04. November 2021 / 13:46 Uhr

Oberliga-Fußball auf der Buckelpiste: Preußen Reinfeld kämpft seit 20 Jahren für Kunstrasen

Oberliga-Fußball auf der Buckelpiste: Preußen Reinfeld kämpft seit 20 Jahren für Kunstrasen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eine einzige Schlammfläche: Abteilungsleiter Thorsten Rapp (l.) und Tim Heickmann vom SV Preußen Reinfeld wollen das nicht mehr hinnehmen.
Eine einzige Schlammfläche: Abteilungsleiter Thorsten Rapp (l.) und Tim Heickmann vom SV Preußen Reinfeld wollen das nicht mehr hinnehmen. © HFR
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Der Weg zu einem Kunstrasenplatz ist beim SV Preußen Reinfeld mit Pleiten, Pech und Pannen gepflastert. Aktuell wird weiter auf einem katastrophalen Platz gespielt. Letzte Hoffnung: die Fördertöpfe 2022.

Über das Tempo beim Bau des Berliner Flughafens können sie im schleswig-holsteinischen Reinfeld nur staunen: Nach mehr als 20 Jahren hätte vergangenes Jahr der Kunstrasenplatz fertiggestellt sein sollen. Doch aus 2020 wurde nichts. Und auch 2021 klappt es nicht mehr. Aufgeben kommt für die Fußballer des SV Preußen jedoch nicht infrage: „Irgendwann bekommen wir einen Kunstrasen. Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Spartenleiter Uwe Franzki.

„Ich glaube es erst richtig, wenn der Bautrupp anrückt“

Sein Vorgänger hatte nicht ganz unberechtigte Zweifel: „Ich glaube es erst richtig, wenn der erste Bautrupp anrückt“, kommentierte Thorsten Rapp im Februar 2019 gegenüber dem Sportbuzzer. „Ein Traum wäre natürlich, wenn unsere erste Mannschaft dann in der Oberliga spielen würde“, fügte der Abteilungsleiter zu.

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Traum Aufstieg, Alptraum "Buckelpiste"

Sportlich ist der Traum in Erfüllung gegangen, die Preußen kicken tatsächlich in der höchsten Spielklasse in Schleswig-Holstein. Was bleibt ist der Alptraum Sportplatz.Er ist eine einzige Buckelpiste. "Im Winter versinken die Spieler teils knietief im Schlamm. Im Sommer ist der Platz knochenhart, das Verletzungsrisiko sehr hoch. Zurzeit machen sich zudem hunderte Krähen über das Grün her, zerhacken den Platz auf der Suche nach Essbaren mit ihren Schnäbeln", klagt Franzki.

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Zahl der Fußballer gesunken

Von 500 Fußballern im Jahr 2019 sank die Zahl - auch wegen Corona - auf 450. „Einige gingen wegen der schlechten Bedingungen“, bedauert Franzki: „Immerhin sind wir jetzt wieder dabei, die Jugendabteilung zu stabilisieren.“ Ausgewichen werden kann auf den Kunstrasenplatz des benachbarten und befreundeten Kronsforder SV. Ein Dauerzustand ist es für die Preußen aber nicht.

Preußen gehen bei Förderung von Sportstätten leer aus

Ende Oktober folgte der nächste Tiefschlag: Die Stadt Reinfeld scheiterte beim Land, welches ein „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten“ ins Leben gerufen hatte. Damit hätte Reinfeld nur zehn Prozent der 1,1 Millionen Euro teuren Sanierungskosten tragen müssen. Der Bund übernimmt 75 Prozent der förderfähigen Ausgaben, 15 Prozent trägt das Land. Reinfeld hätten somit Fördermittel in Höhe von einer Millionen Euro in Aussicht gestanden. Doch von insgesamt 35 Anträgen wurden nur drei bewilligt – die Preußen gingen leer aus.

Sinkende Mitgliederzahlen drohen

Wenn sich die Situation in naher Zukunft nicht ändere, müsse der SV Preußen mit sinkenden Mitgliederzahlen rechnen. „Schon im Fußballbereich haben wir einige Abgänge, weil wir keine adäquaten Trainingsmöglichkeiten bieten können. Die Leichtathletik war früher eine recht große Abteilung. Sie läuft jetzt auf Schmalspur, weil die Laufbahn um den Platz rutschig und nass ist. Unsere Weitsprunganlage ist nicht mal breitensporttauglich“, klagt der Vereinsvorsitzende Adelbert Fritz.


Gibt trotz aller Rückschläge nicht auf: Adelbert Fritz, Vorsitzender des SV Preußen.
Gibt trotz aller Rückschläge nicht auf: Adelbert Fritz, Vorsitzender des SV Preußen. © Britta Matzen

Auch Reinfelds Anwohner sind genervt

Auch die Anwohner in der Reinfelder Jahnstraße sind Leidtragende. Sie müssen Grölen, Pfeifen und Rufe der Spieler auf dem B-Platz, der direkt an ihre Grundstücke grenzt, wohl oder übel weiterhin erdulden. „80 Prozent des Trainingsbetriebes, der abends bis 21 Uhr läuft, sollte vom B-Platz nach oben auf den neu errichteten Kunstrasen verlegt werden. Das können wir jetzt überhaupt nicht mehr umsetzen. Die Unfallgefahr würde nur noch größer werden“, sagt der Vorsitzende.

"Der Kunstrasen kommt"

„In Zeiten von Corona stehen andere Dinge höher in der Prioritätenliste als der Reinfelder Kunstrasen“, zeigt Abteilungsleiter Franzki Verständnis für die Ablehnung. Doch die Preußen kämpfen weiter: „Einmal wird ein Investitionsprogramm für das Jahr 2022 mit 4,7 Millionen Euro neu aufgelegt“, erläutert Bürgermeister Roald Wramp. Den Antrag dafür werde er umgehend einreichen. Außerdem plane der Landessportverband, Vereinsanlagen mit 11 Millionen Euro zu unterstützen.

„Der Kunstrasen kommt“, ist sich Abteilungsleiter Franzki sicher. Wann das sein wird, das will in Reinfeld jedoch niemand mehr vorhersagen.

Von Christoph Staffen, Britta Matzen, Petra Dreu