01. Oktober 2021 / 13:41 Uhr

Kritik vom SV Babelsberg 03: NOFV verbietet Toleranz-Zeichen auf Hosen

Kritik vom SV Babelsberg 03: NOFV verbietet Toleranz-Zeichen auf Hosen

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Der SV Babelsberg 03 möchte für einen Toleranz-Verein werben - der NOFV findet das politisch und legt daher sein Veto ein.
Der SV Babelsberg 03 möchte für einen Toleranz-Verein werben - der NOFV findet das politisch und legt daher sein Veto ein. © Jan Kuppert
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Regionalliga Nordost: Der Kiezklub ist jetzt Mitglied im Verein "Neues Potsdamer Toleranzedikt". Doch dessen Logo darf der SVB zu seinem Unmut nicht prominent präsentieren. Der Verband ist dagegen, dabei will er sich eigentlich selbst für das Thema stark machen. 

Wieder einmal herrscht eine angespannte Stimmung zwischen dem SV Babelsberg 03 und dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV). Beim Regionalliga-Heimspiel am Freitagabend gegen den Berliner AK (19 Uhr/Karl-Liebknecht-Stadion) wird der Kiezklub seine Mitgliedschaft im Verein "Neues Potsdamer Toleranzedikt" und die damit verbundene Kooperation vorstellen. Doch den geplanten Schritt des SVB, auch das Logo des Toleranzvereins auf den Spielerhosen zu tragen, hat der NOFV untersagt. Der Verband verweist auf seine Spielordnung, in Paragraf 25 Ziffer 8 heißt es: „Werbung für politische Gruppierungen und mit politischen Aussagen wird nicht genehmigt."

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"Irrsinnige Entscheidung"

Das stößt sowohl bei dem Fußball- als auch Toleranzverein für Unverständnis. „Für uns ist es nicht nachvollziehbar, dass die Darstellung des Logos eines Vereins, der sich für einen gesellschaftlich allgemein anerkannten Grundwert „Toleranz“ in unserer Gesellschaft einsetzt, (…) als politische Werbung eingestuft worden ist", schrieb der SVB in einem Brief an den NOFV und veröffentlichte diese Passage in einer Stellungnahme. „Sich zu grundgesetzlich verbrieften Werten zu bekennen, bedarf keiner Erlaubnis, sondern ist eine Selbstverständlichkeit“, heißt es in dem Fall vom Vorstand des "Neuen Potsdamer Toleranzedikts". Zum Vorstand gehört der frühere Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Christoph Miethke, Vorsitzender des Toleranzvereins und mit seinem Unternehmen Trikotsponsor des SV Babelsberg 03, erklärte: "Das Werben für Toleranz zu verbieten, beleidigt das Grundgesetz und die Werte unserer Gemeinschaft.“ Die beiden Vereine forderten den NOFV auf, "diese irrsinnige Entscheidung", wie Miethke sie nennt, unverzüglich zu korrigieren.

In Bildern: Von Hermann Andreev bis Predrag Uzelac: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003.

Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. Zur Galerie
Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. © Jan Kuppert

NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs verwies nach SPORTBUZZER-Anfrage darauf, dass das Thema am Freitag in einer Ausschusssitzung besprochen werde. Ausgeschlossen scheint ein Okay auch nicht zu sein. In der Saison 2019/20 war dem SVB schließlich erlaubt worden, auf dem Trikot das Logo der "Seebrücke" zu tragen. Die Organisation setzt sich für sichere Fluchtwege und gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung im Mittelmeer ein. Dieses gesellschaftliche Zeichen auf der Brust hatte der NOFV damals akzeptiert.

Ähnlicher Fall bei Tennis Borussia Berlin

Aktuell ist es bereits der zweite Fall dieser Saison, bei dem der NOFV mit einer Ablehnung im Zusammenhang mit Paragraf 25 Ziffer 8 heftig Kritik erntet. Babelsbergs Liga-Mitstreiter Tennis Borussia Berlin hatte sich, nachdem er keinen Trikotsponsor gefunden hatte, dazu entschieden, den Platz auf der Brust anders zu vergeben. Darauf sollte das Logo von "Cura - Opferfonds" zu sehen sein, eine Initiative, die Betroffene rechter Gewalt finanziell unterstützt. Auch das wertete der Verband als unerlaubte politische Werbung. Trotz großer Bemühungen von Tennis Borussia hat die Ablehnung des Verbands weiterhin Bestand.

Der SV Babelsberg 03 machte deutlich, dass er den NOFV auf dem falschen Weg sieht. Dessen Verbot sei nicht mit dem Ethik-Kodex des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) vereinbar, "demzufolge sich Fußballvereine über den Fußball hinaus für gesellschaftliches Engagement einsetzen sollen", teilte der SVB mit. "Aus unserer Sicht ist Toleranz eine unabdingbare Voraussetzung für das gesellschaftliche Miteinander.“

NOFV und SVB lagen schon im Clinch

Die Nulldreier waren bereits 2017 und 2018 hart mit dem NOFV aneinandergeraten. Nachdem es beim Derby gegen Energie Cottbus zu schweren rechtsradikalen Krawallen im Cottbuser Zuschauerblock gekommen war, ging der SVB auf Konfrontation mit dem Verband. Er kritisierte das aus seiner Sicht mangelnde Vorgehen des NOFV im Kampf gegen Rassismus und Intoleranz. Der Babelsberger Verein wehrte sich damals auch dagegen, dass in der Begründung für eine Strafe wegen Pyrotechnik-Vergehen auch der Ruf eines Fans ("Nazischweine raus") angeführt worden war. Daraus entstand die bundesweit beachtete Aktion "Nazis raus aus den Stadien". Weil sich der SVB weigerte, die Strafe zu zahlen, drohte der NOFV mit einem Ausschluss der Mannschaft. Erst nach einem Schlichtungsgespräch, zu dem der damalige Potsdamer Oberbürgermeister Jakobs geladen hatte, wurde der Konflikt beigelegt.


Daraus resultierte eine gemeinsame Presseerklärung beider Seiten. Darin hatte der NOFV erklärt, prüfen zu wollen, wie er Vereine bei ihrer Arbeit gegen Rassismus sowie - wortwörtlich - für Fairness, Respekt und eben Toleranz unterstützen kann. Nun schob der Verband stattdessen dem SV Babelsberg 03 einen Riegel vor, sich im Kampf um Toleranz zu positionieren.