30. November 2020 / 21:35 Uhr

KSB-Vorsitzender Markus Fetter: "Die Mitglieder werden nicht ewig warten"

KSB-Vorsitzender Markus Fetter: "Die Mitglieder werden nicht ewig warten"

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Beim 45. Hubertuslauf war Markus Fetter bereits als KSB-Präsident vor Ort.
Beim 45. Hubertuslauf war Markus Fetter bereits als KSB-Präsident vor Ort. © Marius Böttcher
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Der 52-Jährige ist seit 100 Tagen an der Spitze der Dachorganisation der Ruppiner Sports. Im Interview spricht er über den Start inmitten der Corona-Pandemie, den großen Zusammenhalt im ländlichen Raum und seine Ziele.

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Auf dem neunten Kreissporttag am 22. August 2020 – der eigentliche Termin am 14. März fiel der Corona-Pandemie zum Opfer – präsentierte der Kreissportbund Ostprignitz-Ruppin einen personellen Umbruch. Fünf Mitglieder aus dem Vorstand, darunter Daniel Tripke, der sechs Jahre auf der KSB-Kommandobrücke stand, verzichteten auf eine Wiederwahl. Neuer Präsident der Dachorganisation des Ruppiner Sports ist der 52-jährige Markus Fetter, der nach Hans-Ulrich Schommler, Titus Rex Giese und Tripke der vierte Mann an der Spitze in diesem Ehrenamt ist. Genau 100 Tage ist der gebürtige Neuruppiner, der fast anderthalb Jahrzehnte beim SV Union den Hut auf hatte, am 30. November im Amt. Über den Start inmitten der Pandemie, den großen Zusammenhalt im ländlichen Raum und seine Ziele spricht der zweifache Familienvater, der seit 16 Jahren selbstständig ist, im SPORTBUZZER-Interview.

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Herr Fetter, seit 100 Tagen sind Sie KSB-Vorsitzender. Glückte der Start?

Markus Fetter: Puh, das ist eine schwierige Frage. Auch bei uns ist die Corona-Pandemie Thema Nummer eins, auch wir haben wie die vielen Vereine oder Geschäfte damit zu kämpfen. Es stimmt mich aber froh, dass über das Ministerium weiterhin Gelder fließen. Dass die Finanzen stimmen, ist das A und O eines KSB, weshalb ich mit unserem Finanzer Matthias Bartsch und Geschäftsführer Thomas Krieglstein mit Blick auf das Jahr 2021 in regem Kontakt stehe.

In Bildern: 142 Sportler starten beim 45. Hubertuslauf in Neuruppin.

Auf die Plätze, fertig, los - und die Masken ab! Die 45. Auflage des Traditionsevents wird in den Köpfen der Sportler bleiben. In der Corona-Pandemie hielt man die strikten Regeln gut ein und trug so zu einer tollen Veranstaltung des Kreissportbundes bei. Zur Galerie
Auf die Plätze, fertig, los - und die Masken ab! Die 45. Auflage des Traditionsevents wird in den Köpfen der Sportler bleiben. In der Corona-Pandemie hielt man die strikten Regeln gut ein und trug so zu einer tollen Veranstaltung des Kreissportbundes bei. © Marius Böttcher

Im Mai 2019 wurde Ihnen selbst noch die Ehrenplakette, die höchste KSB-Auszeichnung, zuteil. Im September standen Sie bei der Ehrenamtsveranstaltung in Rheinsberg erstmals auf der anderen Seite.

Das stimmt, mein Blickwinkel hat sich verändert. Genau an diesen Ehrungsveranstaltungen möchte ich auch meine Arbeit ansetzen, möchte an die Vereine und deren Mitglieder herantreten und sie dazu bringen, alles auszuschöpfen, was nur geht. Ich war fast 15 Jahre Vorsitzender von Union Neuruppin und wusste am Anfang nicht, was der KSB eigentlich alles für die Vereine tun kann. Jetzt kenne ich das Geschäft, weiß es mittlerweile zu würdigen, wenn Hilfe angeboten wird und will meine Erfahrungen auch für die kleinsten Vereine auf dem Dorf einbringen. Eben dieses Recht, jemanden aus den eigenen Reihen für eine Medaille oder eine Plakette vorzuschlagen, nutzen oft die gleichen Vereine. Sowas geht leider vielerorts unter.

Mitten in der Corona-Pandemie sind Sie in dieses Ehrenamt gestartet. Gibt es überhaupt einen schlechteren Zeitpunkt?

Ach, das kann man nicht ändern und ich gehe mit dem gleichen Eifer an die Aufgaben. Natürlich hätte ich mich gefreut, die Arbeit direkt vor Ort mit den Vereinen anzugehen. Diese Zeit wird aber kommen, ich wünsche mir einen engen Kontakt und möchte den Austausch und das Miteinander noch mehr anschieben. Niemand sollte scheu sein, auch nicht die Schützengilde oder der kleine Kegelclub, wenn man doch mal 500 Euro Unterstützung benötigt. Dort werden dann anfallende Sachen in Eigenregie gemacht, dafür sind wir aber da.

Sie haben Daniel Tripke beerbt, der sechs Jahre den Vorsitz inne hatte. Haben Sie sich Tipps oder Ratschläge eingeholt?

Daniel und ich kennen uns schon länger, sogar noch aus früheren Zeiten vom Fußball. Das eine oder andere Gespräch fand statt, engeren Kontakt habe ich gegenwärtig aber zum Kassenwart. Als Unternehmer will ich ja ständig wissen, wie es um die Firma steht.

Ist ihre Rolle beim KSB mit der eines Vereinspräsidenten vergleichbar?

Nein, nicht annähernd. Ich kann nach den ersten Monaten den Umfang ungefähr abschätzen und muss zugeben, dass die Zeit, die ich als KSB-Präsident investiere, vielleicht bei zehn Prozent im Vergleich zu meiner vorigen Position liegt. Jetzt werden ja viele Dinge schon durch die fleißige Geschäftsstelle abgefangen. Statt Sponsoren zu akquirieren, repräsentiere ich nun eher. Umso mehr ziehe ich meinen Hut vor jeglichen Vereinschefs und den etlichen Übungsleitern.

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Worauf richtet sich denn ihr Fokus in der nahen Zeit?

In der aktuellen Lage ist es mir persönlich ein großes Anliegen, Hygienekonzepte für oder mit Vereinen zu erarbeiten, die unter dem Hallendach aktiv sind. Wenn der derzeit pausierende Amateursport wieder starten darf, sollte nicht noch mehr Zeit verloren gehen. Die Mitglieder werden nicht ewig warten.

Stichwort Corona: Haben Sie schon Hilfspakete oder ähnliches an Vereine vermittelt?


Ich habe noch nicht gehört, dass Vereine sowas überhaupt angemeldet oder gefordert haben. Durch die Corona-Pandemie fehlen mir auch noch Kontakte zum Landessportbund oder dem Ministerium, die werde ich hoffentlich alsbald knüpfen, um auch für unseren Landkreis etwas abgreifen zu können.

Mussten denn Förderprojekte wegen Corona zurückstecken?

Nein, da muss man dem Ministerium und dem Landessportbund auch ein riesiges Lob aussprechen. Jegliche Förderungen liefen bislang weiter – sei es für Schul- oder Integrationsprojekte oder eigene Maßnahmen vom KSB.

Glauben Sie an eine Veränderung in der Vereinslandschaft, wenn der Sport noch lange aussetzen muss?

Wenn er wirklich noch lange aussetzen muss, kann das durchaus passieren. Ich glaube und hoffe aber, dass die Zwangspause nicht mehr allzu lange ist. Hier im ländlichen Bereich hält man noch mehr zusammen, anders als im direkten Speckgürtel, wo das Sporttreiben für manche eine Dienstleistung ist. Es wird mit Sicherheit Einbußen geben, doch auch die Sponsoren sind interessiert daran, diese Zeiten gemeinsam zu überstehen.

Einen gravierenden Mitgliederschwund vermeldeten die Vereine bisher nicht. Glauben Sie, dass dieser noch kommen wird?

Ich denke nicht, dass man in unserer Region Massenaustritte zu befürchten hat.

Ihr Verein, der SV Union Neuruppin, in dem Sie sich auch weiterhin engagieren, erlässt seinen Mitgliedern im ersten Quartal des neuen Jahres die Beiträge. Sollten sich andere Clubs daran an ein Beispiel nehmen?

Das will ich so nicht sagen, das muss jeder Verein für sich selbst entscheiden. Mir sind unsere Strukturen und unsere Unterhaltungskosten in Gildenhall bekannt, wie es an anderen Standorten aussieht, kann ich nicht beurteilen. Auch bei Union gibt es laufende Kosten, einige Rechnungen, beispielsweise Hallenmiete oder Busfahrten, fallen aber weg, weshalb wir uns dafür entschieden haben, den Unionern entgegenzukommen. Wir sind schließlich ein gemeinnütziger Verein und dürfen kein Plus machen.

Welche zeitnahen Termine sind in ihrem KSB-Kalender vermerkt?

Wir hoffen, noch eine Vorstandssitzung als Freiluftversammlung im Dezember durchzuführen. Draußen ist es zwar kalt, ein Glühwein und die Feuertonne sollten es aber erträglich machen – natürlich unter Corona-Regeln. Ansonsten bin ich mir sicher, dass 2021 ein besseres Sportjahr wird. Es geht ab jetzt nur noch aufwärts.