12. Oktober 2021 / 18:01 Uhr

Kreisliga-Derby zwischen Geithain und Frankenhain elektrisiert die Massen

Kreisliga-Derby zwischen Geithain und Frankenhain elektrisiert die Massen

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Dieser Mann weiß, wo das Tor steht: Frankenhains Kanone Weber netzt zum 1:0 ein. 
Dieser Mann weiß, wo das Tor steht: Frankenhains Kanone Weber netzt zum 1:0 ein.  © Wofgang Riedel
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Schlangen an Eingang und Bierstand: Die Brisanz der Ansetzung und das herrliche Kaiserwetter bescherten den Geithainern eine Zuschauerzahl, die sie eventuell in den anderen zwölf Heimbegegnungen der Saison insgesamt nicht zusammen bekommen werden.

Geithain. Wer unter den offiziell 229 Besuchern (in Wirklichkeit dürften es über 300 gewesen sein, die zahlreichen Gästefans machten Frankenhain für einige Stunden zum Geisterdorf) mit einem spielerischen Leckerbissen liebäugelte, hatte an dieser Erwartungshaltung mächtig zu kauen. Angesichts des Fehlpassfestivals blieb der Kloß beinahe im Hals stecken, beim Herunterschlucken war er schwer verdaulich.

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Werbung für den Amateursport

Die Magerkost bot nur wenige Höhepunkte in Form von echten Tormöglichkeiten, die Partie lebte einzig und allein von der Spannung. Der Satz „Not gegen Elend“ machte mit zunehmenden Verlauf des Matches die Runde und irgendwie war es tatsächlich ein typisches 0:0-Spiel. Dass es keines wurde, war der zweimal zündenden „Kanone“ in Person von Florian Weber zu verdanken. In unnachahmlicher Art und Weise legte sich der 35-jährige erfolgreich auf die Lauer und bestrafte unmittelbar vor dem Seitenwechsel einen Abwehrfehler der Alemannen eiskalt (44.) Kurz vor dem Schlusspfiff von Referee Max Brügmann (FC Bad Lausick) machte er dann mit einem wuchtigen Kopfball den Sack zu (90.). Frankenhains weiße Weste blieb sauber, der 4. Tabellenplatz bei zwei Spielen weniger lässt Luft nach oben. Die Alemannen rutschen auf Rang sieben ab und hatten an der Derby-Niederlage zu knabbern.

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Der Herrenverantwortliche Martin Polster erwies sich allerdings als fairer Verlierer: „Wir konnten leider nicht an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen, waren vielleicht zu sehr von der großen Kulisse – die aber eine Werbung für den Amateursport darstellte – beeindruckt. Dennoch macht es Mut, sich an einem eher schlechten Tag mit einer gestandenen Kreisoberliga-Mannschaft auf Augenhöhe befunden zu haben. Dass ein Florian Weber den Unterschied ausmacht, konnte niemanden überraschen. Trotz der jüngeren Historie stand der Fußball im Vordergrund, es ging respektvoll zu, das Schiedsrichtergespann trug dazu bei.“ FSV-Trainer Andy Heine (wie sein „Vorgesetzter“ einst selbst bei der SG aktiv) sah ebenfalls „ein Duell zwischen gleichwertigen Teams, welches auch Unentschieden hätte enden können. Dennoch ist der Frankenhainer Sieg keineswegs unverdient.“

„Komische Situation“

Olympias Vereinsvorsitzender Christian Lüpfert konnte ein weitaus zufriedeneres Fazit ziehen: „Wir waren sofort tonangebend, die Halbzeitführung ging in Ordnung, die Geithainer kamen über Konter-Ansätze nicht hinaus. Nach der Pause hatten sie jedoch zunächst eine bessere Phase, ohne ihre Chancen zu nutzen. Anschließend haben wir in die Spur zurückgefunden und den Deckel drauf gemacht. Es war ein tolles und faires Match, für uns definitiv ein extrem wichtiger Erfolg nach der ganzen Vorgeschichte.“

Womit er auf seinen Trainer Marco Seifert anspielt, welcher im Vorjahr bei Alemannia seinen Stuhl vor die Tür gestellt bekam und anschließend mit einem erheblichen Teil der Mannschaft nach Frankenhain wechselte. Der sich seit Anfang September im 50er-Club befindliche Olympia-Coach redete nicht um den heißen Brei herum: „Es war natürlich kein normales Spiel für mich und schon eine komische Situation, nach 28 Jahren mit einer anderen Mannschaft hierher zurück zu kehren. Da war schon Druck auf dem Kessel, wobei ich über diverse Scharmützel nur müde lächeln kann. Letztlich haben wir verdient gewonnen und gezeigt, wer Chef im Revier ist. Es macht unheimlichen Spaß in Frankenhain, wir haben eine gesunde Mischung aus Jung und Alt, die A-Junioren wachsen in ein funktionierendes Team hinein. Der Zusammenhalt zwischen uns und der neu gegründeten zweiten Mannschaft ist sehr gut, wir haben inzwischen 40 Spieler beieinander.“

Dass der Sieg bei seinem alten Verein neben einem inneren Vorbeimarsch auch ein hartes Stück Arbeit war, wollte der SG-Coach nicht verhehlen: „Das Spiel war taktisch geprägt, keiner wollte in Rückstand geraten. Die Geithainer haben schnelle Leute in ihren Reihen, die Tempo machen können, doch wir haben kaum etwas zugelassen. Der knappe Vorsprung war dennoch kein Ruhekissen, da kann schnell mal einer durchrutschen. Vorn hat uns ein wenig die Durchschlagskraft gefehlt, aber insgesamt haben wir den konstruktiveren Fußball geboten.“ Es war deutlich zu spüren: Ein mit genügend Lebenserfahrung ausgestatteter Marco Seifert wollte nach außen hin kein unnötiges Öl ins Feuer gießen, ließ sich im Kreise seiner Schützlinge stattdessen lieber ein Sieger-Bierchen durch die Kehle rinnen.