23. Juli 2021 / 08:39 Uhr

Krostitzer Torwart-Legende feiert Geburtstag im Krankenbett: Helmut Brade wird 74

Krostitzer Torwart-Legende feiert Geburtstag im Krankenbett: Helmut Brade wird 74

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
 26.06.2021 - Fussball - Saison 2021 2022 - Testspiel / Freundschaftsspiel: 1. FC Nürnberg FCN  Club  - FSV Zwickau - / - Feature Impression Symbolbild Symbolfoto - Spielball Ball derbystar - Tornetz Netz geflickt *** 26 06 2021 football season 2021 2022 test match friendly match 1 FC Nürnberg FCN club FSV Zwickau feature impression symbol picture symbol photo match ball derbystar goal net net mended
Hart im Nehmen: Helmut Brade kugelte sich während einer Partie viermal den Arm aus- und wieder ein. © imago images/Frank Müller
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Der frühere Oberliga-Torwart Helmut Brade aus Krostitz wird am Freitag 74. Feiern kann das Fußball-Urgestein seinen Ehrentag nach einer Herz-OP nicht. Der Eingriff ist aber gut verlaufen und der Patient wohlauf.

Krostitz. Das hatte sich Helmut Brade ganz anders vorgestellt: Das Krostitzer Fußball-Urgestein wird am Freitag 74, kann aber nicht feiern, denn er wurde am Montag am Herzen operiert. Die Sache ist gut gegangen, der einstige Klasse-Torwart ist auf dem Weg der Genesung.

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Erst Chemie, dann Halle

Diesmal konnte er sich nicht selbst behandeln, wie er das legendär einmal während eines Spiels der DDR-Oberliga mit dem Halleschen FC Chemie getan hatte. „In einer Partie gegen Vorwärts Frankfurt/Oder habe ich mir 1978 viermal den Arm aus- und wieder eingekugelt, natürlich unter Schmerzen. Der Schiedsrichter wartete jedes Mal, bis ich den Arm wieder drin hatte“, erinnert er sich. Die Verletzung hatte sich Brade beim Volleyball im Training zugezogen. Seine Schultergelenke waren da durch das Torwarttraining offenbar schon arg in Mitleidenschaft gezogen.

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Begonnen hatte seine Laufbahn aber bei Traktor Krostitz. Er war in einem Freundschaftsspiel 1966 Oberligist Chemie Leipzig aufgefallen. Fortan wurde er von den Leutzschern beobachtet und bedrängt. Im November 1966 ging Brade nach einigem Zieren schließlich zu den Leipzigern, wo er hinter Dieter Sommer zweiter Torwart war. „Ausgerechnet beim damals sehr starken DDR-Rekordmeister Vorwärts Berlin sollte ich das erste Mal in einem Oberliga-Spiel eingewechselt werden, weil sich Sommer verletzt hatte. Doch er konnte weiterspielen, und ich war vor lauter Aufregung erleichtert“, bekennt Brade.

Ohne ein Erstliga-Punktspiel für Chemie gemacht zu haben, wurde Brade im Mai 1967 zur Armee eingezogen und spielte dort für Vorwärts Meiningen in der zweitklassigen DDR-Liga. Nach dem „Ehrendienst“ ging er zum DDR-Ligisten Chemie Zeitz, wo er sogar kurzzeitig als Stürmer eingesetzt wurde und im Match bei Kali Werra Tiefenort prompt an beiden Treffern zum 2:2 beteiligt war. Nach einigen weiteren Partien als Mittelstürmer avancierte er aber zum Stammkeeper der Zeitzer. Mit seinen Teamkollegen Wolfgang Lischke und Lothar Paul wollte er dann eigentlich wieder zu Chemie Leipzig, doch der HFC hatte ein Auge auf ihn geworfen. Und da Zeitz im Bezirk Halle lag, hatten die Hallenser auch das „Zugriffsrecht“ auf das Keeper-Talent. Er sollte schließlich zehn Jahre bei den Rot-Weißen bleiben.

Schönere Erinnerungen

Zunächst war er Reservist hinter Ralf Heine, der aber später wegen der Westflucht seiner Schwester für die Oberliga gesperrt wurde. Heine ging deshalb 1971 zu den gerade abgestiegenen Chemikern nach Leipzig, Brade wurde Stammtorwart des HFC. Mit diesem erlebte er schöne Jahre, aber 1971 auch das Drama von Eindhoven, wo vor dem geplanten UEFA-Cup-Spiel beim PSV das Mannschaftshotel brannte und der junge HFC-Ersatzspieler Wolfgang Hoffmann sowie elf weitere Gäste sogar ums Leben kamen. Kapitän Klaus Urbanczyk und Mittelfeld-As Erhard Mosert wurden schwer verletzt. Brade wühlt dieses Erlebnis noch immer auf.

Schönere Erinnerungen hat der Torwart hingegen an viele andere Ereignisse seiner Laufbahn und nicht zuletzt an seine etwas kuriose Hochzeit. Wobei nicht sicher ist, ob das seiner Frau Brigitte auch so geht. Immerhin kann sie heute darüber lachen. Eigentlich hatte sich Brade für den Heiratstermin, der auf einen Spieltags-Sonnabend fiel, für die Feier frei geben lassen, doch Ersatztorwart Walter Jänicke hatte sich verletzt. Deshalb musste Brade gleich nach der Trauung doch mit zum Spiel bei Union Berlin. Braut wie Hochzeitsgäste verfolgten des Bräutigams Match mit dem HFC notgedrungen in der Konferenzschaltung von Radio DDR und nahmen die ungewöhnliche „Feier“ sportlich. Als Brade dann 0:2 geschlagen schließlich noch auf seiner eigenen Hochzeitsfete auftauchte, staunte er, wie fröhlich alle waren – und feierte noch mit.


Der Geburtstag wird sicher etwas leiser als die damalige Spätfeier, aber Frau Brigitte ist erleichtert, dass es ihrem Helmut wieder besser geht. An Gratulanten aus Krostitz und Umgebung wird es ganz sicher dennoch nicht fehlen, schließlich wirkte der Ex-Keeper beim FSV rund 15 Jahre auch als Übungsleiter. Zuvor hatte er seine Torwartkarriere ab 1979 beim TSV LW Rackwitz in der Bezirksklasse ausklingen lassen.