06. Dezember 2019 / 16:34 Uhr

Kultiger Betreuer: Volker Rüdiger ist Zeugwart des Bovender SV

Kultiger Betreuer: Volker Rüdiger ist Zeugwart des Bovender SV

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Wenn Betreuer Volker Rüdiger sich um die Wäsche des Bovender SV kümmert, ist er in seinem Element.
Wenn Betreuer Volker Rüdiger sich um die Wäsche des Bovender SV kümmert, ist er in seinem Element. © R
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„Ich bin der Volker (Rüdiger)“, steht auf dem T-Shirt, das eigens für ihn angefertigt worden ist – vom Sportteam Freckmann, Sponsor des Bovender SV. Beim Fußball-Bezirksligisten ist Volker Rüdiger so etwas wie ein Kult-Betreuer.

Seit November 2017 ist Rüdiger, der beim Termin über das „Volker“-T-Shirt ein BSV-Trikot trägt, für die Wäsche zuständig – erst nur für die Bezirksligamannschaft, mittlerweile für alle Teams. Oder um es mit seinen Worten zu sagen: „Ich bin fast über zwei Jahre dabei.“

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Der 96-Fan ist ein Glücksfall für den Bovender SV, denn er hilft, wo er kann. Aufgewachsen in Weende, kam er über Umwege vor neun Jahren nach Bovenden, wo er seinen Nachbarn, den heute 72-jährigen Rudolf „Rudi“ Pigulla, kennenlernte. Bald wurde Pigulla sein Betreuer, und wenn der Rentner keine Kulturfahrten veranstaltet, stellt er den BSV-Mannschaften seinen Kleinbus zur Verfügung.

Weil Trikots, Hosen und Stutzen sauber werden müssen, nimmt sich Rüdiger der Sache mit dem nötigen Ernst an. „Man darf keinen Weichspüler nutzen, und wenn man die Trikots nach dem Spiel auf links zieht, dann hält der Pflock länger. So steht es auch in der Anleitung“, sagt der 47-Jährige.

Anruf beim Zeugwart von Hannover 96

Spieler, die ihre Trikots einfach so in die Wäsche geben, zahlen laut BSV-Strafenkatalog 50 Cent oder einen Euro, so genau weiß Rüdiger das nicht. Er hat aber auch kein Verständnis dafür. „Das ist eine zu harte Strafe, ich drehe sie doch auch selbst um.“ Wer jedoch den Ball über das Fangnetz schießt, „und der rollt die Straße runter bis zum Zahnarzt, und wer rennt los? Ich!“, der sollte seiner Meinung eine Strafe aufgebrummt bekommen. „Das kann’s doch nicht sein.“

Legendär ist Rüdigers Anruf beim Zeugwart von Hannover 96, der ihm Tipps für die optimale Reinigung der Wäsche geben sollte. „Öfter mal lüften und die Fenster geöffnet lassen, zumindest auf Kipp“, lautete die Antwort des Experten – ein Thema, das den BSV-Zeugwart nach wie vor beschäftigt: „Im Kabuff von Petko und Peter zirkuliert die Luft schlecht, vorn im Raum der ersten Mannschaft gibt es wenigstens eine Heizung“, erläutert der 47-Jährige. Zur Erklärung: Der „Kabuff“ ist ein Raum, der auf Initiative von „Petko“ und Peter, zwei altgedienten BSVern, entstanden ist.

Aktuell hat Rüdiger nicht nur ein Problem mit den neuen Stutzen („Gehen zu schnell kaputt“), sondern auch ein Problem mit den Trikots („Zu hell, so was von eklig, ich wasch’ mich dämlich). Ein konkretes Problem mit zwei Dreckflecken nimmt er langsam persönlich: Er habe die beiden Trikots schon mit „Vanish Oxi“ eingesprüht, das Mittel einwirken lassen, doch nach dem Waschen habe man den Dreck immer noch gesehen. Nun will er es mit Kernseife probieren.


Vollbrecht sei „zu gutmütig und zu lieb“

Rüdiger ist hartnäckig. Wie BSV-Abteilungsleiter Daniel Vollbrecht berichtet, ließen die A-Junioren einmal bei einem Auswärtsspiel in Wolfenbüttel den Medizinkoffer stehen. Der Bovender Zeugwart studierte daraufhin die Internetseite des Gegners, rief noch abends dessen Vorsitzenden an und organisierte über drei Bekannte den etappenweisen Rücktransport. Wenn allerdings Rudis Bus verdreckt zurückgelassen wird, oder er und Vollbrecht, der ihn zum BSV geholt hat und auch Trainer der A-Jugend ist, nach einem Juniorenspiel alles selbst aus dem Bus tragen müssen, wird er stocksauer. „Daniel ist viel zu gutmütig und zu lieb“, schimpft er.

Weil er die Kühlschränke auffüllt, hat er mittlerweile auch einen Schlüssel zum Getränkelager. Neulich nachts, bei der Weihnachtsfeier, die er sausen ließ, sei er allerdings hart geblieben: Nach Mitternacht sei er angerufen worden, man benötige noch mehr Bier. Nix da – „mit 50 Litern sind die perfekt ausgekommen. Den Schlüssel gebe ich nicht aus der Hand“, sagt er.

Wegen eines Medikaments, dass er regelmäßig einnimmt, ist Rüdiger manchmal müde, aber mit seinem Job beim BSV ist er sehr zufrieden: „Es macht mir Spaß, ich habe schön meine Ordnung mit den Aufbewahrungsboxen mit Hosen und Stutzen“, sagt er. Die Trikots hängt er nach Nummern auf Bügel.

Soaps gehören zu seinen Leidenschaften

Neben 96 gehören vormittags auch die TV-Soaps „Sturm der Liebe“ und „Rote Rosen“ zu seinen Leidenschaften. Außerdem liebt Rüdiger Trikots: Tuspo Petershütte hat er schon, Eintracht Northeim erhält er demnächst. 96-Trikots ersteigert er mitunter auf Ebay, und im Urlaub in der Türkei mit Rudi hat er sich nachgemachte Jerseys von Schalke, Dortmund und Bayern gekauft.

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Das Herz von Volker Rüdiger allerdings schlägt seit fast über zwei Jahren für den Bovender SV, seine Familie. Wenn er sich etwas fürs neue Jahr wünschen könnte, wäre das folgendes: Statt des Kabuffs ein neuer Wäscheraum – und dass die Herrenmannschaft öfter trainiert: „Dreimal pro Woche, zweimal ist zu wenig.“