29. September 2020 / 11:01 Uhr

Kevin Kuranyi: Wagner-Aus bei Schalke 04 zu spät - "Der Neue hat die Hypothek des Horror-Starts"

Kevin Kuranyi: Wagner-Aus bei Schalke 04 zu spät - "Der Neue hat die Hypothek des Horror-Starts"

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider (rechts) hat lange an David Wagner festgehalten. Ex-Profi Kevin Kuranyi kann das Vorgehen nicht nachvollziehen.
Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider (rechts) hat lange an David Wagner festgehalten. Ex-Profi Kevin Kuranyi kann das Vorgehen nicht nachvollziehen. © imago images/RHR-Foto/dpa/Montage
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Der Trainerjob beim FC Schalke 04 ist nach der Beurlaubung von David Wagner alles andere als reizvoll. Sportchef Jochen Schneider steht unter Druck. Für Ex-Profi Kevin Kuranyi kommt die Entlassung viel zu spät, wie der ehemalige Schalke-Star gegenüber dem SPORTBUZZER deutlich macht.

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Der schlechteste Bundesliga-Start der Geschichte war ein Negativrekord zu viel: Der FC Schalke 04 trennte sich nur einen Tag nach der 1:3-Niederlage gegen Werder Bremen von Trainer David Wagner. "Es gab wahrscheinlich keinen anderen Weg mehr. Nach so vielen Spielen ohne Sieg, nach diesem Saisonstart, musste gehandelt werden", sagt der frühere Schalke-Profi Kevin Kuranyi exklusiv dem SPORTBUZZER: "Es bleibt die Frage, ob man das nicht hätte kommen sehen können – um dann mit einem neuen Trainer in die Saison zu gehen. Der Neue hätte eine komplette Vorbereitung gehabt – und nicht die Hypothek dieses Horror-Saisonstarts." Der 48-jährige Wagner war nach saisonübergreifend 18 sieglosen Bundesligaspielen beurlaubt worden. Im Jahr 2020 ist Schalke der erfolgloseste Klub der Bundesliga.

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Wagner, Domenico Tedesco, Markus Weinzierl, André Breitenreiter, Roberto di Matteo, Jens Keller - nahezu jeder Trainer seit 2012 hatte entweder von Beginn an einen schweren Stand oder erlebte nach einem vielversprechenden Beginn einen beispiellosen Absturz. Selbst renommierte Trainer wie Ralf Rangnick scheinen sich daher zu fragen, ob sie sich den Job beim schlechtesten Bundesliga-Teams des Jahres 2020 überhaupt antun würden.

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Könnten ins Spiel gebrachte Namen wie Manuel Baum, Dimitrios Grammozis, Sandro Schwarz oder Valérien Ismaël den Klub retten? "Ich will mich da gar nicht an Namensspekulationen beteiligen. Aber es sollte ein Trainer sein, der zur Schalker Malocher-Mentalität passt, der hart genug ist, um eine Kabine in den Griff zu bekommen – und eine Nähe zu den Menschen hat. Denn auf Schalke gehört mehr als irgendwo sonst dazu, dass man die Fans, das Umfeld, den ganzen Verein mitnimmt. Und natürlich sollte er schon einmal gezeigt haben, dass er ein Team formen und mit ihm Erfolg haben kann", meint Kuranyi.

Kuranyi über die Schalke-Krise: "Gibt meistens viele Faktoren"

Zuletzt schien Wagner und auch Schneider vieles zu entgleiten. Erschwerende hinzu kommt die finanzielle Schieflage des Klubs. Lange konnten die von Schulden geplagten Schalker keine Neuzugänge präsentieren. Im Trainingslager wurde ein Profi positiv auf Corona getestet, es folgte das fatale 0:8 beim FC Bayern, ein weiterer Corona-Fall und gegen Bremen auch noch die Spuck-Attacke von Ozan Kabak. Kuranyi tut sich schwer, die schwierige Situation bei den "Königsblauen" zu analysieren: "Das ist von außen schwierig zu beurteilen und auch etwas anmaßend. Für solche eine Krise gibt es meistens viele Faktoren. Wichtig ist, dass man das alles genau analysiert, gegensteuert und dann mit Demut realistische Ziele formuliert."

Es ist nun sehr schwierig für Sportchef Schneider, einen Nachfolger für den am Sonntag geschassten Wagner zu finden. Am Montagnachmittag tagte der Aufsichtsrat des Klubs - turnusmäßig. Die erste Einheit der Woche am Dienstag in der Vorbereitung auf das Spiel am Samstag gegen RB Leipzig leiten wohl die Athletiktrainer Werner Leuthard und Quirin Löppert. Eine schnelle Entscheidung in der Trainer-Frage ist nicht in Sicht.