16. Mai 2021 / 07:52 Uhr

Nach Corona-Ausbruch: L.E. Volleys schaffen Wunder von der Brüderstraße

Nach Corona-Ausbruch: L.E. Volleys schaffen Wunder von der Brüderstraße

Christian Dittmar
Leipziger Volkszeitung
Den starken Gegner bezwungen: Jubel bei den L.E. Volleys.
Den starken Gegner bezwungen: Jubel bei den L.E. Volleys. © Alexander Prautzsch
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Die L.E. Volleys haben den klaren Zweitliga-Favoriten Baden Volleys SSC Karlsruhe in der heimischen Sporthalle niedergerungen. Das Leipziger Rumpfteam gewann gegen den Tabellenzweiten mit 3:2. Für das Team von Cheftrainer Christoph Rascher war es der optimale Abschluss einer turbulenten Saison.

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Leipzig. Die Meisterschaft des Rests von Leipzig 1964, der Erfolg der MBC-Basketballer gegen die übermächtigen Bayern 2016 oder der Last-Minute-Sieg für einen dezimierten SC DHfK gegen die Füchse vor zwei Monaten – der Leipziger Sport hat schon einige Sensationen hervorgebracht. Seit Samstagabend ist er um eine reicher: das 3:2 (19:25, 25:19, 25:20, 21:25, 15:11) der absoluten Not-Sieben der L.E. Volleys gegen den turmhohen Favoriten Baden Volleys Karlsruhe in der heimischen Sporthalle Brüderstraße.

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Volleys drehen auf

Die Konstellation: bei den Leipzigern hatte sich nach dem Spiel in Dresden fast der gesamte Kader mit dem Coronavirus angesteckt und fällt seitdem aus. Gegen Karlsruhe traten daher nur die beiden nicht-infizierten Spieler Jerome Ptock und Chris Warsawski an, dazu die lange verletzten Tjerk Dercksen und Maximilian Schmidt, der reaktivierte Jannik Kühlborn und die beiden Regionalliga-Akteure Max Gelsdorf und Paul Howorka, die seit einem halben Jahr keinen Ball mehr in der Hand gehabt hatten. Gerade zweimal hatte dieses Leipziger Allerlei unter der Woche Zeit gehabt, sich im Training zu finden. Auf der anderen Seite der Tabellenzweite aus Baden, der von den vergangenen 14 Partien nur eine verloren hatte (gegen Spitzenreiter Grafing), mit voller Kapelle an die Pleiße reiste und noch die Chance hatte Meister zu werden - weswegen das Match überhaupt noch ausgespielt wurde.

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Stark! Die L.E. Volleys siegen auf heimischem Parkett gegen den Tabellenzweiten aus Karlsruhe 3:2. Zur Galerie
Stark! Die L.E. Volleys siegen auf heimischem Parkett gegen den Tabellenzweiten aus Karlsruhe 3:2. ©

Der Verlauf: im ersten Satz wie erwartet, die Gäste dominierten von Beginn an. Doch dann drehten die Volleys plötzlich auf und spielten Karlsruhe im zweiten und dritten Durchgang an die Wand. Warsawski konnte sich beim Satzball im dritten Abschnitt sogar einen Aufschlag von unten leisten – eine subtile Geste des Protests gegen die Volleyball Bundesliga, die die Leipziger zu diesem Duell genötigt hatte, wie der Kapitän nach Spielende erklärte. Den vierten Satz gewannen dann wieder die Baden Volleys, sodass der Tiebreak entscheiden musste. Mit nur einem Auswechsler hätte man den Hausherren auch hier eigentlich nichts mehr zugetraut, aber um 20.07 Uhr verwandelten sie schließlich ihren dritten Matchball!



Abschluss der turbulenten Saison

"Das war ein Spiel, bei dem gesehen hat, was der Kopf ausmacht", versuchte sich Volleys-Coach Christoph Rascher danach an einer Erklärung. Die Karlsruher hätten angesichts des Drucks verkrampft gespielt, seine Jungs dagegen komplett locker. Warsawski wiederum meinte, dass es vor allem an der Freude und Leichtigkeit der Leipziger gelegen hätte, die man ihnen tatsächlich auch ansehen konnte - bei jedem Punktgewinn hatten sie ein Lächeln auf den Lippen. Die Gäste handelten sich dagegen wegen Lamentierens eine Rote Karte ein.

Für die Leipziger war es der optimale Abschluss einer turbulenten Saison. Trotz dreier nicht mehr ausgetragener Partien - wegen der Corona-Quarantäne fürs Team - beenden sie die Spielzeit mit der besten Platzierung seit sieben Jahren. Ein kleines Aber bleibt noch, da das ausstehende Match in Mühldorf noch nicht offiziell abgesagt wurde. Allerdings kann sich auf Leipziger Seite keiner vorstellen, dass man noch in Oberbayern antreten wird. Wobei den letzten Volleys-Mohikanern mit der Leistung von Samstagabend sogar dort etwas zuzutrauen wäre.