29. Dezember 2020 / 09:54 Uhr

KSB-Geschäftsführer Kaminski ist sich sicher: "Erste Vierteljahr 2021 können wir abschreiben"

KSB-Geschäftsführer Kaminski ist sich sicher: "Erste Vierteljahr 2021 können wir abschreiben"

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Mike Geppert
2020 hat uns, wie hier Trainer Mike Geppert von den Landesklasse-Fußballern des FSV Krostitz, ganz schön im Regen stehen lassen. Das kann im kommenden Jahr eigentlich nur besser werden. © Alexander Prautzsch
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Das Jahr 2020 war durch Corona kein leichtes. Sven Kaminski, Geschäftsführer des Kreissportbundes Nordsachsen, blickt im SPORTBUZZER-Interview auf schwere Zeiten zurück und voraus, denn die Verunsicherung bei den Vereinen hält an und ein Mitgliederschwund ist zu befürchten.

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Leipzig. Auch der Geschäftsführer des Kreissportbundes Nordsachsen (KSB) bleibt nicht von den Auswirkungen verschont. Direkt im Anschluss an unser Telefongespräch steht Homeschooling mit seiner achtjährigen Tochter auf dem Stundenplan. Vorher haben wir noch mit Sven Kaminski über das (hoffentlich) einmalige Jahr 2020 im SPORTBUZZER-Interview gesprochen. Neben viel Frust und noch mehr Fragen gab es auch die ein oder andere Erfolgsmeldung. Was die Aussichten für 2021 betrifft, macht sich der KSB-Chef freilich keine Illusionen.

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Herr Kaminski, wie würden Sie das vergangene Sportjahr beschreiben?

Es war ein kurioses Jahr. Was hat denn schon stattgefunden? Dazu kamen all die Verbote, Beschränkungen und Genehmigungen. Der alltägliche Trott war nicht da.



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Was hat das für den Kreissportbund konkret bedeutet?

Ein Großteil unserer Veranstaltungen ist ausgefallen. Die Kinder- und Jugendspiele konnten nur ganz vereinzelt stattfinden. In der Ausbildung sind teilweise wegen der Kontaktbeschränkungen Lehrgänge ausgefallen, die werden wir dann im nächsten Jahr nachholen.

Dafür wurde einiges an Online-Schulungen angeboten. Wie hat sich diese Alternative etabliert?

An unseren Online-Stützpunktberatungen haben etwa 70 Leute teilgenommen, sonst sind es insgesamt um die 100. Aber sicherlich hat diese besondere Zeit uns in diesem Bereich vorangebracht. Viele finden die Online-Angebote positiv, weil so die Anreise entfällt. Wobei ich der Meinung bin, dass man die sozialen Kontakte vor Ort braucht. Gerade in der Übungsleiter-Ausbildung ist der direkte Kontakt wichtig, um sich untereinander abzustimmen und auszutauschen.

Werden Sie das Angebot ausbauen?

Es ist auf jeden Fall ausbaufähig. Und vielleicht können wir in Zukunft eine Mischung aus Online-und Vor-Ort-Schulung anbieten.

Zu den sportlichen Aspekten: Verstehen Sie, dass auch Kinder in Sachsen schon seit so langer Zeit keinen Mannschaftssport in Vereinen betreiben dürfen?

Angesichts der Infektionszahlen ist das verständlich. Anderseits reichen zwei Stunden Schulsport pro Woche nicht aus, um dem Bewegungsdrang der Kinder gerecht zu werden. Und selbst das fällt ja jetzt erst einmal weg. Es ist auf jeden Fall schwierig. Aber so wichtig Bewegung und Sport auch sind, sollten wir nicht vergessen, dass das Virus eben keine normale Erkältung ist. Irgendwann sind die Kapazitäten der Krankenhäuser erreicht und diesen Fall will ich mir lieber nicht ausmalen.

Aber haben die momentan gültigen Verordnungen die mühsam erarbeiteten Hygienekonzepte der Vereine nicht ad absurdum geführt?

Natürlich ist vieles nicht verständlich, weil viele Vereine wirklich gute Hygienekonzepte haben und viel darin investiert haben. Da geht es ihnen wie der Kultur und der Gastronomie.

Welche Rückmeldungen erfahren Sie zum Thema Seniorensport?

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Ich habe mich neulich erst mit Gerhard Hamann vom Krostitzer SV unterhalten, der mir erzählt hat, dass gerade den Senioren die gesellschaftlichen Kontakte sehr fehlen und viele sehr traurig sind. Sie haben die Seniorensportgruppen nicht zuletzt zum sozialen Austausch genutzt.

Sie haben viel Kontakt zu den Vereinen. Ist dort bereits ein Mitgliederschwund spürbar?

Ich kenne einige Vereine, die Bedenken in dieser Hinsicht haben und ich vermute auch, dass einige Mitglieder kündigen werden. Die Ostdeutschen sind ja eher pragmatisch. Und so denke ich auch, dass wir bei unserer Bestandsaufnahme als KSB weniger Mitglieder haben werden.

Wie machen Sie den Vereinen Hoffnung?

Ich hoffe, dass es ab April wieder richtig losgeht. Aber das erste Vierteljahr 2021 können wir jetzt schon abschreiben, denke ich. Das ist den Vereinen schwer zu vermitteln. Niemand weiß, wie sich die Politik entscheidet, wie sich das Virus entscheidet und wie sich die Leute verhalten. Die Entwicklung ist von so vielen Faktoren abhängig.

Welche Frage mussten Sie im Jahr 2020 am häufigsten beantworten?

Wahrscheinlich: „Wie lange soll das noch so gehen?“. Ansonsten ging es natürlich häufig um die unterschiedlichen Lesarten der Allgemeinverfügungen, da waren die Vereine oft verunsichert. Wir haben immer wieder versucht zu informieren, damit alle auf dem aktuellen Stand sind. Aber das war alles andere als einfach.

Ihr Wunsch für 2021?

Zweimal in die Hände klatschen und dann geht alles normal weiter. Aber das wird ein Wunsch bleiben. Schön wäre, wenn Stück für Stück die Normalität zurückkehrt. Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!