05. Dezember 2019 / 14:55 Uhr

Kreissportgericht verhängt harte Strafen für Angriffe auf Schiedsrichter

Kreissportgericht verhängt harte Strafen für Angriffe auf Schiedsrichter

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Schiedsrichter zeigt einem Fußballspieler die rote Karte (Foto vom 21.02.2015). Ein Schiedsrichter in Essen hat am Samstag ein Fußballspiel von Acht- bis Zehnjährigen abgebrochen, nachdem Eltern den Platz gestürmt hatten. Im Spielbericht zur Partie zwischen den E-Jugend-Mannschaften des FC Karnap und DJK Dellwig sei von «Tumulten auf dem Platz» die Rede, sagte am Montag Thorsten Flügel, Kreisvorsitzender des Fußballverbands Niederrhein. Offenbar sei einer «Treterei auf dem Spielfeld» eine Auseinandersetzung der Eltern gefolgt. Der Schiedsrichter brach daraufhin die Partie ab.
  Foto: Patrick Seeger/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Das Kreissportgericht griff nach Angriffen gegen Schiedsrichter in fünf Urteilen hart durch. © dpa
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NFV-Kreis Göttingen-Osterode veröffentlicht fünf Urteile: Spieler von Vatan Herzberg wird lebenslang aus dem Verband ausgeschlossen

In fünf Urteilen hat das Kreissportgericht des Fußballkreises Göttingen-Osterode ein Zeichen im Kampf gegen die zunehmende Gewalt gegen Schiedsrichter gesetzt. Vor allem das Urteil gegen einen Spieler des FC Vatan Herzberg sorgt für Aufsehen: Der Akteur, der im Oktober einen Schiedsrichter ins Gesicht geschlagen hatte, wurde für ein Jahr gesperrt – die Höchststrafe. Außerdem wird er nach Antrag durch das Gericht lebenslang aus dem Verband ausgeschlossen.

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Der Vorfall hatte sich im Punktspiel der 2. Kreisklasse Nord zwischen dem SV Bilshausen II und dem FC Vatan Herzberg ereignet. Weil der Verein glaubhaft versicherte, dass der Ausraster nicht vorhersehbar gewesen sei, und sich für die Tat des Spielers entschuldigte, fiel mit 100 Euro die Geldstrafe moderat aus.

Höchststrafe auch für einen Akteur der JSG Göttingen

Die Höchststrafe, eine einjährige Spielsperre, wurde auch gegen einen A-Junioren der JSG Göttingen (verantwortlicher Verein: SVG Göttingen) verhängt. Laut Augenzeugenberichten hatte der JSG-Akteur in einer Kreisligapartie zunächst einen Spieler des Gegners SG Werratal gegen die Brust getreten und im Anschluss den Unparteiischen per Stoß mit dem Knie in den Bauch niedergestreckt. Der JSG-Akteur kam dem Vernehmen nach nur durch seine Jugend um eine lebenslange Verbandssperre herum. Die JSG muss 50 Euro Strafe wegen verschuldeten Spielabbruchs bezahlen.

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In den anderen drei Fällen wurden ebenfalls harte Strafen ausgesprochen – mehrmonatige Sperren gegen Spieler des SC Rosdorf, der SG Niedernjesa und des NK Croatia. „Wir mussten ein Zeichen setzen“, sagte der Sportgerichtsvorsitzende Jürgen Treidler. „Wir haben gesehen, dass Appelle offenbar nicht ausreichen, und eine solche Respektlosigkeit gegenüber den Schiedsrichtern geht einfach nicht.“

Die Höchststrafe und eine lebenslange Verbandssperre wurde zuletzt vor zehn Jahren ausgesprochen, aktuell häufen sich die Fälle. „Auf einmal ballt es sich, und keiner weiß warum“, sagt Treidler. „Wir fragen uns auch: Was ist da los? Deshalb haben wir die Strafen drastisch erhöht.“ Seit er begonnen hat, seit 1990, sei erst zum zweiten Mal der Verbandsausschluss beantragt worden.

Beim Kreisligaspiel des SC Rosdorf gegen den TSV Groß Schneen wurde der Unparteiische durch einen Rosdorfer Spieler zunächst beleidigt, im Anschluss spritzte der Akteur dem Schiedsrichter Wasser ins Gesicht. Urteil: sechseinhalb Monate Sperre und eine Geldstrafe in Höhe von 100 Euro.

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Ein Spieler der SG Niedernjesa, der dem Schiedsrichter in einer Partie der 1. Kreisklasse Süd beim VfB Sattenhausen den Notizzettel aus der Tasche nahm und ihn dem Unparteiischen ins Gesicht warf, wurde mit einer fünfmonatigen Sperre belegt. Auch er muss 100 Euro Strafe zahlen. Ebenfalls in der 1. Kreisklasse Süd schlug ein Spieler des NK Croatia Göttingen in der Partie gegen den Bovender SV II dem Referee die rote Karte aus der Hand. Der Akteur erhielt eine sechsmonatige Spielsperre und eine Geldstrafe in Höhe von 100 Euro.

Während das Urteil gegen Vatan Herzberg rechtskräftig ist, kann gegen die restlichen Richtersprüche noch Einspruch eingelegt werden. Treidler wies darauf hin, dass die Höchststrafen in anderen Bundesländern wie Hessen bei bis zu drei Jahren Spielsperre liegen. Ob das etwas bringe, könne er nicht einschätzen. Eins sei aber klar: „Solche Leute haben auf dem Sportplatz nichts zu suchen.“