11. August 2022 / 18:18 Uhr

Kühne macht HSV Angebot: Mehr Einfluss und "Uwe-Seeler-Stadion" für massive Finanzspritze

Kühne macht HSV Angebot: Mehr Einfluss und "Uwe-Seeler-Stadion" für massive Finanzspritze

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Klaus-Michael Kühne will weiteres Geld in den HSV investieren – stellt allerdings mehrere Bedingungen.
Klaus-Michael Kühne will weiteres Geld in den HSV investieren – stellt allerdings mehrere Bedingungen. © IMAGO/Lars Berg (Montage)
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Klaus-Michael Kühne kann sich vorstellen, noch einmal kräftig in die Tasche zu greifen – will dafür aber deutlich mehr Einfluss beim Hamburger SV. Seine Investition könnte den HSV sanieren und für eine Stadion-Umbenennung sorgen.

Klaus-Michael Kühne hat den Hamburger SV wieder einmal in Aufregung versetzt. Der in der Schweiz lebende Multi-Milliardär will noch einmal kräftig in den finanziell angeschlagenen Zweitligisten investieren und 120 Millionen Euro aufwenden. Im Gegenzug möchte sich der in Hamburg geborene 85-Jährige allerdings Einfluss in der für das Fußball-Geschäft zuständigen AG sichern.

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Die Offerte kommt in einer großen Zeit der Unruhe auf der Führungsebene. Am Freitag will Finanzvorstand Thomas Wüstefeld seinen Sanierungsplan dem Aufsichtsrat vorstellen. Doch laut Hamburger Abendblatt soll ein Abwahlantrag gegen ihn vorliegen. Wüstefeld ist umstritten. Sein Verhältnis zu Sportvorstand Jonas Boldt ist mit professionell äußerst beschönigend umschrieben. Das Kontrollgremium hat bislang vermieden, sich zu positionieren.

Die Mitteilung von Kühnes Holding AG vom Donnerstag ist mit "10-Punkteprogramm zur Sanierung des Hamburger Traditionsvereins" überschrieben. Doch schon der erste Punkt macht deutlich, in welche Richtung es nach Kühnes Vorstellungen gehen soll. Danach sollen der HSV e.V. und die Kühne Holding AG „einen ständigen Arbeitsausschuss“ bilden, "der sich mit der strukturellen, finanziellen und sportlichen Entwicklung der HSV Fußball AG befasst, gemeinsame Zielsetzungen erarbeitet und deren Umsetzung überwacht sowie über die personelle Gremienbesetzung berät". Sollte man sich in diesem Gremium nicht einig sein, so solle eine neutrale Persönlichkeit die Funktion eines Schlichters und letztlich Entscheiders ausüben. Die kurze Formel lautet: Ich gebe dem HSV Geld, und der HSV gibt mir Macht.

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Auf der Vorstandseben herrscht bereits Unruhe

Er finde es "gut für den HSV, wenn auch andere wie Herr Kühne sich bewegen", sagte Wüstefeld am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur und gab sich mit Blick auf die Offerte aus der Schweiz diplomatisch. "Das ist in jedem Fall gut für den Verein."

Ob Kühnes Angebot tatsächlich so gut ist für den Verein, ist zumindest zu hinterfragen. Zentraler Punkt ist der massive Ausbau seines Anteils an der AG von derzeit 15,21 auf etwa 39,90 Prozent. Dafür verspricht er 60 Millionen bis 80 Millionen Euro. Zehn Prozent würden kleinere Gesellschafter halten, der Anteil des HSV e.V. würde von 75,1 auf 50,1 Prozent sinken. Die Änderungen der Anteile soll durch eine Kapitalerhöhung erfolgen. Der Grundlage dafür würde ein Wertgutachten sein, das vom HSV und der Kühne Holding AG gemeinsam in Auftrag gegeben würde.

Genau dieser Punkt "dürfte schwierig werden, was den e.V. angeht“, sagte Wüstefeld der dpa. Denn laut Satzung dürfen nicht mehr als 24,9 Prozent an andere Anteilseigner als den Verein veräußert werden. Daher fordert Kühne auch unter Punkt 4 „eine außerordentliche Mitgliederversammlung“ des Vereins, um ein "zustimmendes Votum zu erlangen“. Dabei wäre aber wohl mit Widerstand zu rechnen.

Kühne will mehr Kontrolle über den Aufsichtsrat

Derzeit haben neben dem Verein und Kühne noch Wüstefeld und kleinere Gesellschafter (4,6 Prozent) Anteile. Wüstefeld hatte im vergangenen Jahr Anteile von Kühne erworben und besitzt 5,11 Prozent an der AG. Zuletzt hatte Wüstefeld den in der Schweiz lebenden Kühne und den vorherigen Finanzvorstand Frank Wettstein heftig kritisiert, weil er sich über die dramatische finanzielle Situation des Clubs nicht vollständig informiert gefühlt hatte.

Primäres Ziel von Kühnes Plans ist laut Mitteilung, die Eigenkapitalstruktur der AG wesentlich zu stärken, "um finanzielle Grundlagen für die Stadionsanierung (ca. EUR 25 Mio.), den Schuldenabbau (um mindestens EUR 20 Mio.) und den sportlichen Erfolg (mindestens EUR 20 Mio.) zu schaffen“. Brisant sind auch die Strukturvorschläge: Ein Gutachten für 300.000 Euro (Kühne zahlt) soll Möglichkeiten "einer modernen, schlagkräftigen Struktur für eine Einrichtung im Bundesliga-Fußball aufzeigen sowie jegliche Maßnahmen zur stufenweise Erreichung einer solchen Struktur“, heißt es unter Punkt 8. Aus den Erkenntnissen soll unter anderem die künftige Vorstandsstruktur geschaffen werden.

Punkt 9 birgt noch mehr Sprengstoff: Demnach soll der Aufsichtsrat jeweils mit zwei Personen des Vereins und zwei von Kühnes Holding besetzt sein. Dazu kommt eine neutrale Person, die beide Parteien bestimmen. Derzeit hat Kühne nur eine Vertrauensperson in dem Gremium. Für Wüstefeld könnte bei der Konstellation kein Platz mehr da sein: Nach seiner Anteilsübernahme von Kühne war er erst in das Kontrollgremium gegangen, nach Wettsteins Demission als Finanzchef übernahm er dessen Aufgabe und schied vorerst aus dem Rat aus.


Kein Platz mehr für Wüstefeld?

Für Wüstefeld könnte bei der Konstellation kein Platz mehr da sein: Nach seiner Anteilsübernahme von Kühne war er erst in das Kontrollgremium gegangen, nach Wettsteins Demission als Finanzchef übernahm er dessen Aufgabe und schied vorerst aus dem Rat aus. Dass das Angebot kurz vor der Aufsichtsratssitzung erfolgt, bei der Wüstefeld seine Plan erläutern will, ist sicher kein Zufall. Es kann auch als Kühnes Replik verstanden werden. Denn zuletzt hatte Wüstefeld den in der Schweiz lebenden Kühne und den vorherigen Finanzvorstand Frank Wettstein heftig kritisiert, weil er sich über die dramatische finanzielle Situation des Clubs nicht vollständig informiert gefühlt hatte.

Laut Abendblatt will Wüstefeld die Kühne Holding sogar verklagen. Der Vorsitzende der Holding, Karl Gernandt, bestätigte der Zeitung die "juristische Auseinandersetzung".

Kühnes Papier hat immerhin etwas für die Vereinsseele: Kühnes Holding will die Namensrechte für das Volksparkstadion für zehn Jahre übernehmen und jährlich drei bis vier Millionen Euro zahlen. Aus dem Volksparkstadion würde dann das Uwe-Seeler-Stadion werden. Am Mittwoch hatte in der Arena die Trauerfeier für die Klublegende Seeler stattgefunden, der drei Wochen zuvor im Alter von 85 Jahren gestorben war. Schon kurz nach Seelers Tod hatte Klaus-Michael Kühne vorgeschlagen, das Stadion nach dem berühmtesten HSVer zu benennen.