28. Januar 2021 / 09:58 Uhr

"Karten werden neu gemischt": Von Favoritenschrecken und Kellerkindern der Staffel 3

"Karten werden neu gemischt": Von Favoritenschrecken und Kellerkindern der Staffel 3

Nicola Wehrbein und Tobias Kurz
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In der Kreisliga 3 ist noch für reichlich Spannung und Emotionen gesorgt - wenn es denn weitergeht.
In der Kreisliga 3 ist noch für reichlich Spannung und Emotionen gesorgt - wenn es denn weitergeht. © Mirko Haendel/Christian Hanke
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Wann es weitergeht, ist noch völlig ungewiss. Sicher ist aber, dass es in der Kreisliga 3 richtig spannend wird, wenn der Ball wieder rollt. Der SPORTBUZZER blickt auf die Topteams, Favoritenschrecks und Kellerkinder der Staffel - und was sich bei ihnen in der verlängerten Winterpause womöglich tut.

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Die Favoriten machen in der hochkarätig besetzten Kreisliga 3 das Rennen unter sich aus. Der Tenor unter den Trainern vor Saisonbeginn war einhellig: Alle hatten die Calenberger Teams TSV Kirchdorf, TSV Goltern und TV Jahn Leveste auf dem Schirm. Und so ist es auch gekommen – erwartungsgemäß mischt das Trio ganz vorn mit. Vierter im Bunde der Topmannschaften und aktuell sogar Ligaprimus ist der SV Dedensen.

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Wer darf am Ende jubeln? Nur der Erste des Klassements qualifiziert sich für die Aufstiegsrelegation. Im Tabellenkeller spricht vieles dafür, dass es für die beiden Teams, die derzeit auf den Abstiegsrängen neun und zehn stehen, schwer werden wird, das Ruder noch herumzureißen.

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Coach Sascha Pohle vom SV Dedensen hat allen Grund zur Zufriedenheit: „19 Punkte aus acht Spielen und Tabellenführer in dieser Hammerstaffel, da haben wir offenbar nicht viel falsch gemacht. Es liegt an uns, aus der Poleposition, die wir jetzt innehaben, nach der Winterpause das Beste zu machen.“ Seit Oktober ist Stürmer Markus Vogel wieder dabei und verstärkt die Offensive um Timo Frercks und Christian Kolter.

Ansonsten nehmen die Dedenser die Rückrunde in bewährter Formation in Angriff. „Entscheidend werden die Duelle gegen die direkte Konkurrenz sein“, sagt Pohle. „Schade, dass von vier klasse Teams letztlich drei auf der Strecke bleiben. Wir wollen unsere Chance beim Schopfe greifen und die Aufstiegsrunde erreichen. Sollte das nicht klappen, wäre es aber auch kein Beinbruch.“

Goltern legt personell noch einmal nach

Beim TSV Kirchdorf brennen sie jetzt schon vor Vorfreude, endlich wieder Fußball spielen zu können – ungeachtet der zehrenden Ungewissheit, wann wieder gespielt werden kann. „Die Kabine wird aus allen Nähten platzen, wenn es wieder los geht“, ist sich Trainer Christof Rosenbaum sicher. Das liegt zum einen an der langen Pause, zum anderen an der starken Hinrunde der Kirchdorfer. Nur eine Niederlage in acht Spielen kassierte der TSV und ist mittendrin im Aufstiegsrennen. „Wir hätten die bisherige Ausbeute vor der Saison blind unterschrieben“, sagt Rosenbaum.

Ähnlich favorisiert ist der TSV Goltern nach den Krachertransfers Dennis Mehrkens und Tim Scheffler in die Saison gegangen. Die Golterner können durch ein ausstehendes Nachholspiel sogar am Spitzenduo vorbeiziehen. Im Winter verstärkte sich der TSV außerdem erneut hochkarätig mit Offensivspieler Adil Toprakli (TuS Harenberg) und Torwart Fabio Hoffmann (1. FC Germania FC Egestorf/Langreder II). „Das ist schon top, was wir an Qualität haben. Und auch kameradschaftlich ist da echt was zusammengewachsen“, lobt Coach Gustav Kuhn. Seit Januar veranstaltet die Mannschaft wöchentlich per Videocall Quizmeetings, um zumindest „mal Sichtkontakt zu haben“.

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Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. Zur Galerie
Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Auch Holger Schwabe, Trainer des TV Jahn Leveste, hofft auf einen Restart im Februar oder März, betont aber: „Oberste Priorität ist unsere Gesundheit und der Kampf gegen die Pandemie.“ Das sportliche Abschneiden seiner Mannschaft steht für ihn daher weiterhin im Hintergrund. Der TV Jahn ist in Schlagdistanz zum Spitzentrio, zu dem überraschend lange auch der TSV Wennigsen zählte.

Scott wechselt aus Gehrden nach Wennigsen

„Dass wir nach drei Spielen Tabellenführer waren, haben wir schon gefeiert“, erzählt Trainer Jan Bornschein, der mit seiner Mannschaft Abstiegskampf gewohnt ist. Nach Niederlagen gegen die stärkeren Teams rutschten die Deisterstädter zwar wieder in der Tabelle ab, Bornschein ist dennoch zufrieden: „Das war so nicht zu erwarten.“ Verstärken wird die Wennigser in der Rückrunde der 33-jährige Mittelstürmer Marvin Scott vom SV Gehrden II. „Er ist ein Wühlertyp, der uns gefehlt hat“, sagt Bornschein.

Sechs Punkte Rückstand hat der fünftplatzierte SV Türkay Spor Garbsen auf Platz eins. Wenn die Elf des Trainerduos Samer Atris und Erdine Sengul zu Bestform aufläuft, ist ihr eine Menge zuzutrauen. Aber allzu häufig wechseln sich Licht und Schatten ab, es fehlt an Konstanz – und oft auch an der nötigen Disziplin im Defensivverhalten. Deshalb wird es eher nicht zum Überraschungscoup reichen.

Auch beim TuS Garbsen II sollte in puncto Klassenerhalt nichts anbrennen. Die Elf von Coach Fabian Krug rockt zwar nicht die Liga, hat aber immerhin drei Spiele gewonnen, darunter das packende Derby gegen den SV Türkay Spor – dank der zwei Tore von Stürmer Florian „Busfahrer“ Grimm.

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Die SG Letter 05 bewegt sich gefährlich nahe an den Abstiegsrängen. Dabei hatte sich Trainer Lars Wolf ursprünglich deutlich mehr ausgerechnet. Bislang reichte es nur zu zwei Remis und einem Dreier. Die Elf um Keeper Hozan Partawie, Kapitän Morten Krull und Stürmer Alexander Wellschmidt muss sich in der Rückserie auf alle Fälle steigern.

Sieglose Lohnder glauben an Rettung

Dass es für die nahezu komplett neu aufgestellte und stark verjüngte Mannschaft des TuS Gümmer diese Saison schwer werden würde, war klar. Acht Spiele, drei Punkte und 33 Gegentore lautet die ernüchternde Bilanz. Coach Patrick Becker hat noch viel Arbeit vor sich mit seinem Perspektivteam. Und es muss schnell gehen, ansonsten droht der Gang in die 1. Kreisklasse.

Die rote Laterne leuchtet während der Corona-Unterbrechung beim sieglosen Schlusslicht Lohnder SC 96. Spielertrainer Paul Hepner ist optimistisch: „Wir können uns noch retten. Wenn alle Mann an Bord sind, haben wir eine gute Truppe.“ Insbesondere auf die Schlüsselspieler Sascha Pohl und Max Hepner wird es ankommen. „Wenn es wieder losgeht, starten alle Teams vorbereitungstechnisch bei null, da werden die Karten neu gemischt. Und natürlich werden wir unser Bestes geben, um die Liga zu halten“, sagt Paul Hepner.