24. Juli 2019 / 09:10 Uhr

Kunstrasen-Streit: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum möglichen Granulat-Verbot

Kunstrasen-Streit: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum möglichen Granulat-Verbot

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Auf Kunstrasenplätzen wird in der Regel Granulat verfüllt, Alternativen wären Quarzsand und Kork.
Auf Kunstrasenplätzen wird in der Regel Granulat verfüllt, Alternativen wären Quarzsand und Kork. © Benjamin Feller
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Fußball: Viele Amateurfußballer sind in Sorge, dass durch das mögliche Granulat-Verbot für Kunstrasen der Spielbetrieb gefährdet ist. Der SPORTBUZZER hat die Antworten zu den wichtigsten Fragen.

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Die Nachricht schlug hohe Wellen: Das Kunststoffgranulat, das für Kunstrasenplätze verwendet wird, könnte verboten werden. Die wichtigsten Antworten zum Thema:

Warum gibt es die Diskussion?

Die Europäische Union plant ein Verbot von Mikroplastik, weshalb die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) derzeit Informationen sammelt und auch die Umweltbelastung durch das Granulat auf Kunstrasenplätzen prüft. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat außerdem eine Studie beim Forschungsinstitut Fraunhofer für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Auftrag gegeben, in der von bis zu 11 000 Tonnen Mikroplastik die Rede ist, die jährlich in Deutschland in Form von Kunstrasengranulat in die Umwelt gelangen. Damit wäre es die drittgrößte Quelle von Mikroplastik in der Umwelt. „Ob die EU-Kommission ein Verbot von Plastik-Einstreumaterial für Kunstrasensportplätze vorschlagen wird, steht jedoch noch nicht fest“, teilte das Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport mit. Es geht dabei nicht um ein Verbot der Plätze selbst.

Wie groß ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden Kunststoffe bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Das Granulat im Kunstrasen ist in der Regel maximal fünf Millimeter groß oder kleiner.

Was sind die Folgen von Mikroplastik?

Darüber herrscht wissenschaftlich noch kein Konsens. „Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass sich im Wasser biologisch schwer abbaubare organische Schadstoffe wie Pestizide an Mikroplastik-Partikel binden, die von den Meeresorganismen aufgenommen werden und damit in die Nahrungskette gelangen“, heißt es beim NABU.

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Wie viele Sportplätze sind betroffen?

Der Hersteller Polytan geht davon aus, dass es 5000 Kunstrasenplätze in Deutschland gibt, von denen rund 3500 mit dem Granulat befüllt sind. Nach Angaben des DFB sind es 6000 Plätze. In Brandenburg werden 119 Plätze für den Spielbetrieb genutzt, dazu kommen rund 100 Minispielfelder.

Was sagt der DFB?

„Der DFB und seine Landesverbände fordern einen Bestandsschutz der in Betrieb befindlichen Kunstrasenplätze“, sagte Erwin Bugar, zuständiger DFB-Vizepräsident für Sportstätten und Umweltfragen. Der Verband will sich für eine sechsjährige Übergangsfrist einsetzen, um den Sportbetrieb nicht zu gefährden.

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Wie reagieren die Hersteller?

Gelinde gesagt verärgert. „Wir widersprechen ganz ausdrücklich den von Fraunhofer in Umlauf gebrachten Zahlen, die so auf Deutschland nicht zutreffen“, heißt es in einer Stellungnahme der RAL Gütegemeinschaft Kunststoffbeläge in Sportfreianlagen. So ergebe sich durch die Zahlen des Instituts eine Verlustmenge von rund vier Tonnen pro Platz und Jahr. Vielmehr seien Mengen von 200 bis 300 Kilogramm realistisch. Das Fraunhofer-Institut spricht inzwischen selbst von einem „Worst-Case-Szenario“, das beschrieben worden sei, wie ein Projektingenieur dem „Tagesspiegel“ sagte.

Wo bleibt das Granulat?

„Der Austrag gelangt bei weitem nicht zu 100 Prozent in die Umwelt“, sagt Tobias Müller vom Hersteller Polytan. Außerdem würden die Plätze so weiterentwickelt werden, dass sie weniger Granulat brauchen. „Der größte Austrag findet durch Pflegemaßnahmen statt“, erklärt er und nennt beispielsweise das Schneeräumen. Ein Austrag durch Wind sei fast unmöglich, sagt Müller.

Was sind die Alternativen?

Kunstrasenplätze können auch mit Quarzsand oder Kork verfüllt werden. Das funktioniert auch bei schon gebauten Plätzen, dafür würde das Granulat ausgesaugt werden, der Spielbetrieb wäre also erst einmal nicht gefährdet. Aktuell sei Kork nicht teurer als Gummigranulat, allerdings sei die Lebensdauer kürzer. „Kork wird relativ schnell porös und reibt sich ab“, so Müller. Deshalb müsste es häufiger erneuert werden als das Gummigranulat. „Wünschenswert ist ein Produkt, das zu 100 Prozent biologisch ist, aber das ist nicht so einfach“, erklärt Müller.

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