schaut, was sich bei den Mannschaften der Kreisliga 3 in der Winterpause tut. © Stefan Zwing/André Tautenhahn/Christian Hanke
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In der Kreisliga 3 läuft alles auf einen Zweikampf zwischen den Spitzenteams TSV Goltern und TSV Kirchdorf hinaus. Wer ist dem Duo am dichtesten auf den Fersen, wer muss um den Klassenerhalt zittern? Und was gibt's Neues? Der SPORTBUZZER schaut auf die Staffel.

„Ich habe die Sorge, dass wir gar nicht mehr spielen“, sagt Gustav Kuhn, Trainer des TSV Goltern, mit Blick auf die sich zuspitzende Corona-Lage und befürchtet auch terminliche Schwierigkeiten. „Wenn man da nur zwei Wochen in Verzug kommt, muss man dreimal in der Woche spielen.“

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Die aktuelle Situation der Pandemie im Hinterkopf, hat Kuhn seine Vorbereitung trotzdem bereits durchgeplant. Anfang Februar legen die Golterner mit einem Tagestrip in den Harz wieder los, auch die Testspiele stehen fest. „Wir haben mit unserem Kunstrasen natürlich einen Riesenvorteil. Das ist schon toll und tut mir auch leid für die Vereine, die diese Möglichkeit nicht haben.“

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Mit Ben Rosenbaum und Lucas Rackwitz (beide SV Northen-Lenthe) hat der Spitzenreiter seinen Kader nochmals verstärkt. Rosenbaum sammelte unter Bruder Christof in Kirchdorf bereits Erfahrung im Kreisliga-Aufstiegskampf. Rackwitz kickte in Schleswig-Holstein schon in der Verbandsliga und machte in Northen-Lenthe mit sieben Toren auf sich aufmerksam. „Jung, motiviert, super ehrgeizig: Das könnte mal wieder so ein Zufallstreffer sein“, sagt Kuhn.


Beim TSV Kirchdorf ist die Motivation auf den Vorbereitungsstart riesig. „Die Mannschaft hat richtig Bock. Wir haben einige Jungs, die jetzt schon losgelegt haben“, sagt Trainer Christof Rosenbaum, der Tabellenführer Goltern auf den Fersen bleiben möchte. „Das wird definitiv eine ganz spannende Nummer“, verspricht der Kichdorfer Coach.

Senft kommt aus Hohenbostel

In der Rückrunde bekommt der TSV noch einmal Qualität dazu – gerade in der Offensive. Torben Wagner (nach Kreuzbandriss) und Luca Ritzka (nach Innenbandverletzung am Knie) stehen vor dem Comeback. Neu dazu kommt Oliver Senft vom VSV Hohenbostel, der sofort auf der linken Außenbahn eingeplant ist. „Als ich gesehen habe, wie der mit seinen 1,90 Metern seinen Körper bewegen kann und mit dem Ball umgeht, war ich sofort Feuer und Flamme“, schwärmt Rosenbaum von seinem Neuzugang.

Seinem Team traut der Kirchdorfer Coach die Qualifikation zur Aufstiegsrunde zu. „Wir sind variabler geworden, können uns mittlerweile auch besser auf den Gegner einstellen“, sagt er. Das klappte in der ersten Saisonhälfte auch schon gut – nur gegen Leveste gleich zweimal nicht.

Bilder vom Spiel der Kreisliga 3 zwischen dem TSV Kirchdorf und TV Jahn Leveste

Kirchdorfs Fabian Krüger (links) versucht, an Levestes Dennis Asensio-Hoyos vorbeizukommen. Zur Galerie
Kirchdorfs Fabian Krüger (links) versucht, an Levestes Dennis Asensio-Hoyos vorbeizukommen. ©

Man stelle sich vor, der SV Türkay Spor Garbsen hätte in der ersten Saisonhälfte alle Mann an Bord gehabt. Für viele überraschend hat das Team des Trainerduos Samer Atris und Erdinç Sengül das Feld der Favoriten mächtig aufgemischt. Dritter des Klassements, das kann sich sehen lassen. „Ja, wir hatten einen super Lauf. Aber auch die Seuche am Fuß“, sagt Atris angesichts der zahlreichen personellen Ausfälle in seiner Mannschaft.

Trotzdem sei sogar noch mehr drin gewesen. „Zwei der vier Niederlagen waren extrem unglücklich.“ Während Türkay Spor früher häufig zwischen Weltklasse und Kreisklasse pendelte, scheint diese Saison die nötige Konstanz da zu sein. Dass die Spieler um Veli Dasdemir, Gökan Sahin und Sedat Mezarci feine Fußballer sind, steht außer Frage. „Wenn wir erst mal in Bestbesetzung auflaufen, können wir mit unserem Tiki-Taka-Kurzpassspiel jeden Gegner schlagen“, ist Atris überzeugt.

Enttäuschung überwiegt in Dedensen

Mit Markus Vogel und Christian Kolter hat der SV Dedensen ein herausragendes Offensivduo in seinen Reihen. Auch auf den anderen Positionen ist das Team gut aufgestellt. Trainer Sascha Pohle macht keinen Hehl daraus, dass er sich mehr erwartet hätte als den derzeitigen vierten Tabellenplatz. Zumal der Abstand zum TSV Goltern schon acht Punkte beträgt, allerdings hat der Primus ein Spiel mehr in der Bilanz.

„Bei allem Positiven überwiegt die Enttäuschung über die deutlichen Pleiten gegen Kirchdorf (0:5) und Goltern (0:6)“, sagt Pohle, der am Ende der Saison den Verein nach fast acht Jahren verlassen wird. „Das Potenzial, ganz vorne mitzuspielen, haben wir allemal. Aber wir haben es nicht immer abgerufen. Und in den entscheidenden Duellen nicht alles gegeben“, sagt der SV-Coach: „Noch sind wir in Reichweite zur Spitze, wir müssen unsere Hausaufgaben machen und auf Patzer der Konkurrenz hoffen.“

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Der TV Jahn Leveste fliegt ein wenig unter dem Radar, wären bei sechs Punkten aus den zwei noch ausstehenden Nachholspielen aber wieder oben dran. „Wir wollen natürlich alles gewinnen, aber wissen auch, wie schwer es wird“, sagt TVJ-Trainer Holger Schwabe mit Blick auf die starke Konkurrenz. „Da müsste schon alles passen, damit wir noch mal Richtung Tabellenspitze rutschen können.“

Winterzugänge hat der Tabellenfünfte nicht. Mit Max Dettmer, Vincent Blume (beide SV Degersen) und Hussein Mobascher (Can Mozaik) sind aber drei Sommerzugänge zur Rückrunde spielberechtigt. Schwabe hofft insgesamt auf mehr personelle Möglichkeiten. „Wir hatten einige Verletzungen und berufliche Abwesenheiten“, sagt er. Unter den ersten drei Gegnern im neuen Jahr sind gleich der TSV Goltern und der SV Dedensen. Danach ist Leveste entweder endgültig raus aus dem Aufstiegsrennen – oder wieder mittendrin.

Lohnder kassieren zu viele Treffer

Mit großem Abstand auf die Spitzenteams führt der Lohnder SC 96 die untere Hälfte der Tabelle an. Die Mannschaft des (Spieler-)Trainerduos Paul Hepner und Niyazi Sarier hat neun Zähler auf dem Konto, allesamt geholt gegen die hinter ihr stehenden Teams. In den Duellen mit dem Quintett von oben setzte es jeweils deutliche Niederlagen. 46 Gegentore, das ist der schlechteste Wert der Liga.

Mit Sarier, Torhüter Christian Reich sowie etwa Sascha Pohl, Yasin Güzelcümbüs und Max Hepner verfügen die Lohnder über sehr versierte Akteure. In der Breite ist das Team jedoch nicht ausgeglichen stark besetzt, überdies kamen personelle Probleme hinzu. „Wir hatten nie die volle Mannschaft beisammen“, sagt Max Hepner. „Zur Winterpause möchten wir uns verstärken. Nach oben geht für uns zwar längst nichts mehr, aber wir wollen uns stabilisieren, eine gute Rückrunde spielen und in der nächsten Saison richtig angreifen.“

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Das sind die Helden der Woche der Region Hannover in der Saison 2021/22

Erst hat <b>Patrick Lehmann</b> in Bavenstedt gepatzt, dann aber mit zahlreichen Glanztaten den Gegner in den Wahnsinn getrieben. Für seine starke Leistung beim 2:1 des TSV Pattensen ist der junge Torhüter mit 67,9 Prozent der Stimmen zum ersten Held der Woche der neuen Saison gewählt worden. Zur Galerie
Erst hat Patrick Lehmann in Bavenstedt gepatzt, dann aber mit zahlreichen Glanztaten den Gegner in den Wahnsinn getrieben. Für seine starke Leistung beim 2:1 des TSV Pattensen ist der junge Torhüter mit 67,9 Prozent der Stimmen zum ersten Held der Woche der neuen Saison gewählt worden. ©

Ronny Janßen war im Juni mit dem Vorhaben angetreten, die SG Letter 05 zurück in den Bezirk zu führen. Dieses Ziel muss der Coach angesichts von sechs Niederlagen bei nur zwei Siegen definitiv vertagen. „Wir waren gefordert, um einen Kern von sieben verbliebenen Spielern herum eine Mannschaft auf die Beine zu stellen. Es hat sich gezeigt, dass die Qualität in unserem aktuellen Kader nicht ausreicht, um oben mitzuspielen. Zumal wir großes Verletzungspech hatten“, sagt Janßen.

Personelles Aufrüsten ist angesagt. Mit Stürmer Alex Hanff und Torhüter Justin Dammeyer (beide SV Dedensen) sind zwei Zugänge fix, weitere Neue sollen folgen. Hozan Partawie (Koldinger SV) und Adrian Deutschmann (TSV Godshorn) haben den Verein verlassen, ansonsten wird das Team wohl auch in der nächsten Saison zusammenbleiben. Janßen blickt bereits nach vorn: „Letter gehört in die Bezirksliga, daran arbeiten wir.“

Gümmer mangelt's an Durchschlagskraft

Die Seelzer Ortsteile Dedensen, Lohnde und Letter reihen sich wie an der Schnur am Kanal auf, Vierter im Bunde ist der Tabellenvorletzte TuS Gümmer. „Vorne machen wir die Buden nicht, und hinten fangen wir uns viel zu einfache Gegentore ein“, fasst Trainer Patrick Becker zusammen. 13 Treffer sprechen in der Tat nicht für offensive Durchschlagskraft.

Anders als bei den Nachbarklubs hatten die Gümmeraner nie allzu große Erwartungen, sondern waren von vornherein auf Abstiegskampf eingestellt. „Wir werden im Frühjahr einige Akteure aus der Jugend hochziehen. Jetzt aus blankem Aktionismus kurzfristig Spieler von außen zu holen, ist nicht unsere Philosophie. Uns geht es darum, ein Perspektivteam aufzubauen“, sagt Becker, der darauf spekuliert, „wenn alles gut läuft, noch an Lohnde oder Letter vorbeizuziehen“.

Bilder vom Spiel der Kreisliga 3 zwischen dem TuS Garbsen II und TuS Gümmer

Garbsens Mohamad Al Sabki holt sich den Ball gegen Gümmers André Kosowski (rechts). Zur Galerie
Garbsens Mohamad Al Sabki holt sich den Ball gegen Gümmers André Kosowski (rechts). ©

Abstiegskandidat Nummer eins ist das punktlose Schlusslicht TuS Garbsen II. Von Personalnöten reden viele, besonders hart getroffen hat es allerdings die Elf vom Kochs­landweg, die sich zudem mit Platzverweisen selbst schwächte. Weil die eigene Erstvertretung gleichsam nie mehr als zwei Mann auf der Bank hatte, fiel die Unterstützung für die Reserve aus. „Phasenweise konnte man erahnen, was in der Mannschaft an Potenzial vorhanden ist“, sagt Trainer Fabian Krug. „So lange der Klassenerhalt möglich ist, werden wir auch darum kämpfen.“

Lucas Stephan (TSV Berenbostel), Alejandro Laguna Martínez (TuS Seelze) und Dogan Cagri (vereinslos) verstärken ab sofort das Team. „Die Moral der Jungs ist trotz der vielen sieglosen Spiele super, die Trainingsbeteiligung stimmt. Und wenn wir in der Rückrunde alle Mann dabei haben, dazu unsere Neuzugänge, die wirklich Qualität mitbringen, dann schauen wir doch mal, was am Ende herauskommt“, so Krug.