03. November 2020 / 15:40 Uhr

Kuntz über Wolfsburg-Neuzugang Baku: "Dass er sich die Nationalelf zum Ziel setzt, ist absolut legitim"

Kuntz über Wolfsburg-Neuzugang Baku: "Dass er sich die Nationalelf zum Ziel setzt, ist absolut legitim"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Stefan Kuntz und Ridle Baku 2 - VfL Wolfsburg
Freut sich mit Ridle Baku: Stefan Kuntz, der Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft. © dpa
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Vier Spiele hat Ridle Baku nach seinem Wechsel Anfang Oktober aus Mainz für den VfL Wolfsburg erst gemacht, aber der 22-Jährige hat schnell bewiesen, wie wertvoll er sein kann. Das freut auch U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz.

Ein kluger Pass von Maximilian Philipp in den Rücken der Hertha-Abwehr - und dann geht alles ganz schnell: Toller erster Kontakt mit links von Ridle Baku, mit dem der VfL-Neuzugang an der Strafraumgrenze Matheus Cunha alt aussehen lässt und anschließend dieser Knaller mit links oben rechts rein. Ein Traumtor, eines der Sorte "Tor des Monats". Es war Bakus erstes Tor für den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten. Der kleine Wirbelwind (1,76 Meter groß), gerade aus Mainz gekommen, hat sich schnell zurechtgefunden beim VfL. Das freut auch Stefan Kuntz, den Trainer der deutschen U21-Nationalelf, für die der 22-Jährige spielt.

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179 Tore in 449 Bundesliga-Spielen hat Kuntz einst erzielt, der 58-Jährige weiß also, wo das Tor steht. Was sagt er als ehemaliger Top-Stürmer zu Bakus Treffer in Berlin? „Sicherlich gehört sein Treffer zu den schöneren, die es in der Bundesliga gab", freute sich Kuntz mit dem Wolfsburger. "Er hat im Moment auch das richtige Glück. Der Ball wurde, glaube ich, noch ganz leicht abgefälscht.“

Baku kann hinten rechts spielen, offensiv außen und auch in der Mittelfeld-Zentrale - diese Vielseitigkeit schätzen sie beim VfL, fürs Toreschießen hat der Klub eigentlich andere Spieler in seinen Reihen. Aber der gebürtige Mainzer hat schon in seinem dritten Spiel von Beginn an für Wolfsburg gezeigt, dass er auch das kann. „Weit vorrücken, offensiv dabei sein – das ist sicherlich eine seiner Stärken", lobt Kuntz den Ex-05er.

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Es war Bakus erstes Tor für den VfL, sein vierter Bundesliga-Treffer insgesamt. In der U21 hat er dieses Glücksgefühl noch nicht erleben dürfen. Im September des vergangenen Jahres hatte Kuntz Wolfsburgs neue Nummer 20 beim Test gegen Griechenland (2:0) erstmals aufgeboten, damals im Mittelfeld - da spielt Baku eigentlich auch lieber als hinten rechts, wenngleich er zuletzt betonte, dass diese Position ihm in seiner Entwicklung auch weiterhelfe. In der U21 wird Baku auch weiterhin diese Position bekleiden, denn: "Ich sehe ihn auf der Außenverteidiger-Position aktuell besser als zentral auf der Sechs", begründet Kuntz, der mit der U21 im Sommer 2017 Europameister geworden war. Die VfLer Maximilian Arnold und Yannick Gerhardt hatten damals zum Kader gehört.

Nun hat der VfL mit Baku erneut einen Spieler in diesem Team, der über ganz viel Potenzial verfügt. Kuntz sieht das nicht anders. Er betont: "Wichtig ist, dass der Ridle im Kopf stabil bleibt und dass er Konstanz in seine Leistungen bringt.“ Das ist auch Bakus Ziel. In Wolfsburg will er nun den viel zitierten nächsten Schritt in seiner Karriere machen. Er will sich für höhere Aufgaben empfehlen - Baku will in die A-Nationalmannschaft. Kuntz: "Dass er sich die Nationalmannschaft zum Ziel setzt, ist absolut legitim. Aber jetzt ist es erst mal wichtig, auf hohem Niveau immer wieder Leistungen zu bringen und das, was er schon geleistet hat, zu bestätigen.“

Beim VfL trauen sie das dem Top-Neuzugang, der rund 9 Millionen Euro gekostet haben soll, zu. "Dass er das Potenzial hat, auf der Position in den Kreis der A-Nationalmannschaft zu kommen, ist unbestritten", sagt Sportdirektor Marcel Schäfer, aber er betont: "Er ist gut beraten, sich auf die Leistungen im Verein zu konzentrieren und mit uns erfolgreich zu sein. Wenn er weiterhin täglich hart arbeitet und konstant solche Leistungen zeigt, kommen die Dinge von ganz alleine." Manager Jörg Schmadtke zeigt sich nicht sonderlich überrascht darüber, dass sich Baku so schnell und so gut schon integriert hat. "Das ist ein offener Junge", sagt der 56-Jährige. Wolfsburg und Baku - "das passt einfach. Wir haben bei ihm ein paar Dinge gesehen – und zwar nicht nur die, die er in Mainz gemacht hat." Nein, Baku war den VfL-Verantwortlichen auch schon in der U21 aufgefallen.

Baku ist schnell angekommen beim VfL, die Verletzten Kevin Mbabu und William (hatten beide wegen schweren Knieverletzungen gefehlt) kämpfen sich gerade wieder ans Team heran. Demnächst wird Coach Oliver Glasner für hinten rechts neben Baku noch zwei Alternativen haben. Schmadtke: "Hoffentlich ist diese Konkurrenz-Situation für alle leistungsfördernd und nicht leistungshemmend - andererseits weiß ich, dass der Ridle auch im Mittelfeld spielen kann.“