06. März 2020 / 10:55 Uhr

Kritisch und unbequem: RB Leipzigs Fangruppierung "Red Aces" gibt Auflösung bekannt

Kritisch und unbequem: RB Leipzigs Fangruppierung "Red Aces" gibt Auflösung bekannt

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Das Red-Aces-Banner wird künftig nicht mehr im Stadion präsent sein.
Das Red-Aces-Banner wird künftig nicht mehr im Stadion präsent sein. © imago images / Picture Point LE
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Nach neun Jahren hat die streitbare Fangruppierung „Rec Aces“ ihre Auflösung verkündet. Die ultraaffinen Anhänger sorgten für gute Stimmung und tolle Choreografien im Fanblock von RB Leipzig, nahmen bei der Kritik am Verein und Mäzen Dietrich Mateschitz aber nie ein Blatt vor den Mund.

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Leipzig. Sie investierten viel Zeit und Geld, um Choreografien zu basteln, sorgten im Fanblock für Stimmung, übten oft Kritik an Vereinsführung und Vereinspolitik, kämpften für eine weltoffene Fußballkultur sowie mehr Fanmitbestimmung. Am Donnerstag haben die Red Aces, eine der prägenden Fangruppierungen von RB Leipzig, nach neun Jahren ihre Auflösung bekannt gegeben. „Gegen Widerstände gekämpft, sie ausgehalten, manchmal gewonnen, noch häufiger verloren“, hieß es in einer knappen Erklärung auf ihrer Internetseite.

Die Auflösung der ultraaffinen Gruppe kam auch für einige Kurvengänger unerwartet. Ein Kenner der Szene sagte auf Anfrage, er habe erst am Donnerstagabend davon erfahren. Ein anderer Insider zeigte sich von der Nachricht „überrascht und traurig“. Ein Sprecher von RB Leipzig teilte auf Anfrage mit, man werde sich aufgrund der unklaren Hintergründe der Auflösung zunächst nicht äußern.

Scharfe Kritik an Dietrich Mateschitz

Die Red Aces gerieten als Teil des Kurvenvereines „Rasenballisten“ in der Vergangenheit immer wieder mit der Vereinsführung aneinander. Die eher links gerichtete Gruppierung agierte im Selbstverständnis, sich einzumischen, unbequem zu sein, sie zeigte Banner mit politischen Losungen und schreckte auch vor deutlicher Kritik an den Club-Oberen sowie Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz nicht zurück. 2017 entrollten die Anhänger auf Schalke ein Plakat mit den Worten „Der Mäzen des autoritärsten Vereins, welch Witz, nennt sich selbst einen Pluralist“, um gegen ein flüchtlingskritisches Interview des Milliardärs zu protestieren. 2019 verurteilten sie die geplante und dann wieder abgeblasene Kooperation mit dem SC Paderborn. Ein großer Konfliktpunkt war auch das Zünden von Pyrotechnik, weswegen RB gegen einzelne Mitglieder der Red Aces Hausverbote aussprach.

Auf den Einsatz von Pyrotechnik in Paderborn reagierte RB Leipzig mit Hausverboten.
Auf den Einsatz von Pyrotechnik in Paderborn reagierte RB Leipzig mit Hausverboten. © imago images / Picture Point LE
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Die Fans entzogen sich zudem der sogenannten „Verbullung“ des Clubs. Das offizielle Vereinslogo und offizielle Fanartikel mit dem Konterfei des österreichischen Geldgebers lehnten sie ab. Begriffe wie Rote Bullen oder Red Bull Arena waren tabu. Man ging ins Zentralstadion. Ein Ansatz, der nicht ohne Widersprüche blieb.

Fans von zu viel Politik im Stadion genervt

Das meinungsstarke Auftreten der Red Aces, zu dem das Engagement für Geflüchtete und Protest gegen die islamfeindliche „Legida“-Bewegung gehörte, sorgte in der Fankurve manchmal für Spannungen. Zu viel Politik im Stadion, das ging manchen Normalo-Anhängern auf die Nerven. Besonders mit der Fangruppierung L.E. United, denen die RB-Ultras eine „rechte bis rechtsoffene“ Gesinnung vorwarfen kam es zu Spannungen, bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen.

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Daher befürchten manche RBL-Anhänger nach der Auflösung der Red Aces eine politische Verschiebung im Stadion. „Hoffen wir, dass die Lücke nicht von schwarzen Fischerhüten gefüllt wird“, kommentierte ein Fan mit Bezug auf das äußere Erscheinungsbild der „L.E. United“-Mitglieder auf Twitter. „Vielen Dank für den stets kreativen Protest in der Kurve und den Kampf gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie“, schrieb ein anderer Nutzer.

Doch ganz verschwunden sind die streitbaren Red Aces ja nicht. „Auf jeden Fall werden sicherlich die meisten weiter ins Stadion gehen“, vermutet ein Szenekenner, „und sich im Rasenballisten e.V. engagieren.“ Dort will man das inhaltliche Erbe der Aces bewahren und keine Lücke im Kampf gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere Ausgrenzungsformen entstehen lassen.