21. Juli 2019 / 12:16 Uhr

Kunstrasenplätze: Das bedeutet das Mikroplastik-Verbot für den Amateurfußball

Kunstrasenplätze: Das bedeutet das Mikroplastik-Verbot für den Amateurfußball

Robin Jantos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Granulat spritzt hoch, wenn ein Spieler über den Kunstrasenplatz rutscht. Die EU plant ein Verbot des umweltschädlichen Füllmaterials ab 2022.
Das Granulat spritzt hoch, wenn ein Spieler über den Kunstrasenplatz rutscht. Die EU plant ein Verbot des umweltschädlichen Füllmaterials ab 2022. © imago images / Michael Kristen
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Die EU will das Plastik-Granulat auf Kunstrasenplätzen ab 2022 verbieten. Kommunen und Fußballvereine müssen deshalb dringend umplanen.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

5000 Kunstrasenplätze gibt es in Deutschland, und viele weitere Vereine haben eine solche Anlage auf dem Wunschzettel. Anders als Naturrasen kann Kunstrasen auch bei schlechtem Wetter bespielt werden und braucht keine Erholungspausen. Gerade in Ballungsräumen, wo Rasenzeiten knapp sind, ist das für den Amateurfußball wichtig. Für umso mehr Verunsicherung hat die Debatte gesorgt, die seit einigen Monaten geführt wird: Die Europäische Union plant ein Verbot des Plastikgranulats, mit dem die Kunstrasenplätze regelmäßig wieder aufgefüllt werden.

Jeder, der schon mal auf Kunstrasen gespielt hat, kennt das: Nach der Partie klebt das Granulat an den Schuhen und am Körper. Auch bei starkem Regen und bei der Schneeräumung wird das Granulat abgetragen, kann in die Umwelt geraten – und beispielsweise Fische vergiften. Auf einem Fußballplatz liegen etwa 35 Tonnen Granulat. Nach Schätzungen des Fraunhofer-Instituts verursachen Kunstrasenplätze in Deutschland deshalb mehr Mikroplastik als Kosmetika und Textilwäsche zusammen.

Nicht alle Kunstrasenplätze sind von dem möglichen Verbot betroffen. Manche Vereine füllen die Plätze mit Sand auf, andere verwenden eine (allerdings teure) Korkmischung. Und es gibt auch Plätze, die ganz ohne festes Füllmaterial auskommen und beispielsweise mit Wasser gedämpft werden.

So werden in Bremen schon seit 2011 keine Kunstrasenplätze mehr neu gebaut, die mit Granulat gefüllt werden. Aber etliche sind noch in Betrieb; die Lebensdauer eines Platzes beträgt etwa zwölf Jahre. Die Umrüstung koste pro Spielfeld etwa 180.000 bis 200.000 Euro, sagt Bremens Sportbetriebsleiter Jochen Brünjes dem Weser-Kurier: „Bremer Vereine befürchten, dass das Geld für die Sanierung an anderer Stelle fehlen könnte.“ Andere Kommunen schätzen die Sanierungskosten sogar auf bis zu eine halbe Millionen Euro pro Platz.

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DFB und Seehofer wollen Übergangszeit

Der Deutsche Fußball-Bund, der Deutsche Olympische Sportbund und Bundesinnenminister Horst Seehofer wollen sich deshalb bei der EU für eine Übergangsfrist von sechs Jahren einsetzen. „Als Sportminister werbe ich für einen vernünftigen Ausgleich zwischen Umweltschutz und den berechtigten Interessen des Sports“, sagte Seehofer (CSU) der Welt am Sonntag. „Viele Tausend Sportanlagen in deutschen Kommunen wären sonst von der Schließung bedroht.“

Eine Übergangszeit ist wohl auch der Weg, der dem Amateurfußball am meisten helfen würde. Dass das Mikroplastik ein Umweltproblem ist und keine Dauerlösung sein kann, dürfte klar sein.

Wer jetzt einen Platz neu baut oder saniert und auf Kunststoffgranulat setzt, der ist selbst schuld. Das Verbot wird kommen. Gibt es aber eine Übergangszeit, könnten zumindest bestehende Anlagen weitergenutzt werden, bis sie sowieso saniert werden müssen.

Ohne Übergangszeit müssten zudem sehr viele Plätze in kurzer Zeit umgerüstet werden. Das würde die Preise bei den darauf spezialisierten Firmen in die Höhe treiben. Dass sich das alle Vereine und Kommunen leisten können, glaubt niemand. Platzsperrungen wären dann wohl unausweichlich. Und das wäre für den Amateurfußball eine Katastrophe.

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